Sexismus in der Werbung Deutscher Werberat spricht vier öffentliche Rügen aus

Montag, 02. November 2015
Diese Anzeige von Kartonprofis.de war dem Werberat eine Rüge wert
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Foto: Deutscher Werberat

Das Thema Sexismus beschäftigt den Deutschen Werberat auch weiterhin: Nun hat das Kontrollgremium der deutschen Werbewirtschaft vier Unternehmen öffentlich gerügt, weil sie mit Werbemaßnahmen Frauen herabgewürdigt oder auf ihre Sexualität reduziert hätten.
Eine der Rügen geht an die Firma KartonProfis.de, die auf einem Flyer eine stark übergewichtige Frau in sehr knapper Strandbekleidung zeigte. Dem Bild war der Slogan "Richtig fett sparen" beigestellt, was die Frau aus Sicht des Werberats aufgrund ihres Aussehens bzw. Körpergewichts herabwürdige und diskriminiere. Das gerügte Unternehmen soll in einer Stellungnahme hingegen erklärt haben, der Begriff "fett" beziehe sich nur auf die Größe des beworbenen Rabattes. Eine Rüge wegen Sexismus handelte sich die Hamburger Tischlerei Vorwerk GmbH ein. Das Unternehmen zeigte auf einem Plakat mit dem Slogan "Schraube locker? Wir reparieren nicht nur!" eine lasziv posierende jungen Frau mit offener Bluse und üppigem Dekolleté. Zwar war das Testimonial mit Schutzbrille und Akkuschreiber ausgestattet, der sexuelle Aspekt stehe bei dem Motiv jedoch klar im Vordergrund, argumentierte der Werberat. Das Model werde dadurch auf seine Sexualität reduziert und überdies als sexuell verfügbar dargestellt. Auf der Homepage des Unternehmens ist die Werbung noch zu sehen.
Diese Anzeige von Kartonprofis.de war dem Werberat eine Rüge wert
Diese Anzeige von Kartonprofis.de war dem Werberat eine Rüge wert (Bild: Deutscher Werberat)
Im Falle des Handwerksbetriebs Uwe Meiners gingen nach Meinung des Werberats ein Werbemotiv und die damit beworbene Dienstleistung völlig aneinander vorbei. Ein großflächiges Motiv mit dem Spruch "Glatt muss er sein... der Estrich!" zeigte einen einen fast nackten, mit Sand bedeckten Frauenpo im String-Tanga. Dadurch würden Frauen und ihre Körper "in herabwürdigender Art und Weise zur Schau gestellt, auf ihre Sexualität reduziert und als Eyecatcher für eine Handwerksleistung missbraucht, die jeglichen Zusammenhang mit den nackten Pobacken vermissen lasse", teilt der Werberat mit.

Rüge Nummer vier geht an den Kleinunternehmer Daniel Hoffmann. Der Thüringer hatte mit Frauen in knapper Bekleidung für seine Dienstleistungen in Haus, Hof und Garten geworben. Damit hätten die Motive jedoch offensichtlich nichts zu tun gehabt, sondern seien rein als Blickfang gedacht gewesen, so der Werberat. "Daran änderten auch Accessoires wie Helm oder Werkzeuge nichts, die bei den lasziv posierenden Frauen konstruiert und deplatziert wirkten." Wie das Gremium mitteilt, habe Hoffmann zunächst seine Bereitschaft signalisiert, die beanstandete Werbung im Internet einzustellen und auf seinen Fahrzeugen abzuändern. Auf seiner Homepage sind allerdings Fahrzeuge mit Frauen in lasziver Pose noch zu sehen.
Für dieses Motiv wurde der Handwerksbetrieb Uwe Meiners vom Werberat gerügt
Für dieses Motiv wurde der Handwerksbetrieb Uwe Meiners vom Werberat gerügt (Bild: Deutscher Werberat)
Dass sich der Werberat so häuig mit Sexismus in der Werbung auseinandersetzen muss, hat laut Geschäftsführerin Julia Busse mit den gesellschaftlichen Debatten über Gleichstellung der Geschlechter zu tun. "Sexistische Werbung insgesamt hat nicht zugenommen, sondern die Sensibilität in der Bevölkerung hat sich deutlich erhöht", sagte Busse vor einigen Wochen in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings zeige sich die Mehrheit der betroffenen Unternehmen einsichtig. ire
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