PR-Eigentor Wie Apple mit dem Gratis-U2-Album iPhone-Nutzer auf die Barrikaden trieb

Dienstag, 16. September 2014
Auf dem iPhone-6-Launch war U2 ein Highlight, als Marketing-Promotion floppten sie dagegen
Auf dem iPhone-6-Launch war U2 ein Highlight, als Marketing-Promotion floppten sie dagegen
Foto: Apple
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Eine der erfolgreichsten Pop-Bands der jüngeren Geschichte verschenkt ihr neues Album kostenlos und in Rekordzeit entstehen dazu eine heftige Diskussion auf Twitter und ein eigenes Blog auf Tumblr - so sehen eigentlich typische Erfolgsgeschichten des digitalen Marketingzeitalters aus. Im Fall von Apple und U2 ging das allerdings nach hinten los: Denn viele junge iPhone-Besitzer hatten von der Band noch nie etwas gehört.
Bei den Planungstreffen muss die Idee für alle Beteiligten erst einmal richtig gut geklungen haben. Indem die irische Pop-Band U2 allen 500 Millionen iTunes-Nutzern ihr neues Album "Songs of Innocence" gratis zur Verfügung stellte, konnte das Werk schon zum Verkaufstart ganz oben in den Charts einsteigen und Apple hatte umgekehrt eine gute PR-Geschichte zum Launch des iPhone 6. Dass diese Rechnung für Künstler und Werbungtreibenden gleichermaßen aufgehen kann, haben 2011 schon Lady Gaga für den Händler Best Buy und 2013 der Rap-Mogul Jay-Z für den Apple-Konkurrenten Samsung bewiesen. Das Problem daran: Die Strategie funktioniert nur, wenn die Beschenkten die Musik auch tatsächlich als Geschenk empfinden.
Das war allerdings in vielen Fällen einfach nicht der Fall. Auf Twitter meldeten sich prompt viele iPhone-Besitzer, die anschaulich dokumentierten, dass U2 als Pop-Band reichlich in die Jahre gekommen sind. Das Tumblr-Blog whoisu2.com hat liebevoll eine Auswahl von Tweets zusammengetragen, die zeigen, dass viele Handybesitzer das Geschenk als Verletzung ihrer Privatsphäre empfanden und zudem von der Band selbst komplett unbeeindruckt blieben.

Von Apple selbst gab es zu der öffentlichen Kritik keine Stellungnahme, aber die Botschaft scheint in Cupertino angekommen zu sein. Denn mittlerweile bietet das Unternehmen eine Software-Option an, um das U2-Album wieder aus dem eigenen iTunes-Konto zu löschen.

Der Reinfall ist für die Marke gleich in zweierlei Hinsicht peinlich. Zum einen war Apple zum Start des iPod und iTunes mal die Autorität für Popmusik in digitalen Netzwerken. Künstler wie Feist wurden dank eines Auftritts in Apple-Spots zu international bekannten Stars. Dass die Marke nun für ihre Kooperation mit U2 derartig öffentlich als uncool abgewatscht wird, zeigt, wie dringend nötig Apple das Know-how der neuen Konzerntochter Beats by Dre hat.

Auch die Gestaltung der Promotion ist für eine ansonsten im User Experience Design so erfahrene Marke wie Apple schlicht unverständlich. Denn indem der Download ohne Einverständnis der Nutzer passierte und diese zudem keine Möglichkeit hatten, die Dateien zu löschen, musste von vielen Adressaten zwangsläufig als Bevormundung verstanden werden. cam
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