O2 kauft E-Plus EU gibt grünes Licht für neuen Mobilfunk-Marktführer / Thorsten Dirks wird Chef

Mittwoch, 02. Juli 2014
Thorsten Dirks wird neuer Chef von Telefónica Deutschland
Thorsten Dirks wird neuer Chef von Telefónica Deutschland

Dass Thorsten Dirks einer der cleversten und mutigsten Telekommunikationsmanager ist, hat der langjährige Chef der E-Plus-Gruppe schon längst bewiesen. Spätestens seit heute steht fest, dass er auch ein gewiefter Taktiker ist. Der 51-Jährige steigt zum Chef des nach Kunden größten deutschen Mobilfunkers auf. Und das, obwohl E-Plus von O2 übernommen wird - und nicht umgekehrt. Wie die O2-Muttergesellschaft Telefónica Deutschland mitteilt, hat die EU-Kommission heute den Erwerb der E-Plus-Gruppe durch Telefónica Deutschland unter Auflagen freigegeben. Wie bereits vor Wochen durchsickerte, muss Telefónica unter anderem bis zu 30 Prozent seiner Kapazitäten im Mobilfunknetz verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung hatte das Unternehmen - in einer Art vorauseilendem Gehorsam - bereits vergangene Woche getroffen. Für den Fall einer Freigabe hat sich der in Maintal ansässige Mobilfunk-Service-Provider Drillisch (Simply, Smartmobil.de) verpflichtet, 20 Prozent der Kapazität aller Mobilfunknetze abzunehmen, die nach der Übernahme der E-Plus-Gruppe von Telefónica Deutschland kontrolliert werden. Darüber hinaus hat Drillisch das Recht, weitere 10 Prozent der Netzkapazität zu erwerben. Damit sind offenbar die Bedenken der Kommission ausgeräumt. "Die von Telefónica eingeleiteten Maßnahmen stellen sicher, dass die Übernahme dem Wettbewerb im deutschen Telekommunikationsmarkt nicht schadet", erklärt Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. "Die Konsumenten werden weiterhin von einem kompetitiven Markt profitieren", verspricht Almunia.

Statistik: Anzahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland nach Netzbetreiber vom 1. Quartal 2008 bis zum 1. Quartal 2014 (in Millionen) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista Ob die deutschen Verbraucher am Ende tatsächlich so viel von dem Deal haben, wird sich noch zeigen. Der Gewinner auf Unternehmensseite steht dagegen fest - und heißt Thorsten Dirks. Der 51-Jährige, der seit 1996 bei E-Plus und dem Mutterkonzern KPN arbeitet, wird neuer Vorstandschef des Konzerns, der mit über 44 Millionen Kunden zum größten deutschen Mobilfunker vor der Telekom und Vodafone aufsteigt (siehe Chart). Dirks, der im Vorstand von den Telefónica-Managern Markus Haas und Rachel Empey unterstützt wird, hat in seiner Zeit bei E-Plus und KPN den Mobilfunkmarkt immer wieder mit Innovationen belebt - und die Konkurrenten geärgert. Am Launch von Base, der ersten deutschen Mobilfunk-Flatratemarke im Jahr 2005, hat Dirks - damals noch unter dem CEO Uwe Bergheim - genauso mitgewirkt wie bei der Einführung des ersten Mobilfunk-Discounters Simyo im selben Jahr. Diese Geschäftsmodelle wurden in den vergangenen Jahren immer wieder kopiert. Dass heute viele klassische Handelsunternehmen wie Aldi, Lidl und Tchibo eigene Mobilfunktarife anbieten können, geht ebenfalls auf die Initiative von E-Plus zurück.

Die künftige Markenstrategie

Blau-grünes Markenchaos
Blau-grünes Markenchaos
Eine von Dirks ersten Aufgaben wird es sein, eine Markenstrategie für den neuen Konzern zu entwerfen. Das ist keine geringe Herausforderung. Neben den Kernmarken O2 (Telefónica) und Base (E-Plus) haben beide Unternehmen in den vergangenen Jahren diverse Subbrands aufgebaut. So hat E-Plus neben den unzähligen Partnermarken mit Simyo, Blau.de und Yourfone.de allein 3 Discounter am Start. O2 bringt mit Fonic ebenfalls eine Billigmarke in die Mobilfunk-Ehe ein. Hinzu kommen weitere Eigenmarken wie Ortel Mobile, Gettings und Ay Yildiz (alle E-Plus) sowie Netzclub und Türk Telekom Mobile (Telefónica). Welche dieser Marken überleben werden, steht noch in den Sternen. Dass das Unternehmen aber auch künftig eine Vielzahl von Marken betreiben wird, steht bereits fest. "Die Multi-Brand-Strategie hat sich bei beiden Unternehmen bewährt, und wir werden auch künftig unterschiedliche Kundensegmente mit eigenen Marken ansprechen", sagte der künftige Telefónica-Vorstand Markus Haas bei einer Telefonkonferenz. Welche Marken das sein werden, werde in den kommenden Wochen und Monaten entschieden. mas
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