Praktiker-Insolvenz Chronik eines angekündigten Todes

Donnerstag, 11. Juli 2013
Die Rabattschlachten haben Praktiker in den Ruin getrieben
Die Rabattschlachten haben Praktiker in den Ruin getrieben

Als Praktiker Anfang des Jahres trotz gegenteiliger Beteuerungen seine Werbekampagne für die ruinösen "20 Prozent auf alles"-Aktionen neu auflegte, war bereits klar, dass dem Baumarktkonzern das Wasser allmählich bis zum Hals steht. Jetzt muss das Unternehmen den Preis für seine jahrelangen Rabattschlachten bezahlen. Praktiker ist zahlungsunfähig und hat heute für einzelne Gesellschaften einen Insolvenzantrag gestellt.
Auf Preiskampagnen wollte Praktiker eigentlich ab 2011 verzichten
Auf Preiskampagnen wollte Praktiker eigentlich ab 2011 verzichten
Die Schlacht um die Zukunft von Praktiker ging am gestrigen Mittwoch verloren, als einzelne Gläubigergruppen dem Sanierungskonzept ihre Zustimmung verweigerten. Damit ist das 1978 gegründete Kirkeler Unternehmen, das mit rund 20.000 Mitarbeitern und 300 Filialen zu den größten deutschen Baumarktketten zählt, offiziell überschuldet und zahlungsunfähig, weshalb der Vorstand auch eine "positive Fortführungsprognose für die Praktiker AG und einzelne Gesellschaften der Unternehmensgruppe verneint" hat, wie es in einer Adhoc-Mittelung heißt.

Am heutigen Donnerstag folgte dann der offizielle Insovenzantrag vor dem Amtsgericht Hamburg. Während für die wichtigsten deutschen Praktiker-Gesellschaften (Baumarkt Praktiker Deutschland, Baumarkt Praktiker GmbH und Baumarkt Praktiker Online GmbH) nun im Rahmen des Regelinsolvenzverfahrens ein Sanierungsplan erstellt werden soll, sind die derzeit 132 Märkte der Premium-Tochtergesellschaft Max Bahr von den Anträgen ebenso wenig betroffen wie das internationale Geschäft des Praktiker Konzerns. Praktiker hatte 2012 beschlossen Max Bahr zur bundesweiten Marke auszubauen.

Praktiker hat sich mit jahrelangen Preisschlachten und den "20-Prozent auf alles"-Rabattaktionen selbst in die Krise manövriert, was auch früh erkannt wurde. Bereits 2011 kündigte Geschäftsführerin Rebekka M. Kröger gegenüber HORIZONT.NET an, komplett auf Rabattaktionen verzichten zu wollen. Damals schöpfte Praktiker neuen Mut, verpflichtete Boris Becker als Testimonial und erhöhte seinen Werbeetat um einen zweistelligen Millionenbetrag, um sein Billig-Image loszuwerden. Danach ging es schrittweise abwärts. Vor gut einem Jahr wurde zunächst die teure und imagelastige TV-Kampagne mit Becker gestoppt. Anfang 2013 war es dann endgültig vorbei mit den guten Vorsätzen, als Praktiker die eigentlich verbannten Rabattspots wieder ausgrub. Die Spots wurden bis Ende Mai auf Privatsendern geschaltet. Seitdem ist Praktiker aus den Werbeblöcken verschwunden - und vielleicht auch bald von der Bildfläche. mas
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