PR-GAU Primark findet keine Antwort auf "Hilfeschrei"-Affäre

Freitag, 27. Juni 2014
Logo von Primark (Foto: Primark)
Logo von Primark (Foto: Primark)

Wer in den letzten Tagen die Facebook-Seite von Primark besucht, kann ein Paradebeispiel von wortreicher Nichtkommunikation bestaunen. In den Kommentarspalten häufen sich die kritischen Kommentare zu den Meldungen um eingenähte Hilfeschreie in den Produkten der Modekette. Doch statt darauf offen zu reagieren, postet das Primark-Team munter weiter Bilder aus der aktuellen Kollektion. Die Vorfälle in Großbritannien könnten für die Marke europaweit zum Image-GAU werden. Tatsächlich hätte das Unternehmen genügend Punkte, das es mit seinem Facebook-Publikum diskutieren könnte. Schließlich gibt es zumindest erhebliche Zweifel, dass es sich bei den eingenähten Klagen über die Zulieferbedingungen tatsächlich um heimliche Botschaften der dortigen Arbeiter handelt. Beginnend bei der Tatsache, dass die Botschaften ausschließlich in Großbritannien gefunden wurden, über die eher auf Native Speaker hinweisende Wortwahl, bis hin zu dem Umstand, dass die letzte Botschaft angeblich jahrelang unentdeckt in der Hose lag, gibt es zahlreiche verdachterregende Begleitumstände.

Primark hat auf diese Umstände in seinen offiziellen Presseerklärungen zwar hingewiesen, aber damit nichts an der Tonalität der Gesamtberichterstattung ändern können. In allen Medienberichten zu den Vorfällen werden die Botschaften als Hilfeschreie der Arbeiter präsentiert. Dass bisher bei keiner der Botschaften die Echtheit tatsächlich bestätigt werden konnte, wird wenn überhaupt nur im Nachsatz erwähnt.

Diesen Verzicht auf jede Form von echtem Kundendialog in den sozialen Netzwerken ist speziell bei Primark überraschend, da das Unternehmen Facebook in seiner europaweiten Expansion als wichtigen Expansionskanal nutzt. Die Marke, die durch ihre Trendmode zu extrem niedrigen Preisen speziell bei jungen Modefans Kultstatus genießt, kann es sich so leisten, auf klassische Werbung bisher zu verzichten.

Nun zeigt es sich aber, dass der ausschließlich produktzentrierte Dialog zum bedrohlichen Schwachpunkt für Primark werden könnte. Der einstige Social-Media-Bestcase Primark ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wie Wendy Clark, President of Sparkling und Strategic Marketing for Coca-Cola North America, bei ihrer Präsentation der Real-Time-Marketingstrategie ihres Unternehmens darlegte, sind Marken heute zum Dialog mit den Konsumenten gezwungen: "Man kann einfach nicht mehr schweigen. Wer sich als Marke nicht an der öffentlichen Diskussion beteiligt, dessen Wahrheit wird von anderen Leuten erzählt werden." cam
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