Nielsen Werbeausgaben steigen um 6,6 Prozent

Montag, 23. Mai 2016
In den ersten vier Monaten verbessert sich der Werbedruck deutlich
In den ersten vier Monaten verbessert sich der Werbedruck deutlich
Foto: James Thew/Fotolia

Trotz aller Krisenmeldungen: Die deutsche Konjunktur und der Inlandskonsum brummen kräftig. Das hinterlässt nicht zuletzt deutliche Spuren bei der Werbekonjunktur in Deutschland. Die Brutto-Ausgaben der Unternehmen für Above-the-Line-Werbemedien stiegen bis einschließlich April laut Nielsen auf 9,4 Milliarden Euro an. Das ist ein Plus von 6,6 Prozent. Im ersten Quartal hatte das Plus noch bei 5,6 Prozent gelegen. Dank der im Sommer anstehenden sportlichen Großereignisse könnte sich dieser Trend sogar noch deutlich verstärken.

Die Top-Werbespender von Januar bis April 2016

Quelle: Nielsen
Prognosen aus den ersten vier Monaten für das Gesamtjahr abzuleiten, wäre zwar verfrüht, doch der Trend macht Mut, dass 2016 für Werbevermarkter und Dienstleister ein gutes Jahr werden könnte. Denn zum einen dokumentiert das aktuelle Plus, dass die Unternehmen auf die Konsumbereitschaft und die stabilen Marktbedingungen in Deutschland mit höheren Werbeinvestitionen auch in den klassischen Medien reagieren. Zum anderen sind bis April faktisch noch keine der großen Kampagnen rund um die Fußball-Europameisterschaft in Paris und die Olympischen Spiele in Rio angelaufen. Damit ist eine weitere Steigerung der Nachfrage nach attraktiven Werbeumfeldern mehr als wahrscheinlich. Aber auch jenseits der saisonalen Besonderheiten finden die Unternehmen genügend Gründe, um ihre Spendings zu steigern, wie ein Blick in die Top 20 der Werbungtreibenden zeigt. So verdoppelte Volkswagen seine Werbeausgaben in  den ersten vier Monaten auf 104,7 Millionen Euro, um die Imageverluste durch den Dieselskandal zu minimieren. Bei Telefonica Germany führte die von Kolle Rebbe kreierte neue Imagekampagne für O2 zu einem Plus von 43,7 Prozent auf insgesamt 64,6 Millionen Euro.

Am erfreulichsten ist aber wohl das Comeback von Topspender Procter & Gamble, das nach Jahren der Kürzungen und Verlagerung in digitale Performancekanäle 2016 seine Spendings für klassische Werbung um 50,3 Prozent auf 231,3 Millionen steigerte. Das Comeback ist umso bemerkenswerter, als Procter & Gamble in den ersten vier Monaten des Jahres, bis auf seine Muttertagskampagne, keinen wirklich großen Werbeanlass hatte.

Auffällig ist umgekehrt auch, dass das größte Werbeminus in der Top 20 weniger einer bewussten Kürzungentscheidung, sondern einem saisonalen Effekt entspringt. Mit einem Minus von 43 Prozent auf 69,8 Millionen Euro hat Lidl die werbliche Lautstärke in den ersten vier Monaten scheinbar deutlich heruntergeschraubt. Allerdings hatte der Discounter im Frühjahr 2015 seine auf die Stärkung der Dachmarke ausgelegte Imagekampagne "Was ist eigentlich gut?" gestartet und zu diesem Anlass seine Werbespendings deutlich gesteigert. Das vermeintliche Minus des Discounters ist damit also nicht mehr als eine Rückkehr zur regulären Kommunikationslautstärke im Frühjahr. cam
Meist gelesen
stats