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Von allen deutschen Filmen lockte "Fuck ju Göhte 3" die meisten Besucher in die deutschen Kinos.
Constantin Film

Solides Finale So schließt das Kinojahr 2017 ab

Von allen deutschen Filmen lockte "Fuck ju Göhte 3" die meisten Besucher in die deutschen Kinos.
Ein ordentliches zweites Halbjahr sorgt für ein gutes, aber kein sehr gutes Kinojahr 2017 – Umsätze und Besucherzahlen wachsen wieder, ein Rekord bleibt jedoch fern.
von Fabian Müller, Montag, 05. Februar 2018
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    Zwei Männer sind die Lebensversicherung des deutschen Kinos: Elyas M’Barek und ein Herr namens "Göhte". Den dritten Teil der Erfolgsreihe "Fack ju Göhte" mit M’Barek in der Hauptrolle wollten im vergangenen Jahr 6 Millionen Menschen sehen – kein Film lockte hierzulande mehr Besucher in die Lichtspielhäuser. Das ist zwar weniger als Teil 1 (7,4 Millionen) und Teil 2 (7,7 Millionen), reicht aber trotzdem für den Sieg vor Umsatzmarktführer "Star Wars – Die letzten Jedi" (4,7 Millionen Besucher).
     „Star Wars – Die letzten Jedi" und „Fack ju Göhte 3“ brachten 2017 den größten Umsatz.
    „Star Wars – Die letzten Jedi" und „Fack ju Göhte 3“ brachten 2017 den größten Umsatz. (© HORIZONT)
    Gemeinsam sorgten beide Titel für einen gewohnt soliden Jahresendspurt. Traditionell ist das 4. Quartal wegen der Starts vieler Blockbuster pünktlich zur Weihnachtszeit ein Garant für volle Säle. Trotzdem scheiterte die Branche nach den Zahlen von Comscore denkbar knapp an der letztmals im Rekordjahr 2015 geknackten Milliarden-Grenze. Sie beschließt das Jahr mit einem Gesamtumsatz von 993,7 Millionen Euro. "Das ist ein stabiles, ordentliches Ergebnis – kein Grund zum Jubeln, aber auch kein Grund zur Trauer", sagt Bernd Zickert, Geschäftsführer des von Comscore übernommenen Analyseinstituts Rentrak.
    Der Kino-Umsatz 2017 konnte die Milliarden-Marke von 2015 nicht übertreffen.
    Der Kino-Umsatz 2017 konnte die Milliarden-Marke von 2015 nicht übertreffen. (© HORIZONT)
    Nimmt man das 1. Halbjahr als Grundlage, wäre letztlich sogar noch mehr möglich gewesen. Zur Jahresmitte hatte die Kinowirtschaft klar auf Milliarden-Kurs gelegen (HORIZONT 31/2017) – vor allem wegen eines starken 2. Quartals (plus 30,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Weil aber das 3. Quartal (minus 3,3 Prozent) schwächelte und auch das 4. Quartal nur mäßig zulegte (plus 1,8 Prozent), reichte es nicht zum Sprung über die magische Grenze. Zu Buche steht vor allem ein katastrophaler September, in dem die Kinobranche fast 20 Prozent weniger umsetzte als noch im vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr.
    Das Kinojahr 2017 verzeichnet ein kleines Plus bei den Besucherzahlen.
    Das Kinojahr 2017 verzeichnet ein kleines Plus bei den Besucherzahlen. (© HORIZONT)
    Dass sich die Branche dennoch recht zufrieden zeigt, liegt unter anderem am Besucherzuwachs. 113,2 Millionen bedeuten das zweitbeste Endergebnis seit 2013. Deutsche Filme lockten insgesamt 25,6 Millionen Besucher in die Kinosäle, ein ordentlicher Erfolg, der vor allem "Fack ju Göhte 3" (Constantin Film) zuzurechnen ist. Jenseits der unter dem Motto "#FinalFuck" beworbenen Erfolgskomödie steht es um die deutschen Produktionen allerdings nicht besonders gut: Ihr Anteil am Gesamtumsatz betrug nur dank M’Barek und Co recht stabile 20 Prozent (198,6 Millionen Euro). Hinter dem Trilogie-Finale rangieren mit "Bullyparade – Der Film" (Warner) und "Bibi &Tina – Tohuwabohu total!" (DCM) nur zwei weitere einheimische Produktionen unter den Umsatz-Top-30. Zickert zeigt sich jedoch optimistisch, dass der deutsche Film auch in der Zeit nach "Fack ju Göhte" den ein oder anderen Überraschungshit wird landen können. Tenor: Es muss nicht immer ein Sequel sein.
    "Fuck ju Göhte 3" ist hierzulande mit Abstand der beliebteste Kinofilm 2017.
    "Fuck ju Göhte 3" ist hierzulande mit Abstand der beliebteste Kinofilm 2017. (© HORIZONT)
    Damit könnten sicherlich auch die Vermarkter gut leben, die ohnehin ein positives Fazit ziehen. Klar: Auch wenn sich die Gattung laut Marktführer Werbe Weischer weitgehend von den von Jahr zu Jahr schwankenden Zuschauerzahlen emanzipiert hat, ist das Medium Kino natürlich besser zu vermarkten, wenn es eine entsprechende Reichweite generiert. Für 2017 vermeldet Nielsen Brutto-Spendings in Höhe von 159,9 Millionen Euro. Das bedeutet zwar nach wie vor nur einen geringen Anteil am Gesamtwerbemarkt (0,5 Prozent), aber immerhin ein klares Plus von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Interessante Randnotiz für das "meisttotgesagte Medium der Geschichte" (Weischer-CEO Stefan Kuhlow):Der größte Neuinvest eines Werbekunden kommt ausgerechnet von einem digitalen Player: Amazon investierte 3,6 Millionen Euro mehr als 2016. fam
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