Online-Werbung eBlocker sagt Tracking den Kampf an

Montag, 11. Januar 2016
Auf der CES in Las Vegas: HORIZONT-Redakteurin Katrin Ansorge im Gespräch mit eBlocker-Gründer Christian Bennefeld
Auf der CES in Las Vegas: HORIZONT-Redakteurin Katrin Ansorge im Gespräch mit eBlocker-Gründer Christian Bennefeld
Foto: HORIZONT

Es werden immer mehr und sie greifen gerade aus allen Richtungen an: Adblocker. Nach Software (Adblock Plus) und Browser (Mozilla Firefox) präsentierte sich bei der CES in Las Vegas erstmals auch ein stationäres Gerät, das sich automatisch einrichtet und dann sämtliche Drittanbieter-Dienste und Online-Werbung stoppt: der eBlocker.

Für ein A sollte man sich das E dabei nicht vormachen lassen, denn ein Adblocker will das Unternehmen aus Hamburg explizit nicht sein. Geblockt werden "nur" Werbetracker und Third-Party-Dienste, betont Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Christian Bennefeld auf der CES in Las Vegas. "Bis heute hält sich hartnäckig die Meinung, dass erfolgreiche Online-Werbung an die Erfassung personenbezogener Daten geknüpft sein muss, aber das ist Unsinn."

Hinter dem E-Blocker verbirgt sich ein kleines würfelartiges Gerät, das direkt an das Heimnetzwerk angeschlossen wird, sich automatisch konfiguriert und ab diesem Zeitpunkt dafür sorgt, dass jedes angeschlossene Endgerät zunächst mit ihm kommuniziert. Das heißt: Der gesamte Internetverkehr, egal ob der des Smartphones, des Tablets, von PC oder Mac, Smart-TV, Spielekonsole, Smart-Watch oder Kühlschrank, wird über den E-Blocker geleitet. Der prüft die jeweils aufgerufene URL und gleicht sie mit lokalen Filterlisten ab. Auf diesen verzeichnet das gleichnamige Unternehmen sämtliche Trackingdienste, lernfähige Algorithmen sorgen für eine laufende und dynamische Erweiterung und Aktualisierung. Und ja, auch eBlocker ermöglicht die Ausnahmen von der Regel: Über ein Whitelisting wird das Tracking oder Einblenden von Werbung erlaubt, wenn diese über den jeweils eigenen Server ausgespielt wird.

"Uns geht es nicht darum, Werbungtreibenden oder Publishern zu schaden", sagt Bennefeld. Mit Tracking kennt sich der Hamburger schließlich selbst recht gut aus. Bis Ende der 90er Jahre sammelte er Erfahrung beim TC Trust Center, das unter anderem dazu berechtigt ist, die für qualifizierte elektronische Signaturen erforderlichen Zertifikate auszustellen. Daraufhin entwickelte Bennefeld das Web-Analytics-Unternehmen E-Tracker, gab 2013 aber 50 Prozent seiner Anteile ab und konzentriert sich nach eigenen Worten seitdem "voll und ganz auf das Thema Schutz der Privatsphäre im Internet". Auf der CES hat er die Fragen von HORIZONT beantwortet.

Herr Bennefeld, in der deutschen Onlinebranche gibt es eigentlich folgenden Grunddeal: Ich kann einen Großteil der Inhalte gratis nutzen, muss dafür aber Werbung akzeptieren. Mit eBlocker grätschen sie in diesen Konsens. Wieso? Dieser Deal existiert doch seit vielen Jahren schon nicht mehr in dieser Form. Die Nutzer bekommen vielleicht Gratis-Inhalte, aber gleichzeitig werden ihre privaten Daten ohne ihr Wissen kostenlos von Konzernen abgegriffen. So entstehen persönliche Nutzerprofile, die im Internet ewig gespeichert bleiben. Bei der Aktivierung von Smartphones, Tablets und Internetkonten stimmt der User zu, dass sämtliche Daten personenbezogen gesammelt werden dürfen. Mit dieser Erlaubnis gibt er nicht nur Einblick in seine privaten Interessen und Vorlieben, sondern auch in seine persönliche Krankengeschichte oder Kreditwürdigkeit, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der eBlocker gibt dem Nutzer die verlorene Kontrolle zurück.

Was verbirgt sich hinter Ihrem Whitelisting? Wie kommen Unternehmen auf Ihre Liste? Wir finanzieren uns nicht über ein Whitelisting, in das man sich einkaufen kann. Unternehmen, die Werbung über ihre eigene Server ausspielen, interessieren den eBlocker nicht. Erst, wenn sie auf Seiten Dritter versuchen, Nutzer über sämtliche Websites zu tracken, greift unsere Technologie. Das heißt: Für sich selbst kann jeder Publisher so viele Daten sammeln wie er will, aber wir lassen nicht zu, dass er den User über mehrere Websites verfolgt und so ein Persönlichkeitsprofil bildet.

Facebook-Werbung ist bislang relativ immun gegen Werbeblockierung aller Art. Ist das mit dem eBlocker auch so? Wir behandeln Facebook nicht anders als jedes andere Unternehmen. Auf der eigentlichen Facebook-Page geht Werbung nach wie vor durch, egal in welcher Form. Nur wenn der Nutzer auch außerhalb des sozialen Netzwerks, also auf jeder anderen Site, die den Facebook-Button beinhaltet, getrackt werden soll, greift der eBlocker ein.

Wie reagiert das amerikanische Messe-Publikum auf Ihre Software? Was den Umgang mit Daten betrifft, herrscht hier ja doch eher eine sorglose Atmosphäre. Wir sind überrascht über das viele positive Feedback. Wir haben den Eindruck, dass viele amerikanische User plötzlich das Gefühl bekommen, doch nicht ganz machtlos gegenüber den großen Konzernen wie Google, Facebook und Co zu sein. Schließlich möchte auch hier niemand, dass Banken auf Profildaten zugreifen und vielleicht einen Kredit ablehnen, nur weil man ab und zu mal Online-Poker spielt. Aber viele hier haben leider auch längst resigniert. kan

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