Pharmagründer Clemens Fischer "Daten sind wichtiger als Kreativität"

Freitag, 06. November 2015
Seriengründer Clemens Fischer ist Mediziner und Absolvent der Harvard Business School
Seriengründer Clemens Fischer ist Mediziner und Absolvent der Harvard Business School
Foto: Jens Schwarz
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Clemens Fischer Start-up Perrigo CEO of the Future


Erst im Sommer verkaufte Clemens Fischer seine Diätmarke Yokebe an den irischen Pharmakonzern Perrigo - bereits der siebte Deal dieser Art und das erfolgreiche Geschäftsmodell seiner Firma Dr. Fischer Gesundheitsprodukte. Im HORIZONT-Interview erzählt der Unternehmer, wie er Pharma-Start-ups groß macht, welche Bedeutung Daten haben und was er von der deutschen Venture-Capital-Politik hält.

Clemens Fischer über ...

... die Bedeutung von Daten im Marketing:

"Daten sind unglaublich wichtig. Wir kaufen alle Daten, die man kaufen kann: Abverkauf, Umsatz, Standing der Wettbewerber, Anzahl der Patienten. Algorithmen zeigen uns, was funktioniert und was nicht, und wenn etwas nicht richtig läuft, dann ziehe ich den Stecker. Sie müssen wissen, wann investieren Sie zu viel Geld, wann zu wenig, wie muss das Wachstum sein. [...] Kreativität hat bei uns einen viel niedrigeren Stellenwert als etwa Zahlen."

... die richtige Marktpositionierung:

"Zunächst einmal muss das Produkt stimmen. Beim schnellen Aufbau von Start-ups und Marken ist es dann entscheidend, signifikante Summen in Media zu investieren. Steckt man nicht mindestens 10 Millionen Euro brutto pro Jahr in Media, ist es besser, man lässt es gleich bleiben. Zusätzlich braucht es einen cleveren Marketingplan: Manche Produkte funktionieren nur in Print, andere sehr gut im TV. Bei jüngeren Produkten wie etwa Lactostop gegen Laktoseintoleranz können etwa auch Privatsender eine sehr gute Alternative zu den  klassischen Pharmakanälen ARD und ZDF sein."

Zur Person

Schon im Alter von 17 Jahren führte der heute 40-jährige Clemens Fischer seine eigene Mobilfunkfirma und entdeckte dabei die Leidenschaft zum Serienunternehmer - die er als Chef der Pharmafirma Dr. Fischer Gesundheitsprodukte seit 2008 in München auslebt. Zu den hervorgebrachten Produkten gehören unter anderem Lactostop, Yokebe und Kijimea Reizdarm. Der promovierte Mediziner und Absolvent der Harvard Business School arbeitete ab 2001 zunächst beim Pharmariesen Novartis. 2007 zeichneten ihn McKinsey und "Manager Magazin" als "CEO of the Future" aus.

... die Marke als Differenzierungsmerkmal:

"Das Produkt funktioniert ohne die Marke nicht und vice versa. Dass Aspirin bei den Schmerzmitteln immer noch Marktführer ist, obwohl es inzwischen Konkurrenzprodukte mit dem gleichen Wirkstoff für einen Bruchteil des Preises gibt, zeigt doch, wie wichtig eine Marke ist - weil die Leute auf die Qualität, die damit einhergeht, vertrauen. In der Pharmabranche gilt allerdings: Sie können eine Marke nicht innerhalb eines Jahres aufbauen - das ist anders als etwa bei Zalando."

... die deutsche Start-up-Kultur:

"Deutschland ist klar im Hintertreffen und das ist sehr schade, denn ich glaube, wir haben riesige Talente. Die Anerkennung für Start-ups ist hierzulande aber nicht so groß und die deutsche Fehlerkultur erlaubt auch weniger Versagen. Das ist ein grundlegendes Problem, das sich jedoch zunehmend bessert. Ein Pharma-Start-up unterscheidet sich dabei in wesentlichen Themen wie Finanzierung und Teamaufbau übrigens überhaupt nicht von einem E-Commerce-Startup. Wir haben zwar andere Eintrittsbarrieren und Risikostrukturen, aber im Endeffekt braucht es immer den Mut, etwas anzupacken, schnell zu sein und dabei trotzdem analytisch zu denken."

... Förderprogramme des Bundes:

"Wenn die Bundesregierung sagt, wir investieren 150 Millionen Euro an Fördergeldern, wäre das für mich kein Anreiz, ein Start-up zu gründen. Außerdem ist es schwierig, wenn Start-ups von Personen angeschoben werden, die in klassischen Konzernstrukturen denken. Aber genau hier brauchen Sie Leute, die viel Mut haben, auch wenn das manchmal bedeutet, ein Unternehmen stillzulegen."

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