Paulus Neef "Gründer gehen nicht mehr so naiv ans Business ran"

Dienstag, 23. Juni 2015
Von Publicis zu Yoga: Paulus Neef
Von Publicis zu Yoga: Paulus Neef
Foto: Paulus Neef

Als Chef von Pixelpark, Präsident des Deutschen Multimedia-Verbands und HORIZONT-Agenturmann des Jahres 1999 hat Paulus Neef die erste Internet-Generation in Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Nach dem New-Economy-Crash zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nun plant er den Aufbau einer Yogamarke. HORIZONT-Chefredakteur Volker Schütz unterhielt sich mit Neef über alte Diskussionen und neue Pläne.

Vergangene Woche feierte der Bundesverband Digitale Wirtschaft seinen 20. Geburtstag. Du warst der erste Präsident der Organisation, die 1995 als Deutscher  Multimedia-Verband gegründet wurde. Hast du noch Kontakt zum Verband? Zu  Gründungsmitgliedern wie Peter Kabel und Alexander Felsenberg schon. Interessanterweise haben sich die Kontakte in den vergangenen Wochen wieder intensiviert. Aber mit dem Verband selbst  habe ich keine Berührungspunkte mehr, zumal ich andere Sachen mache.


Der BVDW hat aber doch den Slogan „Wir sind das Netz“, was implizit bedeutet: Jeder, der im Digitalbereich tätig ist, sollte Mitglied des Verbands sein, dein Unternehmen also auch. Ich denke, so ein Verband muss sich immer neu erfinden. Als wir den DMMV 1995 gründeten, war man ein Alien, wenn man ein @-Zeichen auf der Visitenkarte hatte. Die Vision damals war, den wenigen Menschen, die sich mit dem Internet beschäftigten, eine Lobby zu geben. Damals war das Netz ein interessantes Science-Fiction-Thema. Heute ist das private wie das berufliche Leben ohne Netz nicht mehr denkbar. Deshalb muss man mit einem Verband ganz anders auf die Leute zugehen. Ich denke, ich gehöre nicht zur wichtigsten Zielgruppe des BVDW.


Du wars HORIZONT-Agenturmann des Jahres 1999, dann kam der New-Economy-Crash. Für die HORIZONT-Leser warst du die letzten 10 Jahre überhaupt nicht präsent. Warum der Rückzug aus dem öffentlichen Leben? Als Chef von Pixelpark war ich einer derjenigen, die den Start des Internet in Deutschland mitgeprägt haben. Insofern war ich 10 Jahre sehr präsent. Nach dem Bubble Burst habe ich dann aber in der Tat sehr, sehr viel verändert und bin hinter die Kulissen getreten. Es war in den letzten Jahren  wichtig für mich, dass ich nicht sofort medial verkünde, was ich vorhabe und was nicht. Man darf nicht vergessen: Nach dem New-Economy-Crash wurde das Thema Internet für viele Unternehmen und Pixelpark-Kunden zum Unthema. Das ökonomische Desaster war, wenn man so will, auch ein persönlicher Absturz. Und ich habe die Zeit genutzt, um zu definieren, was ich eigentlich künftig machen will. Das macht man besser nicht coram publico oder im Zwiegespräch mit der Presse.


Letzte Woche fand in Berlin die Start-up-Konferenz Noah statt. Ist das für einen Mittvierziger so etwas wie ein Jungbrunnen, wenn man erlebt, mit welcher Energie jungen Unternehmen Dinge entwickeln? Ich bin unheimlich oft und gerne mit den Machern von Start-ups zusammen. Gründer gehen längst nicht mehr so naiv an ihr Business heran wie die Generation Ende der 90er Jahre. Auch die Venture-Capital-Industrie befand sich in der Zeit der New Economy erst in den Startlöchern. Wenn heute jemand eine Firma gründet, hat er ganz andere Tools, ganz andere Connections und einen ganz anderen Hintergrund. Andererseits merke ich – andere ältere Kollegen übrigens auch -, dass Erfahrungen, auch die ganzen Ups and Downs sehr hilfreich sein können. Im Leben wiederholt sich doch vieles und gerade in der Wirtschaft findet man bestimmte Muster immer wieder. Insofern können Ältere jüngeren Gründern guten Rat geben.


Auf der Noah hat auch Arianne Huffington gesprochen. In ihren Reden geht es –  abseits von der Huffington Post – immer wieder um Management und Gesundheit, die Gefahr von Burn-out und wie man es schafft, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Du sammelst gerade Geld für den Aufbau einer Yogamarke, die im Herbst starten soll. Steckt dahinter ein ähnlicher Antrieb wie bei Arianna Huffington? Durchaus. Ich war 20 Jahre auf der Überholspur mit 250 Sachen auf dem Gaspedal, dann hatte ich einen doppelten Bandscheiben-Vorfall. Das war für mich ein richtiger Wake-up-Call. Über eine Freundin bin ich zu Yoga gekommen, was  mein Leben total verändert hat. Ich mache immer noch sehr viel, aber mit einer ganz anderen Kraft und in eine ganz andere Richtung. Ich habe mir vor fünf Jahren nie vorstellen können, ein Unternehmen aufzubauen, das eine Yogamarke werden soll. Genau das mache ich jetzt mit UNYTE.


Es gibt doch schon unzählige Yogaschulen. Warum noch eine mehr? Yoga ist in der Tat ein Hype-Thema. Viele Medien beschäftigen sich damit. Es gibt zig Schulen und mindestens genauso viele Philosophien. Zudem ist das Ganze oft alternativ-esoterisch angehaucht. Genau diese Problematiken haben mein Unternehmerherz geweckt. Mit UNYTE planen wir moderne Studios mit erstklassigen Lehrern in zentralen Lagen. Unsere Öffnungszeiten sind arbeiternehmerfreundlich von 6 Uhr morgens bis 22, 23 Uhr und das ganze für 59 Euro im Monat. Mit diesem Ansatz nehmen wir die Hürden, die es bisher beim Thema Yoga für die Menschen gab. So hip das Thema ist, so fragmentiert ist es auch. Und vielen Lehrern fehlt das unternehmerische Know-how, dabei hat Yoga ein riesiges ökonomisches Potenzial. 


Das ihr heben wollt? Genau.  Ende der 90er Jahre haben wir es mit Pixelpark geschafft, neue, komplexe Dinge plakativ zu machen und in die breite Öffentlichkeit zu bringen. Diesen Anspruch habe ich nun wieder.

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