Primark Wie ein gefakter Skandal den Discounter in die Krise stürzt

Montag, 30. Juni 2014
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Lange hat sich die irische Discount-Modekette Primark mit einer offiziellen Einordnung der in den vergangenen Tagen gefundenen Hilferufe zurückgehalten, aber damit ist jetzt Schluss. Der Modehändler stuft nun zwei der drei Etiketten, mit denen sich angebliche Mitarbeiter von Zulieferbetrieben über die Produktionsbedingungen beschweren, offiziell als Fälschung ein. An der Tonalität der öffentlichen Reaktionen ändert das allerdings nur wenig.
In dem Fall der beiden eingenähten Hilferufe, die im britischen Swansea gefunden wurden, scheint der Fall mittlerweile klar zu sein. Die Etiketten stammen laut Primark eindeutig aus derselben Quelle, obwohl die besagten Kleidungsstücke in unterschiedlichen Teilen der Welt produziert worden waren. Von daher könne ausgeschlossen werden, dass es sich bei den Urhebern der Botschaften tatsächlich um örtliche Fabrikmitarbeiter handele.

Noch nicht abgeschlossen ist dagegen die Untersuchung einer in Nordirland gefundenen Botschaft, die von einem Zwangsarbeiter aus einem chinesischen Gefängnis stammen soll. Allerdings gibt es auch hier Begleitumstände, die zumindest misstrauisch machen. So hieß es in den ersten Meldungen dazu, dass mit der in chinesischer Schrift verfassten Botschaft auch ein Gefangenenausweis gefunden worden sei. Dieser Ausweis ist der Öffentlichkeit allerdings bis heute nicht präsentiert worden, obwohl sich die Finderin an Amnesty International Nordirland wandte.

An der öffentlichen Wahrnehmung des Discounters ändert diese Entwicklung kurioserweise allerdings fast nichts. In Berlin bereiten Initiativen, die sich für einen fairen Welthandel einsetzen, eine Demonstration gegen eine weitere Primark-Eröffnung vor. In England fordern erste Politiker eine öffentliche Untersuchung der Unternehmenspraktiken. Und in Deutschland hat die Satiretitel "Der Postillon" die Steilvorlage des Discounters für einen hämischen Tweet genutzt (siehe oben). Sollte sich das Unternehmen aufgrund dieser PR-Krise gezwungen sehen, auf die Forderungen seiner Kritiker einzugehen, könnte das Konsequenzen für künftige Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und Verbraucherschützer haben. Nicht auszuschließen ist, dass manche Initiativen den Fall als Beweis verstehen, dass man Unternehmen auch mit gefälschten Skandalen unter Druck setzen kann. cam
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