Schoko-Manufaktur Rausch "Warum wir bei Amazon Fresh mitmachen"

Dienstag, 09. Mai 2017
Robert Rausch ist Geschäftsführer der Berliner Schokoladen-Manufaktur Rausch
Robert Rausch ist Geschäftsführer der Berliner Schokoladen-Manufaktur Rausch
© Rausch

Seit vergangener Woche ist Amazons Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Berlin verfügbar. Als eines von 25 lokalen Berliner Geschäften ist auch die Schokoladen-Manufaktur Rausch mit ihren Produkten im Sortiment vertreten. Geschäftsführer Robert Rausch erklärt gegenüber HORIZONT Online, warum sein Unternehmen als Partner der ersten Stunde bei Amazon Fresh dabei ist.
Der 4. Mai 2017 war ein guter Tag für Online-Shopper, die sich auch ihre Lebensmittel einfach und schnell nach Hause liefern lassen wollen: Mit Amazon Fresh kommen auch frisches Fleisch, Obst und Gemüse sowie gekühlte Artikel per Kurier bis an die Haustür. Insgesamt bietet Amazon eine Auswahl aus 85.000 Artikeln zur Lieferung an. Bestellungen bis 12.00 Uhr mittags sollen noch am selben Tag zum Abendessen geliefert werden. Bei einem Auftrag bis 23.00 Uhr kommt die Ware am nächsten Tag in einem ausgewählten Zwei-Stunden-Fenster. Amazon Fresh ist zunächst nur in Teilen von Berlin und Potsdam und nur für Kunden des Amazon-Prime-Programms verfügbar. Nach einem kostenlosen Probemonat zahlen Prime-Kunden zusätzlich 9,99 Euro im Monat.
Es dürfte nicht lange dauern, bis der Dienst auch in weiteren Regionen von Deutschland startet. Die Platzhirsche im Lebensmitteleinzelhandel Edeka, Rewe, Aldi und Lidl dürften sich dann warm anziehen. Denn neben der extremen Kundenfokussierung und dem fortgeschrittenen technologischen Know-how bringt Amazon eine überwältigende Marktmacht im E-Commerce mit.

Ein Teil des Amazon-Imperiums mit seiner riesigen Kundenbasis zu werden, ist für Markenartikler daher eine verlockende Sache. Insbesondere lokal begrenzt agierende Unternehmen bekommen mit einer Teilnahme bei Amazon Fresh die Gelegenheit, neue Käuferschichten anzusprechen. Beispiel Berlin: In der Hauptstadt kommen zum Start des Lieferdienstes Artikel von zunächst 25 lokalen Geschäften in so genannten Lieblingsläden ins Sortiment.
Amazon Fresh
Bild: Amazon

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Eines davon ist die Schokoladen-Manufaktur Rausch. Geschäftsführer Robert Rausch, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt, arbeitet bereits seit Längerem daran, das Unternehmen in das digitale Zeitalter zu überführen. Amazon Fresh ist aus seiner Sicht dabei ein vielversprechender Schritt: "Die Kunden von Amazon Fresh profitieren von der bequemen, zuverlässigen sowie schnellen Lieferung und den bekannten Bezahlmöglichkeiten von Amazon. Durch die Amazon-Fresh-Lieblingsläden hat der Kunde Zugriff auf ein großes Feinkost-Sortiment, das bieten andere nicht", so Rausch.

Der Deutschland-Start von Amazon Fresh dürfte für Rausch wie gerufen kommen. Bereits Ende 2015 hatte sich der Firmenchef zu einem radikalen Schritt entschlossen: Der Verkauf im regulären Handel wurde gestoppt. Stattdessen baute Rausch den eigenen Online-Shop aus und setzte im stationären Verkauf allein auf einen Laden am Berliner Gendarmenmarkt. Rausch ist überzeugt von der Strategie: "Wir sehen, dass sich die Konsum- und vor allem Einkaufsgewohnheiten von Lebensmitteln, im Speziellen von Genussmitteln, in Deutschland verändern."
Bestellungen bei Amazon Fresh werden bis an die Haustür geliefert
Bestellungen bei Amazon Fresh werden bis an die Haustür geliefert (Bild: Amazon)
Ein Ausrufezeichen in Richtung Rewe und Co. setzt der Firmenchef, indem er auf andere Lieferdienste komplett verzichten will: "Amazon Fresh ist für uns der perfekte Partner", so Rausch. Dort könne man selbst als Verkäufer auftreten, lediglich die Lieferung erfolge über den Partner. "Dadurch haben wir die Preishoheit und die Möglichkeit, die Preise für unsere Produkte und das Produktsortiment komplett selbst zu bestimmen."

Ein weiterer Faktor ist das Thema Same-Day-Delivery, das bei Amazon eine wichtige Rolle spielt. Auch Rausch beschäftigt sich schon seit einiger Zeit damit: "Bei unseren frischen Produkten aus der Schokoladen-Manufaktur und der hauseigenen Patisserie macht das natürlich Sinn – gerade wenn wir an die Sommermonate denken, ist das ein spannender Service." Mit Amazon Fresh sind die Möglichkeiten hierfür nun gegeben - noch bieten die Lieblingsläden die Lieferung am selben Tag allerdings nicht an, schreibt Niklas Wirminghaus bei "Gründerszene". Amazon widerspricht dieser Darstellung: Wer seine Bestellung von den Berliner Lieblingsläden bis 8.00 Uhr aufgibt, kann sie noch am gleichen Tag mit seiner Amazon Fresh Bestellung erhalten, wie ein Unternehmenssprecher mitteilt.

Mit dem Start von Amazon Fresh dürften auch die Chancen, dass Rausch-Schokolade bald wieder im stationären Lebensmittel-Einzelhandel zu finden ist, drastisch gesunken sein. Jedenfalls klingen Rauschs Ausführungen anderthalb Jahre nach dem Abschied vom Handel nicht danach, als würde er seine Produkte ins Supermarktregal zurückwünschen: "Erstens stand unsere Schokolade in Supermärkten in meterlangen Süßigkeiten Regalen. Unsere Schokolade ist jedoch mehr als eine Süßigkeit. Somit sehen wir unser Produkt nicht mehr zwischen Schokoriegeln, Weingummis und anderen, herkömmlichen Schokoladen."
Der Flagship-Store von Rausch am Berliner Gendarmenmarkt
Der Flagship-Store von Rausch am Berliner Gendarmenmarkt (Bild: Rausch)
Zweitens sei die eigene Marken-Story im Handel zu kurz gekommen: "Wir pflegen als einer der wenigen Schokoladen-Hersteller der Welt intensive Beziehungen zu den Kakaobauern in den Herkunftsländern, wo wir den Edelkakao für unsere Schokoladen beziehen. Zudem stellen wir unsere Produkte mit viel Handarbeit in unserer Berliner Schokoladen-Manufaktur her. Dieses Hintergrundwissen konnten wir im Handel nicht vermitteln. Das ist mir persönlich jedoch für die Wertschätzung unserer Edelkakao-Schokoladen wichtig", wie Rausch erklärt.

Die Strategie funktioniere, versichert Rausch: "Wir haben zufriedene Kunden, die unsere Schokolade wertschätzen." Ob Amazon Fresh hierzu einen weiteren positiven Beitrag leisten kann, wird sich nun zeigen müssen. ire
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