Neuer Verband Das sind die Ziele des deutschen E-Sport-Bundes

Dienstag, 28. November 2017
Hans Jagnow sitzt dem E-Sport-Bund Deutschland vor
Hans Jagnow sitzt dem E-Sport-Bund Deutschland vor
© ESBD / Maria Manneck

Am vergangenen Wochenende wurde der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) offiziell vorgestellt. Der Verband, der sich aus Teams, Vereinen sowie der ESL und dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware zusammensetzt, soll den boomenden E-Sports-Bereich hierzulande fördern und professionalisieren. Gegenüber HORIZONT Online skizziert Präsident Hans Jagnow die Ziele des Verbands. 
Seine Hauptaufgabe sieht der Verband darin, die Interessen organisierter deutscher E-Sportler im Amateur- und Spitzensportbereich zu vertreten und das Umfeld gemeinsam mit Turnierveranstaltern und der Wirtschaft weiterzuentwickeln. "Dabei wird der ESBD als Verband nicht nur den organisierten E-Sport in der Gesellschaft repräsentieren, sondern übergreifende Herausforderungen und Entwicklungen seiner Mitglieder begleiten und ihnen zentrale Kommunikations- und Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen", so Jagnow. Das Ziel: "E-Sports soll ein selbstbewusster Mitspieler in der Gesellschaft werden." Damit ist auch ein Appell an die Vertreter traditioneller Verbände verbunden. Auch sie sollen E-Sports als Sport wahrnehmen und anerkennen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) tat sich diesbezüglich bislang schwer.

Zur Person:

Hans Jagnow ist Vorstandsmitglied im 1. Berliner E-Sport-Club e.V. und hat dort bisher die Kommunikationsarbeit geleitet. Sein Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt (Oder) und Berlin hat er im Oktober 2017 abgeschlossen. Jagnow arbeitet seit einigen Jahren zum Thema Digitalisierung und Netzpolitik im Abgeordnetenhaus von Berlin als persönlicher Referent.
Dabei zeigt die Gründung von immer mehr E-Sport-Abteilungen wie etwa bei Vereinen der Fußball-Bundesliga, dass E-Sports auch den traditionellen Sport beeinflusst. "Das stellt den DOSB vor die Herausforderung: nicht nur vom E-Sport wird eine Integration in das deutsche Sportwesen erwartet, sondern auch von einer zunehmenden Zahl der schon im DOSB organisierten Vereine und Verbände wird das Thema angesprochen", sagt Jagnow. "Wir freuen uns deshalb, so schnell wie möglich mit dem DOSB ins Gespräch zu kommen, um uns über Arbeitsgrundlagen und offene Fragen auszutauschen."

Andere Märkte, vor allem in Asien, sind hierbei schon wesentlich weiter. Bei den Asia Games 2022 werden deshalb erstmals E-Sports-Wettkämpfe ausgefochten. Und selbst über die Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2024 wird zumindest öffentlich nachgedacht. Jagnow sieht diese Entwicklung grundsätzlich positiv. "Wir würden uns allerdings wünschen, dass das IOC E-Sport nicht als Marketing-Tool sieht, um Fans zur Aufnahme einer traditionellen Sport zu bewegen, sondern in seiner Eigenständigkeit und den ihm eigenen sportlichen Charakter anerkennt", sagt der ESBD-Präsident und fügt an: "Eine offene Sichtweise tut hier traditionellem Sport und dem E-Sport gut, um Ideen im gegenseitigen Respekt für das sportliche Wirken aller Beteiligten zu finden."

Je mehr sich E-Sports als "richtiger Sport" im klassischen Sinne positioniert, muss sich die junge Disziplin aber auch den gleichen Herausforderungen stellen, mit denen auch Fußball, Leichtathletik und Co. konfrontiert sind - vor allem Doping und Spielmanipulationen. Denn überall, wo es um Geld geht, steigt die Betrugsgefahr. Und im E-Sport geht es um viel Geld. Eine Zahl dazu: Der aktuell erfolgreichste E-Sportler der Welt, der Deutsche Kuro Salehi Takhasomi vom Team Liquid, hat allein in diesem Jahr fast 3,5 Millionen Dollar Preisgeld eingespielt.

Die Gründungsmitglieder des ESBD:

Breitensport-Vereine: 1. Berliner eSport-Club e.V., eSports Nord e.V., Gamer Verein e.V. Regensburg, Magdeburg eSports e.V., TSV 1895 Oftersheim e.V., TSV Hamelspringe e.V


Spitzensport-Teams: Alternate Attax, BIG, BLUEJAYS, Euronics Gaming, H2K, Final Gaming, Fraport Skyliners, Mysterious Monkeys, Sprout, Planetkey Dynamics, Playing Ducks, Unicorns Of Love, WAR - Wind and Rain, WiseWizards.

Weitere Gründungsmitglieder: Anna Baumann (Rechtsanwältin), BIU e.V. (Bundesverband Interaktive Unterhaltssoftware), Christian Lenz, ESL (Electronic Sports League), Dr. Fabian Laugwitz, MBA, LL.M. Eur. (Rechtsanwalt)

Was die Dopingproblematik angeht, sei Deutschland aufgrund der guten Vorarbeit der Turnierveranstalter bereits gut gerüstet, so Jagnow. Die bereits entwickelten Standards gelte es nun weiterzuentwickeln. "Neben Doping wird sich dabei auch über Medikamentenmissbrauch zu verständigen sein." Auch das Thema Matchfixing sei in Deutschland frühzeitig angegangen worden, sodass dies für die deutsche E-Sports-Szene aktuell kein Problem darstelle. Was nicht heiße, dass man untätig bleiben dürfe, so Jagnow: "Während es also keinen akuten Handlungsbedarf gibt, werden wir uns aber in Zukunft um die weiteren Rahmenbedingungen verständigen müssen, um Fair-Play und sportliche Integrität in der deutschen eSport-Landschaft auch dauerhaft zu erhalten." ire
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