Anti-Homophobie-Kampagne Thomas Hitzlsperger und Arsenal London zeigen Schnürsenkel

Montag, 08. September 2014
Die Spieler von Arsenal London setzen sich gegen Homophobie ein
Die Spieler von Arsenal London setzen sich gegen Homophobie ein
Foto: Paddy Power / Screenshot Youtube

Homosexualität gilt als eines der letzten großen Tabuthemen im Fußball. Beispiel Großbritannien: Von den mehr als 5000 Profis auf der Insel lebt kein einziger offen schwul. Die Kampagne "Rainbow Laces", im vergangenen Jahr erstmals gestartet, sagt der Homophobie nun erneut den Kampf an. Dafür haben sich die Macher prominente Unterstützung an Bord geholt.
Merkwürde Szenen spielen sich in der Umkleidekabine - auf Englisch "Changing Room" - des FC Arsenal London ab. Flügelflitzer Theo Walcott sagt: "Ich kann nicht ändern, dass ich wie Lewis Hamilton aussehe." Kapitän Mikel Arteta rechtfertigt sich anschließend für seine perfekte Frisur, während Stürmer Olivier Giroud es offensichtlich gar nicht ändern will, dass er "gorgeous" (hinreißend) ist. Alex Oxlade-Chamberlain wiederum kann es nicht ändern, dass er wie ein Teenage Mutant Hero Turtle aussieht, der 1,69 Meter große Santi Cazorla sagt, er könne nichts für seine Größe. Diese Szenen stammen aus einem TV-Spot, der in diesen Tagen in England zu sehen ist. Am Ende des Spots wird klar, worum es geht: "Gemeinsam können wir das Spiel verändern", sagt eine Stimme aus dem Off, während Arteta sich die regenbogenfarbenen Schnürsenkel an seinen Kickstiefeln schnürt.
Regenbogenfarben? Richtig: #RainbowLaces - Regenbogen-Schnürsenkel - ist der offizielle Hashtag der Kampagne, mit der der Wettanbieter Paddy Power und die Netzwerke Stonewall und The Gay Football Supporters Network gegen Homophobie eintreten wollen. Dazu wurden die bunten Schuhbänder an sämtliche Profi-Fußballer in Großbritannien verschickt samt der Aufforderung, sie am Wochenende des 13. und 14. September auf dem Platz zu tragen - egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich. Auch die Fans sind zum Mitmachen aufgerufen: Sie können ihr Schuhwerk ebenfalls verzieren oder aber fleißig im Netz posten.

Neben Arsenal London unterstützt auch der deutsche Ex-Profi Thomas Hitzlsperger die Aktion, die im vergangenen Jahr erstmals gestartet wurde und nach Angaben von Stonewall von 25 Prozent der Briten wahrgenommen wurde. Hitzlsperger hatte 2013 nach Ende seiner aktiven Karriere erklärt, homosexuell zu sein und einen großen Medienwirbel ausgelöst. "Ich will zeigen, dass es normal ist, Profi-Fußballer und schwul zu sein. Der angebliche Widerspruch zwischen dem Männerspiel Fußball und Schwulsein ist Unsinn", so Hitzlsperger, der mehrere Jahre in England spielte und auf der Insel immer noch sehr beliebt ist. Zudem geben auch große Marken wie Smirnoff, Facebook, Heineken, Sky oder Lidl der Kampagne ihren Segen.

„Der angebliche Widerspruch zwischen dem Männerspiel Fußball und Schwulsein ist Unsinn.“
Thomas Hitzlsperger
Mitinitiator Paddy Power, das sein Geld zu einem Gutteil mit Sportwetten verdient, versäumt es indes nicht, seine guten Absichten noch einmal zu unterstreichen: Unter der Medieninformation zu der Kampagne findet sich eine FAQ-Sektion, in der das Unternehmen unter anderem erklärt, keine Outings von Fußballern provozieren zu wollen und keine Wetten auf Coming-Outs anzunehmen. Hintergrund: Im vergangenen Jahr sorgte Paddy Power für großen Wirbel , indem es Kunden auf den Ausgang des Prozesses gegen den unter Mordverdacht stehenden südafrikanischen Sprinter Oscar Pistorius wetten ließ. Sogar auf Anzeigen bewarb Paddy Power diese Wetten - und handelte sich zahlreiche Beschwerden dafür ein. "Für diese Anstößigkeit wollen wir uns uneingeschränkt entschuldigen", stellt das Unternehmen nun klar. ire
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