Playmobil Wie Martin Luther zum unverhofften Merchandising-Hit wurde

Mittwoch, 18. Februar 2015
Ab April soll die nächste Auflage des Playmobil-Luthers zu kaufen sein
Ab April soll die nächste Auflage des Playmobil-Luthers zu kaufen sein
Foto: Unternehmen
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Deutschland ist vielleicht nicht mehr das Land der Dichter und Denker, aber mit Sicherheit die Heimat von erstaunlich vielen Nerds. Wie sonst wäre es zu erklären, dass eine Playmobil-Version von Martin Luther in Rekordzeit ausverkauft war? Bei der auf 34.000 Stück begrenzten Limited-Edition handelt es sich um eine überraschend erfolgreiche Werbeaktion der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) und der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg (CTZ) im Vorfeld des 500-jährigen Reformationsjubiläum 2015.
Die Martin-Luther-Figur ist nicht die erste Playmobil-Figur, die die CTZ als Werbeplattform nutzt. So hat sich die Plastikversion von Albrecht Dürer schon 80.000mal verkauft. Aber das Tempo, mit dem die Luther-Figur ihre Käufer fand, überraschte sogar den Hersteller. "Der Erfolg ist für uns ein großes Rätsel und auch eine große Überraschung", sagte eine Unternehmenssprecherin dem Nachrichtenmagazin "Newsweek". Tatsächlich ist das Interesse am Playmobil-Luther mittlerweile so groß, dass sich eine eigene Facebook-Gruppe gegründet hat, um weitere Accesoires rund um den Vater der Reformation zu fordern. Auf der Wunschliste der Fans stehen unter anderem eine Playmobil-Wartburg, eine Papst-Figur und ein Luther-Ergänzungsset "Junker Jörg". Auch wenn es zu weiteren Ergänzungen wohl kaum kommen wird, arbeiten Hersteller und Auftraggeber schon an der nächsten Auflage, um das hohe Interesse an dem Modell zu befriedigen und damit auch die begleitende Kommunikation zum Reformationsjahr lebendig zu halten.
Ab April soll die nächste Auflage des Playmobil-Luthers zu kaufen sein
Ab April soll die nächste Auflage des Playmobil-Luthers zu kaufen sein (Bild: Unternehmen)
Für die touristischen und kirchlichen Auftraggeber ist der Erfolg der Beweis, dass sich ein solcher Anlass auch in einer säkulären Gesellschaft wie Deutschland effektiv vermarkten lässt. Und Playmobil dürfte es nicht kaltlassen, dass die Luther-Figur demonstriert, dass Playmobil durchaus mit dem Kultfaktor des dänischen Konkurrenten Lego mithalten kann.

Eine ganz andere Frage ist dagegen, ob sich auch der historische Luther über seine Playmobil-Version gefreut hätte. Schließlich war einer seiner zentralsten Vorwürfe, dass die katholische Kirche im Ablasshandel die Glaubenswelt als Wirtschaftsgut vermarktete. cam
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