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Sahra Wagenknecht liegt vorn
Die Linke

Social-Media-Wahlkampf Sahra Wagenknecht schlägt Martin Schulz und Angela Merkel

Sahra Wagenknecht liegt vorn
Würde die Bundestagswahl im Social Web entschieden, dann könnten sich die Spitzenpolitiker von Die Linke am Wahl-Wochenende entspannt zurücklehnen. Eine Analyse von Scholz & Friends und Ubermetrics kommt zu dem Ergebnis, dass Linken-Chefin Sahra Wagenknecht die effektivste Social-Media-Wahlkämpferin ist. Wenn es um die Viralität von Facebook-Posts und Tweets geht, dann können weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch SPD-Herausforderer Martin Schulz mit Wagenknecht mithalten.
von Marco Saal, Freitag, 22. September 2017
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    Für die Untersuchung hat Scholz & Friends Agenda mit Unterstützung der Social-Listening-Experten von Ubermetrics in den letzten vier Wochen vor der Wahl die gesamte Social-Media-Kommunikation der über 2.500 Kandidatinnen und Kandidaten der deutschen Parteien unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Wenn es um die Interaktion mit Politiker-Beiträgen im Social Web geht, dann ist Sahra Wagenknecht nicht zu schlagen. Die insgesamt 101 Posts der Linken-Chefin wurden im Verhältnis am häufigsten retweetet, verlinkt oder kommentiert.

    Die viralsten Wahlkämpfer

    Die viralsten Wahlkämpfer
    Die viralsten Wahlkämpfer (Bild: S&F)
    Der Viralitätswert, für den Scholz & Friends Agenda und Ubermetrics jeweils die Gesamtheit aller Reaktionen auf Posts und Tweets zusammengerechnet haben, liegt bei Wagenknecht bei 403.618 Punkten - und ist damit deutlich höher als bei der Konkurrenz. So kommt SPD-Chef Martin Schulz mit 186 Posts auf einen Viralitätswert von 151.998 Punkten, CDU-Chefin Angela Merkel, die im Untersuchungszeitraum vom 18. August bis 20. September insgesamt 59 Posts absetzte, erreicht 128.717 Punkte - und liegt damit hinter Schulz auf Rang 3.  Interessant: Obwohl AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und FDP-Chef Christian Lindner mit 502 (Weidel) beziehungsweise sogar 785 (Lindner) Posts im Social Web deutlich aktiver waren, lässt die Viralität zu wünschen übrig. Weidel erreicht immerhin noch 119.144 Punkte, was im Viralitätsranking für Rang 4 reicht. Lindner kommt lediglich auf 78.456 Punkte und landet auf Rang 5. Mit Frauke Petry (Rang 6) und Beatrix von Storch (Rang 7) befinden sich zwei weitere AfD-Vertreterinnen unter den Top Ten. Das Grünen-Spitzenduo mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt folgt auf Platz 8 und 9. Den 10. Platz hält Heiko Maas (SPD).

    METHODE

    Im Zeitraum vom 17.8. bis zum 20.9. wurden die Äußerungen und Erwähnungen der rund 2.500 Kandidatinnen und Kandidaten der Parteien CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, FDP und AfD für den Deutschen Bundestag in den sozialen Netzwerken erfasst und ausgewertet (insg. rund 1,6 Mio. Beiträge). Hierzu zählten insbesondere Facebook und Twitter. Analysiert wurden die eigenen Posts der Kandidaten in dem Zeitraum (ca. 122.000) sowie die Viralität der Posts (Kommentierungen, Retweets und Verlinkungen). Beiträge von den Social-Media-Präsenzen der Parteien und ihrer Landesverbände wurden nicht berücksichtigt.
    Neben den Politikern mit den viralsten Posts hat Scholz & Friends auf Basis der Untersuchung auch die aktivsten Wahlkämpfer gekürt. Hier liegt SPD-Politiker Johannes Kahrs mit großem Abstand vorn. Mit über 2.000 abgesetzten Posts von Mitte August bis Mitte September ist er mit Abstand der digital aktivste Wahlkämpfer vor Renate Künast (Bündnis90/ Die Grünen: 1104 Posts), Frank Pasemann (AfD: 1021 Posts), Britta Hasselmann (Bündnis90/ Die Grünen: 900 Posts) und Christian Lindner (FDP: 785 Posts). 

    Die beiden erfolgreichsten Posts des Wahlkampfs kamen, gemessen an ihrer Viralität, von Martin Schulz. Die höchste Resonanz fand der Beitrag des SPD-Spitzenkandidaten auf Facebook vom 4. September. "Der AfD und ihrem Spitzenhetzer Gauland muss man klar entgegentreten", hatte Schulz verkündet. Auf Rang 2 folgen die Feiertagswünsche von Schulz zum islamischen Opferfest am 1. September, auf Platz 3 die Stellungnahme von Alice Weidel (AfD) nach ihrem Abgang aus der ZDF-Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ am 5. September.

    Die Untersuchung zeigt auch, dass sich das Social Web noch nicht bei allen deutschen Parteien etabliert hat. So waren die SPD-Kandidaten mit 30.885 Posts in den vergangenen Wochen am aktivsten, gefolgt von den CDU/CSU-Vertretern mit 23.441 Posts. Es folgen dicht dahinter die Grünen mit 22.336 und die AfD mit 22.100 Posts. Schlusslicht sind die Kandidaten der FDP mit 11.215 Posts. Die Posts der AfD liegen damit zwar in absoluten Zahlen im Mittelfeld, weisen aber von allen Parteien den höchsten Viralitätswert auf, dicht gefolgt von Linke und CDU.

    "Die AfD hat es geschafft, die Top-Hashtags zu bestimmen und mit dem Flüchtlingsthema und gezielten Provokationen auch im Netz zu dominieren", sagt Stefan Wegner. Aus Sicht des Geschäftsführers von Scholz & Friends Agenda gelingt es den Parteien am linken und rechten Rand effizienter, die eigenen Anhänger im Social Web zu mobilisieren - vor allem durch Zuspitzung und Provokation. "Erstaunlich ist, dass es sich immer noch viele Kandidaten leisten, Social Media überhaupt nicht zu nutzen und so das Spielfeld dem Wettbewerb zu überlassen.“ mas
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