Sexistische Werbung Werberat rügt drei lokale Unternehmen für Print-, Fahrzeug- und Kinowerbung

Freitag, 02. Juni 2017
Für diese Printanzeige kassierte ein Recyclingunternehmen eine öffentliche Rüge
Für diese Printanzeige kassierte ein Recyclingunternehmen eine öffentliche Rüge
Foto: Deutscher Werberat
Themenseiten zu diesem Artikel:

Werberat Kinowerbung Werbewirtschaft


Die Berliner Agentur Dojo darf zwar im Juni 2017 immer noch nicht nach Rügen reisen, das heißt aber nicht, dass der Deutsche Werberat in den vergangenen Wochen untätig war. Das Kontrollorgan der deutschen Werbewirtschaft spricht öffentliche Rügen an drei lokale und regionale Unternehmen aus, die Frauen mit ihrer Werbung herabgewürdigt haben. Darunter befinden sich eine Zeitungsanzeige, eine Fahrzeugwerbung und - das ist eher ungewöhnlich - auch ein Kinospot.
Die Rüge für die Bewegtbildwerbung erhält die Metzgerei Jürgen Reck aus dem fränkischen Möhrendorf. Sie hatte eine mit Unterwäsche oder Bikini bekleidete Frau neben verschiedenen Fleischwaren eingeblendet - die dazugehörige Kommentierung "Fleischeslust - Zarte Versuchungen" wertete der Werberat als sexistisch. Das Urteil erfolgte, obwohl der Metzger sich auf eine FSK-Freigabe berief und vorbrachte, dass die Frau nicht nackt sei. Begründung des Werberats: Das werbende Unternehmen nehme bewusst in Kauf, dass "Fleischeslust" von den Zuschauern auf die Frau bezogen und diese wie das Fleisch gleichsam "zu verspeisen" sei.
Ein Dorfmetzger warb im Kino mit einem "Fleischeslust"-Spot - sexistisch, sagt der Werberat
Ein Dorfmetzger warb im Kino mit einem "Fleischeslust"-Spot - sexistisch, sagt der Werberat (Bild: Deutscher Werberat)
Eine zweite öffentliche Rüge geht an das Recyclingunternehmen MKR Rothenbücher aus Köln. Dessen Anzeige mit dem Werbetext "Wir nehmen auch alte Glocken" zeigt den nackten Oberkörper einer Frau, die sich Metallglocken vor die Brüste hält. Der Werberat verweist auf die bloße Blickfangfunktion der Frau, die Doppeldeutigkeit des Wortes "Glocken" und beurteilt die Anzeige als abwertend insbesondere gegenüber älteren Frauen.
Santa Clarita Diet 1
Bild: twitter.com/Verytte_

Mehr zum Thema

"Santa Clarita Diet" Netflix muss blutige Werbekampagne stoppen

Die dritte Rüge kassiert der Bodenleger Gunter Vollrath aus Sachsen-Anhalt. Der Handwerker bewirbt seine Arbeiten auf seinem Fahrzeug mit einer Frau, die mit einem Stringtanga und einem weit ausgeschnittenen Oberteil bekleidet auf einem Teppich liegt. Der Werberat wertet die Reklame als sexistisch, da die Frau auf ihr äußeres Erscheinungsbild reduziert werde. Die zuständige Handwerkskammer hat den Unternehmer laut Werberat dazu aufgefordert, der Entscheidung zu folgen und das Motiv abzuändern oder zu entfernen. fam
Meist gelesen
stats