Performics-Chef Christian Kohn "Die Goldgräberzeit ist bald vorbei"

Montag, 01. Mai 2017
Christian Kohn, Managing Director Performics
Christian Kohn, Managing Director Performics
© Performics

Suchoptimierung und Werbung auf Amazon haben sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld für Dienstleister entwickelt. Noch können sie für ihre Kunden ziemlich viel auf dem Amazon-Marktplatz bewegen. Aber der Wettbewerb wird härter, erklärt Christian Kohn, Managing Director der Performance-Agentur Performics, im Gespräch mit HORIZONT Online.

Herr Kohn, Amazon ist als Suchmaschine im Bereich Shopping mittlerweile an Google vorbeigezogen. Woran liegt das? Es ist eben sehr einfach und bequem, Produkte auf Amazon zu suchen – das merken immer mehr Nutzer. Man gelangt direkt zu den Angeboten, der Kauf ist nur einen Klick entfernt. Google tut zwar viel, um den Kaufprozess zu beschleunigen, aber Amazon ist eben noch unkomplizierter. Und das Produktangebot wächst und wächst. Daher wird Amazon künftig wahrscheinlich noch mächtiger werden – ob man das gut findet oder nicht.

Suchoptimierung für die Ergebnislisten des Amazon-Marktplatzes hat sich zur eigenständigen Marketingdisziplin entwickelt. Wie stark unterscheiden sich Google-SEO und Amazon-SEO? Die grobe Struktur ist ähnlich: Es geht um die richtigen Keywords, Texte und Illustrationen. Aber im Detail sind die Unterschiede groß: Es gibt für Amazon deutlich weniger Optimierungstools. Zudem ist der Algorithmus schwerer zu durchschauen, es gibt permanent Änderungen. Man merkt, dass Amazon noch viel experimentiert.

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Die Klickpreise für bezahlte Werbung auf Amazon gelten noch – im Vergleich zu Google Adwords – als günstig. Wird das so bleiben? In den meisten Bereichen lohnt es sich noch, aber die Goldgräberzeit ist bald vorbei. In sechs bis zwölf Monaten dürften sich die Preise an die von Google angeglichen haben, weil immer mehr Werbungtreibende das Thema entdecken. Damit wird der Wettbewerb intensiver. Wir empfehlen aber ohnehin, nicht nur auf die Klickpreise zu schauen, sondern umfassendere ROI-Betrachtungen vorzunehmen.

Performics hat 2015 mit Amazics eine eigene Unit für Amazon-Optimierung gegründet. Wie groß ist sie? Und wie läuft das Geschäft?Wir sind mit Amazics 2016 sehr gut durchgestartet. Zwölf Mitarbeiter sind mittlerweile fest dort tätig, zudem liefern andere Teams unter anderem Texte zu. Amazics betreut über 15 Kunden aus vielen verschiedenen Branchen, unter anderem Telkos, IT-Unternehmen, aber auch Pharma-Firmen und Autohersteller.

Wo liegen bei der Akquise von Neukunden noch die größten Hindernisse? Nicht alle Firmen verstehen, dass Amazon-Marketing nicht nur ein Media-, sondern vor allem auch ein Vertriebsthema ist. Teilweise können sie diese Verbindung nicht richtig herstellen. Teilweise gibt es auch Unternehmen, die sich gern stärker auf dem Marketplace engagieren würden, aber einfach an Reichweitengrenzen stoßen. So conversion-stark die Reichweite bei Amazon auch ist, so ist sie nicht beliebig skalierbar.

Wie groß wird der Markt für die Dienstleister und Berater werden? Ich schätze, dass er noch rund zwei Jahre wachsen wird. Dann wird man mit den Amazon-Aktivitäten an Grenzen stoßen, wenn man sie nicht mit anderen Marketingkanälen verknüpft. Daher werden auf Dauer auch breiter aufgestellte Agenturen und Dienstleister das Geschäft bestimmen. Spezialisierte Anbieter sind meist am Anfang schneller und erfolgreicher, werden aber später übernommen oder weiten ihr Angebotsspektrum aus. Das war auch schon bei den Themen Search und Social Media so.

Kann auch Amazon selbst in den in den Markt einsteigen und die Händler unterstützen? Das fragt sich natürlich erst einmal jeder, der hier aktiv wird – so wie man in anderen Märkten ständig auf Google, Facebook oder Apple schaut. Aber ich glaube, dass sich Amazon auf sein Kerngeschäft als Händler und Plattformanbieter konzentrieren wird.

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