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Oliver Mintzlaff vor der Nachwuchs-Akademie von RB Leipzig
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Player des Jahres Wie Oliver Mintzlaff RB Leipzig zur neuen Kraft in Fußball-Deutschland macht

Oliver Mintzlaff vor der Nachwuchs-Akademie von RB Leipzig
RB Leipzig war sicher die Überraschungsmannschaft der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit: In ihrer ersten Saison in Deutschlands höchster Spielklasse gelang es den Sachsen, Platz 2 zu erobern und sich damit direkt für die Champions League zu qualifizieren. Dieser Erfolg geht nicht nur auf eine kluge Einkaufspolitik zurück, sondern vor allem auf eine stringente Strategie und professionelle Strukturen. Für deren Aufbau ist Oliver Mintzlaff verantwortlich. Der Chef von RB Leipzig wird dafür von der Jury von HORIZONT Sportbusiness als "Player des Jahres" ausgezeichnet.
von Ingo Rentz, Donnerstag, 05. Oktober 2017
Im Interview mit HORIZONT spricht Mintzlaff über das Selbstverständnis des RB Leipzig, die Kritik am Red-Bull-Modell und über den Stand bei Sponsoring-Erlösen sowie das Wachstums-Themas E-Sports.

Oliver Mintzlaff über...

...die Marke RB Leipzig: "Ich würde weniger von der Marke als eher vom Verein RB Leipzig sprechen. Und der steht grundsätzlich für Nachhaltigkeit. Wir wollen junge Spieler entwickeln und nicht einfach irgendeine Mannschaft beliebig zusammenstellen. Diese Nachhaltigkeit betrifft nicht nur die erste Mannschaft, sondern soll sich in allen Bereichen des Vereins wiederfinden. Wir wollen keine Dinge machen, die heute erfolgreich, aber morgen schon nicht mehr interessant sind."

...den Vorwurf, RB Leipzig sei ein künstliches Kontrukt ohne jede Tradition, das nur zu Marketingzwecken entworfen wurde: "Wer das sagt, soll einmal zu uns in die Stadt und ins Stadion kommen und sich von der Stimmung dort überzeugen. Wir verkaufen inzwischen im Schnitt über 40.000 Tickets, davon 20.000 Dauerkarten. So etwas kann man nicht künstlich herstellen. Dass wir keine Tradition haben, dafür können wir nichts. Es muss doch auch erlaubt sein, mit etwas Neuem zu beginnen."

Der Manager:

Oliver Mintzlaff, Jahrgang 1975, ist seit Anfang 2014 der starke Mann im Fußball-Universum von Red Bull. Damals übernahm er als „Head of Global Soccer“ die Verantwortung für die globalen Fußballaktivitäten des österreichischen Getränkeherstellers. Mitte des Jahres wurde der gebürtige Rheinländer Vorstandsvorsitzender des RasenBallsport Leipzig e. V., ehe er 2016 auch das Amt des Geschäftsführers der RasenBallsport Leipzig GmbH übernahm. Vor Red Bull war Mintzlaff im Sportmarketing von Puma sowie bei der Spieler-Beratungsagentur Ferber Marketing beschäftigt. Sportliche Meriten verdiente sich der Manager übrigens nicht auf dem grünen Rasen: Mintzlaff ist ehemaliger Langstreckenläufer und nahm 1998 an den Halbmarathon-Weltmeisterschaften teil.
... regionale Verankerung: "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir einen Ort zurück auf die Fußball-Landkarte gebracht haben, der zuvor aus nationaler Perspektive ein weißer Fleck war. Wir sind ein Leipziger Club, stehen zur Stadt und zu der Region. Diese regionale Verankerung ist sehr zentral für uns und wir legen großen Wert darauf, mit den Menschen hier in Dialog zu treten." ... die Kritik an der finanziellen Unterstützung durch Red Bull: "Uns geht es gut, das bestreiten wir gar nicht. Nur ist Deutschland eine sehr große Neidgesellschaft, hier wird immer gern das Negative gesucht. Aber auch für unsere noch wenigen Kritiker wird es immer schwieriger, Argumente gegen uns zu finden. Stattdessen zeigt eine unabhängige Nielsen-Studie, dass wir inzwischen der sechstbeliebteste Club in Deutschland sind. Und das, obwohl wir erst ein Jahr Bundesliga spielen und noch ein so junger Verein sind. So viel können wir also nicht falsch gemacht haben.
Oliver Mintzlaff im Interview mit HORIZONT
Oliver Mintzlaff im Interview mit HORIZONT (Bild: Picture Point)
... die Erlöse im Sponsoring:  "Exklusive Red Bull sind wir hier auf einem soliden einstelligen Tabellenplatz. Aber wir haben noch viel Luft nach oben. Wenn man sich einmal in den US-amerikanischen Profiligen umschaut, bekommt man einen Eindruck davon, was man alles kapitalisieren kann, ohne dass der Fan genervt ist. Unser Ziel ist, hier Schritt für Schritt, aber doch so schnell wie möglich voranzukommen."

... den Boom-Bereich E-Sports: "Ich gebe zu, dass bei mir hierfür ein Stück weit Überzeugungsarbeit notwendig war. Aber das bei uns für dieses Thema verantwortliche Team hat gute Argumente geliefert, warum wir in diesem Bereich zusätzliche Mehrwerte für uns und die Fans generieren können. Das boomende Feld des ESports ist für RB Leipzig sehr interessant, da wir als junger, dynamischer Verein auch für Innovation, neue Wege und besondere Erlebnisse stehen. Natürlich hilft uns hierbei auch die Nähe zu Red Bull, das im E-Sports bereits viele Erfahrungen gesammelt hat. Aber wir wollen in einem E-Sports-Bereich bleiben, in dem es auch Anknüpfungspunkte zu unseren Spielern gibt."
„Dass wir keine Tradition haben, dafür können wir nichts. Es muss doch auch erlaubt sein, mit etwas Neuem zu beginnen.“
Oliver Mintzlaff
... die Mega-Transfers in anderen Ligen: "Natürlich sind diese Summen nicht mehr nachvollziehbar und vor allem kreieren sie Ungleichheit: Wir erwarten schon, dass sich alle an Financial Fair Play halten. Wenn die Branche den Bogen komplett überspannt, besteht die Gefahr, dass sich die Fans am Ende womöglich abwenden. Wir müssen den Fans schon vermitteln können, was wir hier überhaupt machen."

... die 50+1-Regel der Bundesliga: "50+1 hat der Bundesliga sicher nicht geschadet. Dennoch müssen wir international wettbewerbsfähig bleiben. Und die 50+1-Regel macht die Bundesliga für Investoren sehr unattraktiv. Deshalb sollten wir über diese Regelung behutsam nachdenken. Aus meiner Sicht müssten wir nach Lösungen suchen, die es Investoren ermöglichen, sich zu engagieren und die von allen Clubs akzeptiert werden.




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