Shitstorm Warum Lidl ins Kreuz-Feuer geraten ist

Montag, 04. September 2017
Auf dem Lidl-Motiv fehlt ein entscheidendes Detail
Auf dem Lidl-Motiv fehlt ein entscheidendes Detail
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Eigentlich ist es völlig egal, was Lidl derzeit auf Facebook postet. Ob es nun darum geht, dass der Discounter seinen Kakao fair handeln lässt oder die Milbona-Alpenmilch ab sofort mit dem Label des Tierschutzbundes ausgezeichnet wird - die Reaktionen unterscheiden sich nur in Nuancen und reichen aktuell von wüsten Beschimpfungen über Beleidigungen bis hin zum Boykottaufruf. Grund für die Hass-Tiraden ist das Verpackungsdesign eines Lidl-Angebots. 
Stein des Anstoßes ist das Motiv, das kürzlich auf einigen Produkten der Lidl-Eigenmarke Eridanous zu sehen war. Auf den ersten Blick scheint daran nichts ungewöhnlich zu sein. Zu sehen ist eine strahlend weiße, griechisch-orthodoxe Kirche mit blauem Kuppeldach vor azurblauem Meer, das Motiv entstand wohl auf der griechischsten aller Inseln, dem Kykladen-Eiland Santorin.
Vorher - nachher: Auf dem Original-Bild ist das Kreuz noch zu sehen
Vorher - nachher: Auf dem Original-Bild ist das Kreuz noch zu sehen (Bild: Screenshot RTL Info)
Erst beim zweiten Hinschauen fällt auf, dass ein (entscheidendes) Detail fehlt - das Kreuz auf der Kuppel. Dieses wurde, wie zuerst RTL Info berichtete, offenbar kurzerhand wegretuschiert. Was so mancher nun zum Anlass nimmt, Lidl massiv zu kritisieren. Der Discounter wende sich von der christlichen Kultur ab und biedere sich dem Islam an, lautet der (in politisch korrektes Deutsch übersetzte) Vorwurf, mit dem sich Lidl derzeit auf Facebook auseinandersetzen muss. 

In Belgien, wo das fehlende Kreuz zuerst bemerkt wurde, begründete Lidl die Entfernung des Symbols damit, dass das Unternehmen keinerlei Partei ergreifen wolle. 
"Wir vermeiden grundsätzlich den Gebrauch von religiösen Symbolen. Damit wollen wir unsere Neutralität unterstreichen“, wird ein Sprecher von RTL Info zitiert. Das Unternehmen respektiere religiöse Vielfalt, deshalb habe man das Design verändert.

„Es tut uns sehr leid, dass das aktuelle Design für Unmut sorgt, dahinter steckt keine böse Absicht. “
Lidl-Sprecher
Doch der Shitstorm war da schon im Anmarsch - und ist spätestens heute in Deutschland angekommen. Auf Facebook gab es noch am Montagmittag hunderte Hass-Kommentare, in denen Lidl aufs Übelste beschimpft wurde und in denen zum Boykott des Handelsriesen aufgerufen wurde. Während Lidl den Nörglern auf Facebook eine Antwort schuldig blieb, äußerte sich das Unternehmen gegenüber HORIZONT Online. Eine Sprecherin betont, dass Lidl das Verpackungsdesign seines Eridanous-Sortiments in den vergangenen zehn Jahren in ganz Europa immer wieder verändert hat. "Es tut uns sehr leid, dass das aktuelle Design für Unmut sorgt, dahinter steckt keine böse Absicht. Wir werden das Feedback weitergeben und dieses bei der Gestaltung künftiger Verpackungen berücksichtigen", heißt es weiter. 

Bemerkenswert ist, wie Lidl mit den Facebook-Beschimpfungen umgeht. Denn am Montagnachmittag waren die Facebook-Posts mitsamt den Kommentaren zunächst komplett verschwunden. Offenbar hat Lidl die Beiträge kurzerhand gelöscht. Wenig später war zumindest ein Post mit kritischen Kommentaren wieder online. Gegenüber HORIZONT Online begründet Lidl die Löschung der Kommentare mit den Verhaltensregeln für Kommunikation, die Lidl Deutschland hat auf seiner Facebook-Seite aufgeführt hat. "Unter Netiquette weisen wir darauf hin, dass wir für den Inhalt fremder Websites keine Verantwortung übernehmen können und daher Bilder sowie Links entfernen müssen. Darüber hinaus behalten wir uns vor, beleidigende und diskriminierende Inhalte zu löschen", sagt die Sprecherin. mas
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