Schleichwerbung verhindern Electronic Arts führt eigenes Regelwerk für Influencer ein

Freitag, 18. November 2016
Influencer Marketing ist derzeit ein boomendes Geschäft.
Influencer Marketing ist derzeit ein boomendes Geschäft.
© HORIZONT

Wie muss die Zusammenarbeit zwischen Influencern und Werbungtreibenden gekennzeichnet sein? Diese Frage sorgt bei Social-Media-Bekanntheiten, Agenturen und Brands derzeit für viele Diskussionen. Als eine der ersten großen Marken stellt der Spielehersteller Electronic Arts (EA) ein eigenes Regelwerk auf die Beine und startet ein Kennzeichnungssystem für Kampagnen in den sozialen Medien.

Jeder Youtuber, Streamer oder andere Influencer, mit dem EA zusammenarbeitet, und noch kein eigenes Kennzeichnungssystem nutzt, wird ab sofort dazu aufgefordert, die Hashtags und Watermarks des Spieleherstellers zu verwenden. EA stellt dafür zwei Kennzeichnungen zur Verfügung. Zum einen sollen die Influencer #supportedbyEA verwenden, wenn EA die Erstellung oder Realisierung des Inhaltes unterstützt hat, etwa durch Reisekosten oder Event-Einladungen. Die Zuschauer können dadurch "sicher sein, dass EA keinen redaktionellen Einfluss auf die Ausgestaltung des Inhaltes genommen oder Vorgaben zur Umsetzung gemacht hat". Mit #advertisement will EA Inhalte kennzeichnen, auf die das Unternehmen sehr wohl redaktionellen Einfluss genommen hat.

So kennzeichnet EA Influencer Marketing
So kennzeichnet EA Influencer Marketing (Bild: EA)
Handelt es sich um Text- und Bildinhalte, sollen die Hashtags auf Twitter, Instagram und Facebook künftig immer direkt im jeweiligen Post platziert werden. Bei Video- und Streamingbeiträgen soll die Kennzeichnung entweder als Wasserzeichen zu Beginn des Videos eingeblendet oder die Kooperation mit EA vom Influencer selbst zu Beginn des Videos ausdrücklich verbal erwähnt werden. "Wir möchten mit den Kennzeichnungen Transparenz schaffen und dazu beitragen, dass unterstützte Inhalte und Werbung sofort als solche erkennbar sind", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Für EA sei Influencer Marketing in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil der Kommunikationskampagnen avanciert. Dazu arbeitet das Unternehmen unter anderem mit dem deutschen Fußball-Nationalspieler Marco Reus zusammen, der auch auf dem aktuellen Cover des von EA veröffentlichten Konsolenspiels "FIFA 17" zu sehen ist. In den sozialen Plattformen würden die gleichen Spielregeln wie sonst auch in der Werbung gelten, heißt es bei EA. "Gamer und Zuschauer müssen erkennen können, ob es sich um unabhängige und redaktionelle Inhalte, unterstützte Platzierungen von Botschaften oder Werbung handelt." Doch in der Branche gibt es durchaus unterschiedliche Interpretationen. Zuletzt sorgte in den USA der wohl bekannteste und reichweitenstärkste Influencer der Welt, der Schwede Piewdiepie, mit einer mangelhaften Kennzeichnung für Negativ-Schlagzeilen: Die FTC, eine unabhängig arbeitende Bundesbehörde, sah sich im August dazu gezwungen, eine offizielle Beschwerde gegen den Youtuber und das Unternehmen Warner zu veröffentlichen. Piewdiepie habe positive Kritiken zum Warner-Game "Middle Earth: Shadow of Mordor" gepostet und dabei nicht klargemacht, dass er von dem Unternehmen bezahlt wurde. Die FTC forderte daraufhin bessere Kennzeichnungen der Inhalte.

Hierzulande gebe es jedoch keinen Anlass, strengere Regularien für Influencer aufzusetzen, wie Cornelia Holsten, Direktorin der Bremer Landesmedienanstalt und Mitglied der Direktorenkonferenz, vor einigen Wochen gegenüber HORIZONT Online erklärte. "Die rechtliche Grundlage dafür ist hierzulande längst vorhanden", sagt sie und verweist etwa auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Die aktuellen Forderungen der FTC seien ihrer Ansicht nach eine Art "Verzweiflungstat" angesichts der sich zuletzt häufenden Verstöße in den USA. "Diese Verzweiflung besteht in Deutschland nicht." ron

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