Sechs Rügen Werberat kritisiert Missbrauch der Flüchtlingsdebatte sowie Sexismus

Donnerstag, 12. Mai 2016
Das gerügte Motiv des Augenoptikers Berger Brillen aus Altenburg
Das gerügte Motiv des Augenoptikers Berger Brillen aus Altenburg
Foto: Deutscher Werberat

Dass der Deutsche Werberat eine Werbung als "männerherabwürdigend" beanstandet, kommt selten vor. Nun ist es passiert. Zudem wurden Motive wegen Gewaltverherrlichung im Zusammenhang mit Flüchtlingen sowie der Erniedrigung von Frauen gerügt. Insgesamt sprach das Organ des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) sechs Rügen aus.
Die erste Rüge geht an den thüringischen Augenoptiker Berger Brillen aus Altenburg (siehe oben). In Anzeigen und im Internet wirbt das Unternehmen mit dem Bild einer Frau mit Maschinengewehr und Lackoutfit. Der Slogan "Zeit sich zu bewaffnen" rufe laut Werberat zur Gewaltanwendung auf. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten und Entwicklung bezüglich der Flüchtlingsthematik sei ein derart offensiver Gewaltappell "gesellschaftlich nicht akzeptabel" und verstoße gegen die Grundregeln zur kommerziellen Kommunikation. Die produktbezogenen Elemente würden in dem Motiv zu sehr in den Hintergrund gestellt.
Der gerügte Flyer des Alarmanlagen-Anbieters EEG Wermann
Der gerügte Flyer des Alarmanlagen-Anbieters EEG Wermann (Bild: Deutscher Werberat)
Als diskriminierend und angsterregend beanstandete der Werberat diesen Flyer von EEG Wermann. Die Aussagen des Leipziger Anbieters von Alarmanlagen suggeriere absichtlich, "dass Flüchtlinge kriminiell und gefährlich sind". Solche Werbung würdige Flüchtlinge pauschal herab und stelle einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar.

Diese Werbung von A. Klauert sei "männerherabwürdigend"
Diese Werbung von A. Klauert sei "männerherabwürdigend" (Bild: Deutscher Werberat)
Das Abbild eines Mannes mit einer deutlich sichtbaren Erektion erregte ebenfalls die Gemüter des Werberates. Die Werbung von A. Klauert aus Schönebeck/Elbe, ein Hersteller von Industrietoren, reduziere den Mann auf eine "triebhafte Sexualität" und würdige ihn herab.

Als "sexistisch" gerügt: Das Plakat von Hager Druck Design
Als "sexistisch" gerügt: Das Plakat von Hager Druck Design (Bild: Deutscher Werberat)
Wegen sexistischer Werbung rügte der Deutsche Werberat drei Beispiele. Zum einen ein Plakat von Hager Druck Design aus Kürten: Das Motiv setze die Frau mit der beworbenen Dienstleistung gleich und degradiere sie damit zum Objekt. Daran würde auch die Botschaft "Werbung die rockt" nichts ändern.

Ebenfalls "sexistisch": Die Fahrzeugwerbung von Pruchnewski aus Gotha
Ebenfalls "sexistisch": Die Fahrzeugwerbung von Pruchnewski aus Gotha (Bild: Deutscher Werberat)
Die zweite Reklame stammt von Pruchnewski-Fliesen-Kamine-Kachelöfen aus Gotha. Die Fahrzeugwerbung reduziere Frauen ausschließlich auf ihr körperliches Erscheinungsbild und lege ihre sexuelle Verfügbarkeit nahe.

"Herabwürdigend": Das Motiv im Newsletter von Technik Direkt
"Herabwürdigend": Das Motiv im Newsletter von Technik Direkt (Bild: Deutscher Werberat)
Die dritte beanstandete Werbung kommt vom Elektronik-Anbieter Technik Direkt aus Würzburg, die dieser als Newsletter verschickte. Auch dieses reduziere Frauen auf ihre Sexualität. Das Motiv verstoße gegen Ziffer 5 der Verhaltensregeln gegen Herabwürdigung und Diskriminierung, so der Werberat. jeb
Meist gelesen
stats