Prognose E-Marketer beziffert deutschen Online-Werbemarkt auf über 5 Milliarden Euro

Mittwoch, 04. Oktober 2017
Der deutsche Online-Werbemarkt profitiert von investitionsfreudigen Händlern
Der deutsche Online-Werbemarkt profitiert von investitionsfreudigen Händlern
© Momius / Fotolia

Wie groß ist der digitale Werbemarkt in Deutschland tatsächlich? Der Online-Vermarkterkreis (OVK) ging in seiner Werbestatistik zuletzt von Nettospendings in Höhe von 1,91 Milliarden Euro aus - Suchwortvermarktung ist dabei allerdings nicht eingerechnet. E-Marketer hat nun Zahlen präsentiert, die dieses  Segment einschließt. Der Report "Digital Ad Spending in Germany" berücksichtigt dem Marktforschungsinstitut zufolge "all die verschiedenen Werbeformate" auf dem Desktop, auf mobilen Endgeräten sowie "anderen mit dem Internet verbundenen Geräten". Insgesamt werden demnach hierzulande 6,12 Milliarden Dollar brutto (umgerechnet 5,2 Milliarden Euro) in digitale Werbung fließen - davon 835 Millionen in Mobile.
Zwischen den Zahlen des OVK und von E-Marketer klafft also eine Lücke von rund 3,3 Milliarden Euro. Dass es sich bei der OVK um Netto- und bei E-Marketer um Brutto-Zahlen handelt, dürfte dabei nicht allzu groß ins Gewicht fallen, da im Online-Bereich selbst in die Brutto-Statistik von Nielsen Netto-Umsätze einfließen. Die beim OVK fehlende Summe dürfte größtenteils an Google gehen. Zur Dmexco präsentierte die Organisation Mediaagenturen (OMG) eine Schätzung, wonach Google hierzulande auf einen Nettoumsatz von rund 4 Milliarden Euro kommt. Dabei sollen etwas mehr als 75 Prozent der Umsätze aus der Suchwortvermarktung stammen - was ziemlich genau jenen 3,3 Milliarden Euro entspricht, die zwischen OVK und E-Marketer fehlen. Facebook kommt der OMG zufolge übrigens auf einen Gesamtumsatz in Deutschland von etwa 1 Milliarde Euro.
Klaus-Peter Schulz
Bild: Olaf Ballnus

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Die Unterschiede bei den verschiedenen Werbemarktschätzungen sind wie man sieht enorm - was vor allem daran liegen dürfte, dass Facebook und Google ihre Umsätze in einzelnen Märkten nicht veröffentlichen. Wie viel Geld letztendlich also wirklich den beiden Top-Playern landet, ist unklar. Unbestreitbar ist hingegen, dass die Unternehmen aus dem Silicon Valley für einen Gutteil der digitalen Ad-Spendings verantwortlich sind. Zu Beginn des Jahres hatte E-Marketer geschätzt, dass Google und Facebook zusammen in diesem Jahr mehr als 100 Milliarden Dollar mit Werbung verdienen - und damit 46 Prozent aller weltweiten Ausgaben für Online-Werbung auf sich vereinen.

Der E-Marketer-Report hält noch weitere Erkenntnisse bereit: So soll der Handel in diesem Jahr 22,5 Prozent der digitalen Werbeausgaben in Deutschland tätigen. Insgesamt kommt die Branche auf Spendings in Höhe von 1,38 Milliarden Dollar (rund 1,62 Milliarden Euro). Damit investieren die deutschen Händler deutlich mehr als die Automobilindustrie, die es auf 50 Millionen Dollar, also rund 42,5 Millionen Euro bringt. Es folgen die Reisebranche, Finanzdienstleistungen und Verbrauchsgüter. 
Die Ausgaben für Online-Werbung in Deutschland nach Branchen
Die Ausgaben für Online-Werbung in Deutschland nach Branchen (Bild: E-Marketer)
Für die Ausgabefreudigkeit der Händler seien vor allem der E-Commerce und die steigende Smartphone-Verbreitung verantwortlich, sagt E-Marketer-Forscherin Monica Peart. Außerdem sei ein bestimmtes Segment der Branche besonders aktiv: "Die Investitionen der deutschen Handelsbranche in mobile Werbung sind kürzlich stark gewachsen, seit die Luxushersteller, und hier insbesondere Modemarken, den Kanal für sich entdecken." ire
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