Alain Caparros Rewe-Chef verabschiedet sich mit guten Zahlen / Dreistelliger Millionenumsatz im Online-Handel

Dienstag, 28. März 2017
Rewe-Chef Alain Caparros
Rewe-Chef Alain Caparros
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Rewe-Chef Alain Caparros liebt auch beim Abschied klare Worte. "Mein Job ist beendet", sagte er bei seiner letzten Pressekonferenz als Vorstandsvorsitzender des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers am Dienstag in Köln.

"Es ist höchste Zeit, dass ich das Parkett räume", sagte Caparros. Und dann fügt er noch eine in den deutschen Führungsetagen eher ungewöhnliche Begründung für seinen überraschenden Rücktritt an: Er wolle nicht die Erfahrung anderer Konzernchefs machen, die zu lange mit dem Abschied gezögert hätten und erleben mussten, "dass sie nicht mehr in das Unternehmen passen".

Der 60-jährige Manager präsentiert bei seiner letzten Pressekonferenz als Vorstandsvorsitzender gute Zahlen. Der Umsatz der Rewe-Gruppe ist trotz des harten Wettbewerbs im Lebensmittelhandel um fünf Prozent auf 54 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn des Rewe-Konzerns legte gar um rund 21 Prozent auf 463 Millionen Euro zu.

Das ist natürlich nicht nur das Verdienst von Caparros. Beim Umsatzwachstum profitierte Rewe vom starken privaten Verbrauch in Deutschland, der den klassischen Supermärkten laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 2016 durchweg kräftige Zuwächse bescherte. Und beim Gewinn halfen steuerliche Einmaleffekte. Ohne die Sondereffekte hätte das Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres gelegen, wie Finanzvorstand Christian Mielsch berichtete.

Caparros leugnet dies auch nicht. Doch verweist er stolz darauf, dass Rewe deutlich stärker gewachsen sei als die Konkurrenz um Marktführer Edeka und nach Zahlen der Marktforscher von GfK und TradeDimensions "wieder einmal an der Spitze des Wachstums im Lebensmitteleinzelhandel" liege. Das sei das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

Auch auf die wohl größte Herausforderung, die in den nächsten Jahren auf den Lebensmittelhandel zukommt - die wachsende Online-Konkurrenz - sieht der Manager den Konzern am Ende seiner Amtszeit gut vorbereitet. Schließlich bietet Rewe inzwischen den Verbrauchern schon in rund 75 Städten die Möglichkeit, frische Lebensmittel online zu bestellen und nach Hause geliefert zu bekommen.

Caparros geht fest davon aus, dass der US-Internetriese Amazon in Kürze seinen Lieferdienst Amazon Fresh für frische Lebensmittel in Deutschland an den Start bringen wird. Dies werde nicht zuletzt deshalb für die klassischen Lebensmittelhändler schwierig, weil bei Amazon nicht die Wirtschaftlichkeit des Lebensmittelgeschäfts im Vordergrund stehe, sondern der Gewinn von Kundendaten und neuer Schub für das Geschäft mit anderen Produkten. Für Rewe dagegen gelte: "Wir müssen davon leben."

Mehr als 100 Millionen Euro Umsatz macht Rewe inzwischen in Deutschland im Online-Handel mit Lebensmitteln - schreibt dabei allerdings noch rote Zahlen. Gewinn zu machen sei derzeit auch nicht die Priorität, meint Caparros. "Wir sind noch in einem Lernprozess und der wird noch dauern." Das Thema Digitalisierung bleibe ganz oben auf der Agenda, meint der scheidende Rewe-Chef.

Gefragt nach drei Empfehlungen, die er seinem designierten Nachfolger Lionel Souque geben wolle, übt Caparros dann aber wieder die Kunst des Loslassens. Er hasse diese Alt-Chefs, die sich ständig in die Arbeit ihrer Nachfolger einmischen wollten. "Er weiß schon genau, was er zu machen oder zu lassen hat." dpa / Erich Reimann

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