Sixt-Motiv Mollath-Anwalt droht mit Klage / ZAW hält Motiv für bedenklich

Dienstag, 13. August 2013
So warb Sixt in der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag (Bild: Unternehmen)
So warb Sixt in der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag (Bild: Unternehmen)


Das Anzeigenmotiv mit Gustl Mollath hat für den Autovermieter Sixt möglicherweise ein unangenehmes Nachspiel: "Wir werden presserechtlich dagegen vorgehen. Das ist ein dreister Rechtsbruch", sagte Mollaths Anwalt Gerhard Strate gegenüber den Nachrichtenagentur dpa. Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft hält die Kampagne für bedenklich. Man ist das Spiel ja mittlerweile gewohnt: Kaum, dass einem Prominenten irgendein Missgeschick widerfährt, ein Politiker einen unbedachten Satz von sich gibt oder ein mit Sapnnung erwartetes Ereignis vor der Tür steht, folgt oft auch eine freche Werbeanzeige von Sixt. Angela Merkel könnte davon ebenso ein Lied singen wie Silvio Berlusconi, Philipp Rösler, Christian Wulff oder die Griechen. Meistens bleibt es bei dem kurzen Spaß, manchmal folgt etwas öffentlicher Aufruhr, wie im Falle des Piraten Gerwald Claus-Brunner, der ebenfalls von Sixt unfreiwillig als Testimonial eingespannt wurde und davon "nicht begeistert" war. Doch wie gesagt: meistens bleibt es ruhig.

Diesmal wohl nicht. Gerhard Strate, Rechtsbeistand von Gustl Mollath, schäumt ob des "dreisten Rechtsbruchs" durch Sixt. Die Autovermietung hatte gestern in der "Süddeutschen Zeitung", auf der eigenen Website sowie auf Facebook ein Werbemotiv Motiv veröffentlicht. Darauf ist der Satz "Wenn hier einer verrückt ist, dann dieser Sixt mit seinen Preisen" zu lesen, darüber ein skeptisch dreinblickender Mollath. Das Zitat sei frei erfunden, so Strate gegenüber der dpa. Man wolle nun presserechtlich gegen die Werbung vorgehen. Vor allem die Verwendung des Begriffs "verrückt" hält Strate im Zusammenhang mit seinem Mandanten für höchst problematisch. Mollath war 2006 aufgrunde des Vorwufs der Körperverletzung und der Gemeingefährlichkeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen und erst vor wenigen Tagen nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg entlassen worden.

Kritik an der Anzeige kommt unterdessen auch vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Dessen Sprecher Volker Nickel sagte gegenüber dem Deutschlandradio Kultur, er habe "auf mehreren Ebenen Bedenken". Es seien möglicherweise Persönlichkeitsrechte verletzt worden, weil Mollath für die Annonce nicht kontaktiert worden sei. Zum anderen werde dem Betrachter suggeriert, dass es sich bei dem Satz auf der Anzeige um eine wirkliche Aussage Mollaths handeln könne. Sixt habe daraufhin gekontert, dass Mollath eine öffentliche Persön sei, daher dürfe man ihn auch ungefragt zum Gegenstand einer satirischen Darstellung machen. Die verantwortliche Werbeagentur Jung von Matt wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Disskussion äußern.

"Clap"-Cartoonist Bulo sagt Sixt Adieu (Bild: Screenshot clap-club.de)
"Clap"-Cartoonist Bulo sagt Sixt Adieu (Bild: Screenshot clap-club.de)
Sixt ist derweil um Schadensbegrenzung bemüht. In einem Blogeintrag erklärte das Unternehmen, dass man Kontakt mit Mollath aufzunehmen versuche, "um diesem ein Honorar für die Werbung anbieten zu können." Auf juristischer Ebene lässt sich so vielleicht ein wenig Ärger abwenden - den Shitstorm im Netz, hier abgebildet auf der Website von Lightparc, wird Sixt nicht mehr abwenden können. Aus den bisher über 800 Kommentaren auf der Facebook-Seite des Autovermieters sprechen Spott und Verachtung, auf Twitter bietet sich das gleiche Bild. Besonders bitter: Zahlreiche Kunden drohen damit, keine Autos mehr bei Sixt buchen zu wollen. Einer davon ist Bulo, Chef-Cartoonist bei dem Medien-Magazin "Clap", der sich mit einem selbstgestalteten Motiv von Sixt verabschiedet (siehe Bild links). ire

In einer früheren Version des Artikels würde Volker Nickel als Sprecher des Deutschen Werberats zitiert. Richtig ist: Nickel äußerte sich zu der Angelegenheit als Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft.
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