Perlweiss Wie es ein Spec-Spot der Filmakademie BW tatsächlich in die TV-Werbung schaffte

Freitag, 11. November 2016
Der Perlweiss-Spot war ursprünglich eine Studentenarbeit
Der Perlweiss-Spot war ursprünglich eine Studentenarbeit
© Perlweiss

Sogenannte Spec-Spots, also fiktive Werbefilme für real existierende Marken, werden an Filmhochschulen regelmäßig produziert. Dass einer dieser Spots tatsächlich den Weg in die Werbung des Unternehmens und sogar ins TV findet, ist allerdings höchst selten. Die Traditionsmarke Perlweiss erweist sich als Trendsetter und verwendet eine Abschlussarbeit der Filmakademie Baden-Württemberg für ihre Jubiläumskampagne. HORIZONT Online hat mit Regisseur Djawid Hakimyar darüber gesprochen.
Im August vorigen Jahres veröffentlichte die Filmakademie Hakimyars Abschlussarbeit "Something To Hide" - HORIZONT Online berichtete damals über den 45-Sekünder, der zwei Mafia-Gangster im New York der 1970er Jahre zeigt. Fast ein Jahr später stießen die Verantwortlichen von Murnauer Markenvertrieb, dem Unternehmen hinter der Marke Perlweiss, auf den HORIZONT Online-Artikel und so auf den fiktiven Werbespot - und nahmen Kontakt zu Hakimyar auf. "Als wir den Spot zum ersten Mal gesehen haben, waren wir sofort begeistert. Der Plan, ihn im Rahmen unserer Kommunikationskampagne einzusetzen, war sehr schnell im Team beschlossen", berichtet Prokuristin Henrike Schick. Für Hakimyar kam die Anfrage sehr überraschend. Zwischen der ersten Kontaktaufnahme und dem TV-Start Ende Oktober lagen letztlich rund sechs Monate. Nach einem Kennenlernen in der Firmenzentrale im hessischen Egelsbach machte Perlweiss klar, den Spot in der kompletten Länge ins TV bringen zu wollen. Dafür musste "Something To Hide" lediglich übersetzt und neu vertont werden, wodurch zwar ein Wortspiel (die Doppeldeutigkeit des Begriffs "Cleaner") verloren ging, der Charme aber erhalten blieb. Die finanziellen Verhandlungen führte die Marke mit der Filmakademie, so dass letztlich auch die Darsteller Michael Mazzeo und Rocco Salata mit eineinhalbjähriger Verspätung bezahlt werden konnten. "Das war für mich eigentlich das Schönste", sagt Hakimyar.
Das Regieduo Daniel Titz und Dorian Lebherz erzählt die emotionale Geschichte
Bild: Filmakademie Baden-Württemberg

Mehr zum Thema

Filmakademie Baden-Württemberg Die emotionale Ode an eine schottische Bruderliebe

Dass ein Unternehmen tatsächlich einen Spec-Spot einer Filmhochschule kauft, geschieht sehr selten - auch, weil sich die zitierten Marken manches Mal an der Verfilmung stoßen, siehe Mercedes-Benz. "Die Hoffnung darauf besteht natürlich immer, so wie viele Regisseure insgeheim hoffen, irgendwann einen Oscar zu gewinnen", sagt Hakimyar. Produktionshilfen gäbe es zwar hin und wieder. "Aber es passiert so gut wie nie, dass eine Marke den Film letztlich auch kauft und dann sogar im TV ausstrahlt." Perlweiss verwendet ihn bei Pro Sieben Sat 1 als Anker seiner Kampagne zum 40. Jubiläum, gesendet werden neben dem Originalspot bislang auch ein 35-Sekunden-Cut-Down sowie zwei siebensekündige Reminder. Eine Fortsetzung mit Regisseur Djawid Hakimyar? Nicht ausgeschlossen. fam
Meist gelesen
stats