O2-Mockumentary Kolle Rebbes aberwitzige Reportage aus dem Funkloch in Wuppertal

Montag, 25. April 2016
Die Mockumentary Wunder von Wuppertal lebt von ihren skurrilen Charakteren
Die Mockumentary Wunder von Wuppertal lebt von ihren skurrilen Charakteren
Foto: Telefonica Deutschland
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Gerade ist der ADC-Wettbewerb mit einer eher durchwachsenen Siegerbilanz zuende gegangen, da beweist Kolle Rebbe mit seiner Digital-Aktion "Wunder von Wuppertal" für O2, dass in Deutschland radikale Kreationen für den Massenmarkt durchaus möglich sind. Das Drehbuch zur liebevoll umgesetzten Mockumentary hätte problemlos auch aus der Feder des verstorbenen Skandalregisseurs und Aktionskünstlers Christoph Schlingensief stammen können, passt aber trotzdem aus strategischer Sicht perfekt zur aktuellen O2-Kampagne "Schneller surfen an mehr Orten".

Seinen Anfang nahm das Pojekt mit einem real existierenden Wuppertaler Straßennamen: Funkloch. Daraus entwickelte das Kreativteam rund um Executive Creative Director Sascha Hanke die Frage, was wohl passieren würde, wenn in dieser Straße tatsächlich alle Daten landen würden, die den Handynutzern durch Funklöcher verloren gehen. Es entstand ein rund fünfminütiger Film (Produktion: Anorak Film, Berlin) um eine Gemeinde von Funkloch-Anwohnern, die aus dem regelmäßigen Datenhagel eine Touristenattraktion macht, kräftig daran verdient, nur um am Ende von den besseren O2-Netzen um ihre Einnahmequelle gebracht zu werden. Was Regisseur Niklas Weise dabei aus seinen Wuppertaler Laiendarstellern herausholt, ist mehr als beachtlich. Laut Kolle Rebbe wurden lediglich die Namen verändert und die Geschichte des jeweiligen Gesprächpartners frei erfunden. Und doch geben die Darsteller die Rolle der Briefmarkensammlers, der auf das E-Mail-Sammeln umgestiegen ist, den Leiter des Funklocharchivs und den Gastronom, der mit dem "Funkloch"-Lied einen Hit landete, mit einer Authentizität, die man bei professionellen Werbedarstellern oft vergeblich sucht.
Der Branded-Entertainment-Auftritt ist für O2 nicht notwendigerweise die Plattform, um große Reichweiten zu erzielen, selbst wenn einzelne Teaser aus dem Film schon jetzt auf sechsstellige Klickzahlen kommen (Mediaplan: Forward Media). Allerdings bietet die Marke der Zielgruppe hier einen Touchpoint, der für langfristiges Engagement rund um die Kernbotschaft der aktuellen Kampagne sorgt. Denn bei allem Unterhaltungswert der Idee soll hier vor allem die Botschaft vermittelt werden, dass dem Wunder von Wuppertal dank der besseren Netzqualität von O2 die Grundlage entzogen wurde.

Spannend bleibt, inwieweit es Kolle Rebbe gelingt, die leicht spinnerte Welt der Mockumentary mit weiteren Aktionen zu verlängern. Auf der Website wunder-von-wuppertal.de sind schon erste Ansätze erkennbar: User können hier unter anderem eigene GIFs zum Thema erstellen und das "Funklochlied" herunterladen. Eigenes Merchandise, wie die im Film zu sehenden Souvenir-T-Shirts "Fun Fun Funkloch". Die Agentur hält sich zu diesem Thema aber derzeit noch bedeckt: "Die Idee bietet noch sehr viel Raum für weitere kreative Maßnahmen, die wir zur Zeit evaluieren." cam

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