"Ryanfall" Ryanair-Diss von Eurowings wird zum Bumerang

Donnerstag, 21. September 2017
Mit diesem Motiv macht sich Eurowings über Ryanairs Bredouille lustig
Mit diesem Motiv macht sich Eurowings über Ryanairs Bredouille lustig
© facebook.com/eurowings

Ryanair sorgt derzeit mit massiven Flugstreichungen für Kritik: Bis Ende Oktober wird die irische Billig-Airline voraussichtlich über 2000 Flüge annullieren, offiziell  aufgrund von Urlaubsansprüchen der Crews. Konkurrent Eurowings wollte die Ryanair-Bredouille kommunikativ für sich ausnutzen - der Schuss geht allerdings leicht nach hinten los.
Hört man sich die offizielle Begründung Ryanairs für die Annullierungswelle an, muss man tatsächlich erst einmal grinsen: "Wir haben die Urlaubsplanung für die Piloten verbockt und arbeiten hart daran, das zu reparieren", sagte Ryanairs Marketingvorstand Kenny Jacobs vergangene Woche. Insgesamt sollen 315.000 Kunden von den Flugstreichungen betroffen sein. Bei der Ryanair-Hauptversammlung an diesem Donnerstag warb CEO Michael O'Leary darum, dass die Piloten des irischen Billigfliegers ihren Urlaub aufs kommende Jahr verschieben sollen, um weitere Flugplanänderungen zu vermeiden. Zudem wolle das Unternehmen in den kommenden zwei Wochen 125 zusätzliche Piloten einstellen. Spekulationen zufolge will sich Ryanair mit den Flugstreichungen auf den Fall vorbereiten, dass die insolvente Air Berlin den Flugbetrieb aus Geldmangel einstellen muss. Ryanair könnte die Start- und Landerechte der Airline übernehmen - aber nur, wenn auch Maschinen und Personal bereitstehen.

So oder so: Im hart umkämpften Markt der Billigflieger ist das Leid des einen natürlich eine Steilvorlage für die Konkurrenz. Eurowings, Billig-Tochter der Ryanair nicht gerade wohlgesinnten Lufthansa, ließ sich denn auch nicht lange bitten: Auf Facebook und auf Twitter postete das Unternehmen ein Motiv mit einem Ryanair-Flugzeug, über das der Schriftzug "Cancelled" gelegt wurde. "Ihre Buchung war ein Ryanfall? Flug gestrichen - jetzt günstig Eurowings buchen und entspannt ankommen", ist ebenfalls auf dem Motiv zu lesen. Dazu hat sich Eurowings eigens die URL www.ryanfall.com gesichert, die den Nutzer auf die Eurowings-Homepage führt.
Zwar gibt es durchaus positive Rückmeldungen ("Sehr originelle Werbung"; "Der diesen Slogan erstellt hat sollte schnell eine Gehaltserhöhung bekommen") - allerdings meldeten sich sofort zahlreiche Nutzer zu Wort, um ihrerseits Eurowings für Flugausfälle oder Verspätungen zu kritisieren: "Nein, meine Buchung bei Eurowings war ein Reinfall, weil kurzfristig mein Flug gestrichen wurde und ich einen Flug bei einer anderen Airline (ausgerechnet Air Berlin) buchen musste der wegen der Kurzfristigkeit 250 EUR teurer war", beschwert sich etwa ein Nutzer. 
Eurowings
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Allerdings macht Eurowings in Sachen Community-Management vieles richtig: Statt auf stumm zu schalten und das Shitstörmchen einfach vorüberziehen zu lassen, antwortet das Social-Media-Team auf die Beschwerden und bietet Hilfe an.

Damit ist der Social-Media-Streit zwischen der Lufthansa-Gruppe und Ryanair um ein Kapitel reicher. Vor zwei Jahren hatte Ryanair genüsslich die Streiks der Lufthansa-Piloten aufgespießt, ein Jahr später dissten beide sich gegenseitig mit bösartigen Tweets. Die Auseinandersetzung hat jedoch auch eine handfeste wirtschaftliche Dimension: Der Lufthansa passt es gar nicht, dass ihr Heimatflughafen Frankfurt Ryanair im vergangenen Jahr eine Landelizenz erteilte - und den Iren dabei saftige Rabatte einräumte. ire


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