Dschungelcamp-Platzierung war unzulässig Was das Pick-Up-Urteil für RTL bedeutet

Donnerstag, 18. Februar 2016
So warb Bahlsen in diesem Jahr rund ums Dschungelcamp
So warb Bahlsen in diesem Jahr rund ums Dschungelcamp
Foto: Screenshot Youtube/Bahlsen

Eine Produktplatzierung von Bahlsen im RTL-Dschungelcamp war unzulässig. Das  Verwaltungsgericht Hannover entschied, dass eine 2014 ausgestrahlte 96 Sekunden lange Sequenz aus "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" den dort platzierten Riegel Pick Up zu stark hervorhob. Fraglich ist, was die Entscheidung nun für die jüngste Zusammenarbeit von Pick Up und RTL-Vermarkter IP Deutschland bedeutet.
Im Prinzip ist die Entscheidung aus Hannover wenig überraschend, hatten andere Gerichte in vergleichbaren Fällen doch ähnlich geurteilt. Der Werbezweck einiger Szenen habe zu sehr dominiert, begründete der Vorsitzende Richter Michael-Rainer Ufer. In den fraglichen Sekunden äußerten sich die Kandidaten im Camp zeitversetzt aus einer Interviewkabine heraus abermals zu den Riegeln, die sie als Belohnung erhalten hatten. Ufers Kammer sah darin "eine übertriebene verbale Lobpreisung". Die Pick-Up-Riegel spielten quasi eine Hauptrolle.
In dem Prozess ging es um die achte Dschungelcamp-Staffel 2014 - aber auch in diesem Jahr war Bahlsen als Sonderwerbepartner wieder dabei und sorgte erneut mit einem Pick-Up-Placement für Aufmerksamkeit. Die Kandidaten mussten am zwölften Camp-Tag ein Rätsel lösen, um an die Riegel zu gelangen (siehe Video). "Betrachtet man die Fortsetzung des Dschungelcamps 2016, kann man bei der in diesem Jahr erfolgten Einbindung des Produkts in das Handlungsgeschehen auf den Gedanken kommen, dass eine Produktplatzierung immer noch ein wenig stärker möglich ist", sagt Katy Ritzmann, Medienrechtlerin im Berliner Büro der Kanzlei FPS zu HORIZONT Online. Die Richter hatten ihre Entscheidung zwar nur unter Berücksichtigung des 2014er Ausschnitts zu treffen. "Ob sich das Gericht von den aktuellen Einflüssen dabei aber ganz frei machen konnte, lässt sich zumindest hinterfragen", so Ritzmann. RTL müsse sich ohnehin fragen, ob nicht letztlich der Werbecharakter der Sendung im Vordergrund steht. Als juristische Alternative könne man darüber nachdenken, das Format künftig als sogenannte Dauerwerbesendung zu kennzeichnen. Dies wäre nach den Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrages zulässig, wenn der Werbecharakter erkennbar im Vordergrund steht und die Werbung einen wesentlichen Bestandteil der Sendung darstellt. Dem Streit vorangegangen war eine Beanstandung der für RTL zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM). Gegen den Rüffel zog der Kölner Privatsender vor Gericht. Kern der Streitfrage war es, ob die Bahlsen-Riegel bei der achten Dschungelcamp-Staffel 2014 zu sehr im Vordergrund standen. Denn Produktplatzierungen sind laut Rundfunkstaatsvertrag zwar generell verboten, jedoch sind unter Auflagen Ausnahmen möglich. Eine davon lautet, dass das Produkt "nicht zu stark herausgestellt werden" darf. Das sah das Gericht nun aber als gegeben an - wenn auch nicht in jeder der 96 Sekunden. fam, mit Material von dpa
Meist gelesen
stats