SXSW2016 Wie Star-Wars-Regisseur J.J. Abrams den Besucherrekord von Edward Snowden knackte

Donnerstag, 17. März 2016
Die Besucher wartete über zwei Stockwerke, um  J.J. Abrams zu hören
Die Besucher wartete über zwei Stockwerke, um J.J. Abrams zu hören
Foto: Horizont
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Wer die  South by Southwest besucht, weiß: Schlange stehen ist unausweichlich. Den größten Besucheransturm in der Geschichte des Kongresses löste 2014 das Interview mit Edward Snowden aus - doch dann kam J.J. Abrams. Um etwas über die kreative Philosophie des Erfolgsregisseurs von "Star Wars - Das Erwachen der Macht" zu erfahren, waren die Teilnehmer bereit, über zwei Stockwerke lang anzustehen.
Auf den ersten Blick ist das erstaunlich. Schließlich kann Abrams, anders als Snowden, kaum für sich in Anspruch nehmen, die Wahrnehmung der digitalen Gesellschaft nachhaltig beinflusst zu haben. Allerdings hatte der Kultregisseur zwei Erfolgsfaktoren auf seiner Seite: Den Titel der Veranstaltung "The Eyes of Robots and Murderers" und seinen Panelpartner Andrew Jarecki, dem es in der HBO-Serie "Jinx" gelang, im Fernsehen den Mörder Bob Durst zu überführen.
Und die Teilnehmer wurden nicht enttäuscht. Neben der Premiere eines weiteren Teasers zu Abrams neuer HBO-Serie "Westworld" lieferte der Meister auch einige Perspektiven zur Zukunft der digitalen Unterhaltung.

Abrams zum Einsatz von Technik im Storytelling

 "Die Herauforderung bei der ganzen verfügbaren Technik im Storytelling ist, dass wir nicht vergessen dürfen, dass diese Instrumente immer nur Hilfsmittel für die eigentliche Geschichte sind. Die Zuschauer wollen eine nahtlose Erfahrung haben, bei der die menschlichen Figuren im Vordergrund stehen. Ein Hollywood-Regisseur hat mir mal eine faszinierende, wirklich aufwendige Actionszene gezeigt, die mich aber schon fünf Minuten später wieder kalt ließ. Denn in der Szene gabe es einfach niemanden, durch dessen Augen ich sie hätte erleben können. Wenn die Spezialeffekte zur Krücke der eigentlich erzählten Geschichte werden, verlieren sie ihren Wert."

Abrams zum Smartphone als 4. Bildschirm

 "Mir ist bewusst, dass die Zuschauer unweigerlich auch einen so großen Film wie ,Star Wars' auf dem Bildschirm ihres Smartphones sehen werden. Als Filmemacher tut das natürlich schon ein bisschen weh. Schließlich will man ja, dass eine solche Geschichte unter den bestmöglichen Bedingungen gesehen wird. Aber andererseits: Es gibt auch viele Kinos in kleinen Provinzstädten, die weit entfernt sind von den optimalen Bedingungen für ein Filmerlebnis. Wenn die Geschichte gut ist, kann sie auch von technischen Einschränkungen nicht behindert werden."

Abrams zu digitaler Kreativität

"Das Tolle an unserer Zeit ist, dass wir keine Entschuldigung mehr haben, unsere kreativen Ideen nicht umzusetzen. Jeder von uns hat mit seinem Smartphone faktisch ein Filmstudio und ein Vertriebssystem in seiner Hosentasche. Das ist eine unglaubliche Chance."

Abrams zu Fankultur und Star Wars

 Bei einem solchen Projekt ist es natürlich entscheidend, dass man den Fans signalisiert, dass man respektvoll mit dem bestehenden Material und der daraus entstandenen Welt umgehen wird. Aber im kreativen Prozess muss man sich von ihrer Erwartungshaltung auch frei machen können. Ich persönlich kenne kein einziges Unterhaltungsformat, das dadurch besser geworden ist, weil jemand gedacht hat: ,Das werden unsere Fans mögen'."

Abrams zu ethnischer Vielfalt in der Kreativindustrie

 "Nach der öffentlichen Debatte um die ,weißen Oscars' haben wir bei unserer Produktionsgesellschaft Bad Robot eine neue Hauspolitik verabschiedet, nach der jede Bewerberliste die ethnische Zusammensetzung der amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln muss. Das ist kein radikaler Schritt und wird vermutlich auch nicht sofort zu großen Veränderungen führen, aber es bringt uns mit Kandidaten zusammen, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Diese Entwicklung ist moralisch überfällig und sie ist darüber hinaus auch gut fürs Geschäft. Denn als Kreative leben wir davon, frische und innovative Stimmen in unsere Geschichten zu bringen." cam
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