Snapchat Was die Hype-App für Fußball-Bundesligisten leisten kann

Freitag, 05. Februar 2016
Borussia Mönchengladbach postete fleißig Snaps aus dem Trainingslager
Borussia Mönchengladbach postete fleißig Snaps aus dem Trainingslager
Foto: Borussia Mönchengladbach / Screenshot Snapchat

Snapchat gilt als das nächste große Ding im Digital Marketing. Gerade im Sport hat die App großes Potenzial, weil dort viele hochwertige Inhalte warten, die sich eventbezogen abbilden lassen. Wie das aussehen kann, zeigte beispielsweise der Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach im Wintertrainingslager in der Türkei.

Während die Mannschaft auf dem Platz schwitzte, lieferte auch die Medienabteilung des Vereins eine Höchstleistung ab: Vier soziale Netzwerke werden gleichzeitig bedient. Eines davon: Snapchat, das neue "Next Big Thing" im Social-Media-Bereich. Snapchat funktioniert nach dem Vergänglichkeits-Prinzip. Das heißt: Gepostete Inhalte verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Bei Events oder bestimmten Anlässen lassen sich die Snaps zu sogenannten Stories zusammenfassen. Jüngsten Erhebungen zufolge nutzen derzeit weltweit etwa 200 Millionen – überwiegend junge – Menschen die App.

In Mönchengladbach dient Snapchat tatsächlich in erster Linie zur Begleitung von Events. "Die Vorteile der Plattform bestehen vor allem in ihrer Einfachheit: Es ist kein großer Aufwand nötig, um eine gute Snapchat-Story zu produzieren", erklärt Andreas Cüppers, der bei der Borussia den Bereich Neue Medien leitet. Ein Smartphone genüge eigentlich.

Damit liegen die "Fohlen" aus Gladbach für Bastian Steineck voll im Trend. "2016 wird das Jahr von Snapchat", prophezeit der Head of Social Media der Hamburger Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/Sports. Besonders bei sehr jungen Zielgruppen, sprich den unter 20-Jährigen, erfreut sich Snapchat großer Beliebtheit – zunehmend auch in Deutschland. Dieses Potenzial sollten sich Clubs nicht entgehen lassen, rät Steineck.

Die Gladbacher Snaps aus Belek sind für ihn ein gutes Anwendungsbeispiel: "Wintertrainingslager waren aus Fansicht bislang ein Albtraum." Durch Social Media ändere sich das nun. "Viele Vereine und Spieler haben es sehr gut hinbekommen, die Distanz durch ihre Snapchat- Kommunikation abzubauen. Dort bekommen Fans Einblicke, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären."Doch für Vereine und Sponsoren gibt es noch große Unwägbarkeiten, was den sinnvollen Einsatz von Snapchat angeht. Im Gegensatz zu Facebook und Instagram, die mittlerweile von jedem Verein der ersten Bundesliga genutzt werden und mit hohen Reichweiten und guten Werbesowie Targeting-Möglichkeiten glänzen, ist Snapchat noch so etwas wie ein Versprechen auf die Zukunft. Denn die App wächst zwar kräftig, ein wirkliches Geschäftsmodell fehlt allerdings. Gründer und CEO Evan Spiegel experimentiert derzeit fleißig mit Werbeformen und Ad-Tech-Lösungen – wie sinnvoll diese von Werbungtreibenden genutzt werden können, steht allerdings noch in den Sternen.

Hinzu kommt ein Begriff, der in Zusammenhang mit Snapchat häufig zu hören ist: Black Box. Damit ist nicht nur die Funktionsweise der App gemeint, die sich nicht jedem sofort erschließt. Insbesondere die Kontrolle und Messung von Kampagnen ist aktuell auf der Plattform kaum möglich. Dies sei ein Grund, warum Borussia Mönchengladbach die App noch nicht strategisch einsetze, so Cüppers. "Dazu wissen wir zu wenig über unsere Fans auf dem Kanal."
Snapchat
Bild: Snapchat

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Auch Steineck ist der Meinung, dass Snapchat noch deutlich wird nachlegen müssen, wenn es sich als relevante Plattform etablieren will. Und Relevanz heißt eben auch: Es sollte irgendwann Geld bringen. Davon sei Snapchat aktuell allerdings weit entfernt, so der Social-Media-Experte: "Snapchat ist derzeit ein Channel für Branding beziehungsweise Brand Building. Ein Trikot wird man hier wohl eher nicht verkaufen. Genau das werden die Vereine und Sponsoren mit steigender Relevanz der App aber nachfragen." ire

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