#Sklavando RTL-Doku stürzt Zalando in Shitstorm

Dienstag, 15. April 2014
Szene aus RTLs Zalando-Reportage (Bild: Screenshot rtl.de)
Szene aus RTLs Zalando-Reportage (Bild: Screenshot rtl.de)


Bei Zalando herrsche "ein Klima, geprägt von ständiger Angst": Es sind harte Vorwürfe, die in einem RTL-Bericht gegen den Versandhändler vorgebracht werden. Reporterin Caro Lobig hat sich drei Monate lang undercover die Arbeitsbedignungen einem Logistikzentrum bei Erfurt angesehen - und zeigt sich entsetzt. Zalando wehrt sich heftig gegen die Vorwürfe. Der Fall erinnert an die umstrittene Amazon-Reportage der ARD aus dem vergangenen Jahr: Bis zu 27 Kilometer musste Lobig nach eigener Auskunft innerhalb einer 8-Stunden-Schicht zurücklegen, um die bestellten Artikel Stück für Stück aus den Regalen zu holen. Sitzen sei unerwünscht, wer unbequem wird, werde unter Druck gesetzt bzw. "entsorgt". Der Preis: Erschöpfung, Kreislaufprobleme. Und nicht nur bei Lobig: "Es vergeht kaum ein Tag, an dem dort kein Rettungswagen gerufen wird", wird ein anonymer Rettungssanitäter zitiert. Sogar von einem Herzinfarkt auf der Toilette ist die Rede. Der Lohn: 8,79 Euro pro Stunde, nur knapp über dem gerade gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn. So schildert es Lobig in ihrem Bericht für das Magazin "Extra", für den sie von Günter Wallraff begleitet wurde. Der Investigativ-Journalist wird ab dem 28. April selbst wieder für RTL auf Undercover-Recherche gehen und das "Team Wallraff" anführen.


Zalando wehrt sich indes gegen die Vorwürfe: "Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten", heißt es auf der Unternehmens-Homepage. Bereits kurz nach Ausstrahlung des Berichts am Montagabend hatte sich Zalando-Sprecher Boris Radke auf Twitter zu Wort gemeldet und von "krassen Lügen" gesprochen. Eine Anfrage von RTL, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, habe es nicht gegeben. Hierzu führt Zalando online weiter aus, dass lediglich von Reporterin Lobig "ohne weitere Hinweise" ein Fragenkatalog eingegangen sei. "Da wir uns zum aktuellen Zeitpunkt in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit Frau Lobig befinden, haben wir uns entschieden, ihre Fragen nicht zu beantworten", heißt es von Zalando.

Hintergrund: Dem "Handelsblatt" zufolge flog Lobigs Tarnung am 28. März auf, woruafhin Zalando Klage einreichte. "Diese Anzeige halten wir aufrecht. Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind", so Radke laut der Onlineausgabe der Wirtschaftszeitung. Lobig ihrerseits habe mit Verdi eine Kündigungsschutzklage gegen Zalando angestrengt.

Unterdessen wird Zalando auf Twitter und Facebook zum Gegenstand heftiger Kritik. Unter den Hashtags #Zalando und auch #Sklavando machen viele User ihrer Empörung Luft, und auch auf der Facebook-Seite des Versandhändlers wird Zalando die Meinung gegeigt: Der Post "Die Doku lügt nicht...das ist einfach Menschenunwürdig was ihr da abzieht !!!!!!!!!!!!!!!" etwa hat derzeit gut 100 Likes. Das Unternehmen verweist auch hier auf seine ausführliche Stellungnahme zu dem RTL-Beitrag. Darin verweist David Schröder, Geschäftsführer Zalando Operations, beispielsweise darauf, dass eine extern durchgeführte Befragung ergeben habe, dass 88 Prozent der Zalando-Mitarbeiter ihre Tätigkeit Spaß mache.



Dass der Shitstorm alsbald abkühlt, ist erst einmal nicht zu erwarten. Wie die Folgen für Zalando aussehen - unklar. Aber das "Sklavando"-Logo, das im Netz derzeit fleißig geteilt wird, hat es fürs Erste zum Mem gebracht. ire
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