Philipp Markmann im Interview So tickt der junge Marketingchef von L'Oréal Deutschland

Freitag, 19. Januar 2018
Philipp Markmann ist seit Frühjahr 2017 CMO von L'Oréal Deutschland
Philipp Markmann ist seit Frühjahr 2017 CMO von L'Oréal Deutschland
© L'Oréal Deutschland

Vor rund einem Dreivierteljahr erreichte die Karriere von Philipp Markmann ihren bisherigen Höhepunkt: Im Alter von 35 Jahren machte L'Oréal Deutschland sein Eigengewächs zum CMO und damit zum Chef-Marketer von rund 30 Marken. Und die kommunizieren mehr und mehr im Netz, dafür sorgt der onlineaffine Markmann. In seinem ersten großen Interview spricht er über Werbung im digitalen Zeitalter, das neue Agenturmodell und die Bedrohung E-Privacy-Verordnung.
Für viele Marketer und Kommentatoren gab es 2017 vor allem ein Thema: Die vermeintliche digitale Besoffenheit der Branche, gefolgt von einem digitalen Kater, der manchen Werbungtreibenden zum Umdenken veranlasst hat. Beim entsprechenden Panel auf der Dmexco im September hatte Philipp Markmann seinen ersten großen Auftritt als L'Oréal-CMO, doch von einer digitalen Ernüchertung ist bei dem Norddeutschen weder damals noch heute etwas zu spüren - ganz im Gegenteil. Er sagt: "Dank Digital wissen wir viel besser, was sich die Verbraucher wünschen - und was nicht. Ich finde, es ist eine super Zeit, in der wir leben."

Philipp Markmann über ...

... seine Agenda bei L'Oréal:

 "Die Aufgabe, mit der ich angetreten bin, ist klar: Alle Chancen, die der digitale Wandel bietet, in Wachstum für die L'Oréal-Gruppe umzumünzen. Marketing im digitalen Zeitalter ist für mich keine isolierte digitale Agenda. Wir richten uns vielmehr zu 100 Prozent am Verbraucher aus. Die Insights, die wir über unsere Konsumenten haben, setzen wir in datengetriebene Pläne für die einzelnen Abteilungen um."

Das ist Philipp Markmann

Philipp Markmann, Jahrgang 1981, ist seit März 2017 Chief Marketing Officer von L’Oréal Deutschland. Dort folgte er auf Eva Henry-Künne, die die 2015 neu geschaffene Stelle erstmals besetzt hatte. Markmann ist ein L’Oréal-Eigengewächs, seit 2006 bekleidete er diverse Marketingpositionen. Zuletzt war er General Manager der Marke Garnier. Der gebürtige Flensburger hat ein Faible für die USA, studierte an der University of Miami und sammelte Makeup-Erfahrung bei Maybelline in New York. Den Herausforderungen in seiner neuen Position sieht er optimistisch entgegen, weiß auch, dass er einen langen Atem braucht. Mit einer Marathon-Bestzeit von unter vier Stunden sollte das für Markmann aber kein großes Problem werden.

... das Für und Wider von Digital:

 "Es kommt darauf an, welches Businessmodell man in seiner jeweiligen Industrie verfolgt und welche Verbraucher man erreichen möchte. Daran orientiert sich der Mediamix. Die Diskussion ist ja nicht neu, sie ist nur komplizierter und komplexer geworden. Jeder muss für sich herausfinden, welcher Kanal welchen Beitrag zum Wachstum liefert und welche Strategie die richtige ist. Wir sind jedenfalls von unserer Richtung überzeugt."

... seinen Altersunterschied gegenüber der CMO-Konkurrenz:

"Ich habe die Jahrgänge nicht studiert - nach der Wikipedia-Definition bin ich jedenfalls noch Millennial (lacht). Ich glaube schon, dass es ein Vorteil ist, in der digitalen Zeit aufgewachsen zu sein. Aber vieles ist auch eine Frage der Einstellung. "Learning Agility" ist für uns ganz wichtig. Hungrig zu bleiben macht meiner Meinung nach den Unterschied - unabhängig vom Alter."

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... den jüngsten Media-Pitch:

"Wir hinterfragen uns täglich. Denn für uns als Konzern ist es wichtig,  veränderten Umständen Rechnung zu tragen und dann gegebenenfalls etwas Neues in den Markt hinein zu briefen. Und wir sind überzeugt davon, dass die Entscheidung für Publicis und die neue Unit iBeauty richtig ist. Wir brauchen einen Partner mit einem stark konsumentenorientierten Ökosystem, der uns ganzheitlich beraten kann. Nicht nur bei Paid Media, sondern auch bei Owned und Earned. [...] Marketing war ja noch nie so komplex wie heute. Dieser Komplexität begegnen wir mit einem Partner, der sowohl Paid Media als auch Owned und Earned Media abdeckt - also auch das große Thema Influencer. Wir denken nicht mehr in Silos. Marketing über die Kanäle hinweg funktioniert nur effizient, wenn man es ganzheitlich betrachtet."

... die E-Privacy-Verordnung:

"Natürlich ist das ein Thema, das uns beschäftigt. Alles, was wir heute im Dialog- oder Direktmarketing machen, ist selbstverständlich rechtskonform. Wichtig ist, dass die Europäische Union gewährleistet, dass a) europäische Geschäftsmodelle wettbewerbsfähig bleiben, auch im Vergleich zu Facebook und Google, und dass b) die E-Privacy-Verordnung die User Experience des Verbrauchers nicht negativ beeinflusst. Das sind aus unserer Sicht die wichtigsten Aspekte und für diese setzen wir uns ein. [...] Wir werden die Entwicklungen natürlich sehr genau beobachten und unsere Position vertreten. Aber niemand kann heute im Detail sagen, was die konkreten Folgen sein werden. Sobald konkrete Entscheidungen gefällt sind, werden wir die Konsequenzen für uns analysieren."

Interview: Fabian Müller
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