Ségolène Royal vs. Nutella So reagiert Ferrero auf den Boykott-Aufruf der französischen Umweltministerin

Mittwoch, 17. Juni 2015
Nutella bekommt Gegenwind aus Frankreich
Nutella bekommt Gegenwind aus Frankreich
Foto: Ferrero

Wenn es nach der französischen Umweltministerin Ségolène Royal geht, sollten ihre Landsleute möglichst rasch aufhören, Nutella zu essen. Begründung: Der süße Brotaufstrich enthalte Palmöl und trage so zur Abholzung der Wälder bei.
"Wir müssen viele Bäume neu pflanzen, weil es eine massive Entwaldung gibt, die zum Klimawandel beiträgt", sagte Royal in einem Interview mit dem französischen Sender Canal+, aus dem der britische "Guardian" zitiert. Dabei hat sie den Anbau von Ölpalmen als einen Grund des Übels ausgemacht: "Ölpalmen haben Bäume ersetzt und dadurch beträchtlichen Umweltschäden verursacht", so Royal. Wer etwas dagegen tun wolle, könne etwa auf den Konsum von Nutella verzichten - denn das enthalte Palmöl. Nutella-Hersteller Ferrero wollte Royals Äußerungen auf Anfrage von HORIZONT Online nicht kommentieren. Allerdings, so heißt es in einem Statement aus der französischen Dependance des Süßwarenherstellers, sei man sich seiner Verantwortung für die Umwelt bewusst und sei bereits auch zahlreiche Verpflichtungen bezüglich der Belieferung mit Palmöl eingegangen. "Der Anbau von Ölpalmen kann sehr wohl im Einklang mit der Umwelt und der Bevölkerung erfolgen, die Ferrero-Gruppe unterstützt die Entwicklung nachhaltiger Pflanzen", heißt es in der Stellungnahme.

„Der Anbau von Ölpalmen kann sehr wohl im Einklang mit der Umwelt und der Bevölkerung erfolgen.“
Ferrero
Das Unternehmen verweist weiterhin darauf, dass am Herstellungsstandort im französischen Villers-Ecalles seit zwei Jahren nur zu 100 Prozent als nachhaltig eingestuftes Palmöl verwendet werde. "Aufgrund dieser Selbstverpflichtung kann Ferrero garantieren, dass für die Palmölproduktion kein Urwald  oder andere ökologisch hochwertige Flächen geopfert werden", versichert Ferrero. Laut "Guardian" beziehe das Unternehmen beinahe 80 Prozent seines Palmöls aus Malaysia, der Rest stamme aus Papua Neuguinea, Indonesien und Brasilien.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Nutella ins Visier von Umwelt- oder Verbraucherschützern gerät. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert seit Jahren den hohen Zuckergehalt des Brotaufstrichs, der besonders gerne von Kindern gegessen wird. 2011 wurde Ferrero vom Frankfurter Oberlandesgericht dazu verdonnert, die Nutella-Etiketten anzupassen. Begründung: Die Nährwertangaben auf dem Glas seien irreführend. Und erst zu Beginn dieses Jahres konfrontierte Greenpeace Ferrero mit dem Vorwurf der Kinderarbeit.

Dass die aktuellen Vorwürfe nicht von irgendjemandem kommen, dürfte die Sache für Ferrero durchaus unangenehm machen. Ségolène Royal kandidierte 2007 für die Sozialistische Partei Frankreichs für die Präsidentschaft, verlor aber gegen Nicols Sarkozy. Seit April 2014 ist sie Umwelt- und Energieministerin Frankreichs. Insofern ist ihr Wort in der französischen Gesellschaft nicht ohne Gewicht.

Ob das reicht, um Ferrero in die Bredouille zu bringen, wird sich zeigen. Dass Anti-Palmöl-Kampagnen letztendlich sehr wohl Einfluss auf Geschäftsstrategien haben können, zeigten nicht zuletzt die Fälle Nestlé und Procter & Gamble. Sowohl der Schweizer als auch der amerikanische Konsumgüterkonzern erklärten nach Greenpeace-Protest, die Verwendung von Palmöl zurückzufahren. ire

Update: Inzwischen hat sich Ségolène Royal für ihre Polemik gegen Nutella via Twitter entschuldigt:


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