Sexismus mal andersrum Dieses Modelabel provoziert in seiner Kampagne mit nackten Männern

Freitag, 20. Oktober 2017
Die aktuelle "Not dressing Man"-Kampagne von Suistudio
Die aktuelle "Not dressing Man"-Kampagne von Suistudio
© Suistudio

Bei sexistischer Werbung werden in aller Regel Frauen auf ihre Sexualität reduziert. Der Deutsche Werberat spricht regelmäßig Rügen für solche Anzeigen aus. Doch in der neuen Kampagne des niederländischen Modelabels Suistudio könnte sich das männliche Geschlecht diskriminiert fühlen. Auf den Motiven ist jeweils eine Frau im schicken Hosenanzug zu sehen, die die Kollektion trägt. Neben - oder wahlweise auch unter - ihnen: ein splitternackter Mann.
Erst vor wenigen Tagen launchte die Lobbygruppe Pinkstinks eine Website, auf der sexistische Werbung gesammelt und angeprangert werden soll. Wäre diese Aktion auch in den Niederlanden bekannt, würden auf der Website möglicherweise auch die Suistudio-Anzeigen auftauchen. Denn auf den Motiven der "Not dressing Man"-Kampagne des Business-Modelabels erfüllen die nackten Männer keinen ersichtlichen, inhaltlichen Zweck - außer Aufmerksamkeit zu erregen. Zudem ist nur auf einem einzigen Motiv das Gesicht des männlichen Models zu sehen. Die Frauen nehmen auf fast allen Bildern eine dominante oder besitzergreifende Pose ein: Eine stellt ihren High Heel gar auf einer ganz besonders empfindlichen Stelle eines nackten Männerkörpers ab, eine andere platziert ihre Hand auf dem Hinterteil des Models.

Im Social Web sorgen die Suistudio-Anzeigen für Diskussionen:

Suistudio-Vice-President Kristina Barricelli hält die Kritik für unbegründet. Das Unternehmen habe nicht die Absicht, die Geschlechterrollen umzukehren. Vielmehr sollen die Werbemotive laut der Firmenchefin die Geschichte der Werbetestimonials erzählen. Und diese seien nunmal "stark, selbstbewusst und stolz auf sich selbst". Und dass man sich als starke Frau einen nackten Mann in seiner Wohnung hält, scheint sie normal zu finden.

Die Kampagne #notdressingmen soll Suistudio als Businessmode-Label für Frauen etablieren. Die Mutter-Marke Suitsupply für Herrenmode gibt es schon länger. Diese hat übrigens schon mehrmals mit sexistischer Werbung auf sich aufmerksam gemacht. Die Motive der Kampagne "Shameless" musste die Herrenmarke 2010 auf Facebook löschen. Sie zeigten unter anderem einen Mann, der einer breitbeinigen Frau das Kleid hochzieht und ihr unter den Rock schaut.  2016 bewegten sich in der Toy-Boy-Kampagne Miniaturmänner auf nackten Frauenkörpern, rutschten auf ihren Brüsten oder zogen ihr Bikinihöschen herunter. bre

Meist gelesen
stats