Prism-Affäre Microsoft und der ungewollt komische Spot für den Internet Explorer

Montag, 15. Juli 2013
Auch auf Anzeigen präsentiert sich Microsoft als Hüter der persönlichen Daten
Auch auf Anzeigen präsentiert sich Microsoft als Hüter der persönlichen Daten

"Der Schutz Ihrer Privatsphäre steht für uns an erster Stelle". Das Versprechen, mit dem Microsoft in den vergangenen Monaten im TV und in Printtiteln für seinen Internet Explorer trommelte, könnte sich vor dem Hintergrund der Affäre um das US-Ausspähprogramm Prism noch als kommunikatives Eigentor entpuppen. Schließlich soll Microsoft eng mit dem US-Geheimdienst zusammengearbeitet und diesem sogar Zugriff auf eigentlich verschlüsselte E-Mails und Video-Telefonate gewährt haben, wie aktuell der Guardian berichtet.
In Deutschland ist der TV-Spot bereits aus den Werbeblöcken verschwunden. Der TV-Spot für den Internet Explorer, der in Deutschland am 13. Mai auf Sendung ging, ist angesichts der Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten. "Manches teilt man gern online, anderes nicht", erklärt eine Stimme aus dem Off gleich zu Beginn des Commercials, das von Crispin Porter + Bogusky in Miami entwickelt und von Wunderman, München, für Deutschland adaptiert wurde. Die verbleibenden rund 25 Sekunden nutzt Microsoft, um sich als Unternehmen darzustellen, das den Surfern beim Schutz ihrer Privatsphäre zur Seite steht.

Microsoft hat zwar immer wieder betont, den US-Geheimdiensten keinen freien und direkten Zugang auf Kundendaten zu gewähren. Vor dem Hintergrund der aktuellen Medienberichte, nach denen der Konzern der NSA sogar dabei geholfen haben soll, die Verschlüsselung von E-Mails zu umgehen und Skype-Telefonate mitzuschneiden, dürften sich allerdings viele Verbraucher fragen, ob ihre Daten bei Microsoft wirklich so sicher sind wie der Konzern behauptet.

Die Motive sind in Titeln wie "Tagesspiegel" und "Cicero" erschienen
Die Motive sind in Titeln wie "Tagesspiegel" und "Cicero" erschienen
In Deutschland ist der TV-Spot bereits aus den Werbeblöcken verschwunden. Auch die Printanzeigen zu diesem Thema, die in Titeln wie "Tagesspiegel" und "Cicero" erschienen sind, werden nicht mehr geschaltet. Einen Zusammenhang mit der Prism-Affäre gibt es nach Darstellung des Unternehmens aber nicht. "Der TV-Spot wurde nicht gestoppt, sondern wie im Mediaplan vorgesehen bis Ende Juni ausgestrahlt", erklärt Unternehmenssprecher Thomas Baumgärtner gegenüber HORIZONT.NET. Auch in den USA, Frankreich und Großbritannien sei das Commercial fristgerecht ausgelaufen. Ohnehin könne er nicht erkennen, warum die Aussage des Spots vor dem Hintergrund der Prism-Affäre unglücklich sei, sagt der Sprecher. "Microsoft steht zu seiner Aussage, die Privatsphäre der Nutzer gut zu schützen. Von daher sehe ich da keinen Widerspruch". mas
Meist gelesen
stats