Neue Erlösquellen Wie T-Online von der Werbung unabhängiger werden will

Donnerstag, 26. September 2013
T-Online will mit Diversifikation wachsen
T-Online will mit Diversifikation wachsen

Ganz behutsam, aber doch zielstrebig verändert T-Online sein Geschäftsmodell. Das Web-Portal der Telekom sucht nach zusätzlichen Erlösquellen, um von der Werbung unabhängiger zu werden. "Ziel ist es, unseren Umsatz künftig stärker auch im B-to-B-Geschäft und über Abos zu erzielen", kündigt Ralf Baumann, Vice President T-Online.de & Audience Products bei der Telekom, gegenüber HORIZONT.NET an. Derzeit finanziert sich das laut Agof mit 28,7 Millionen Unique Usern größte Web-Angebot Deutschlands ausschließlich über Werbung. Bei der geplanten Diversifizierung gibt es keine Tabus. "Wir denken über neue Geschäftsmodelle, Zielgruppen und Marken nach", sagt Baumann. Ein erstes kostenpflichtiges Angebot soll bereits Anfang November starten. Dafür will T-Online in Hamburg ein Joint Venture mit zwei Partnern gründen. Details nennt der Manager noch nicht. Dafür sei es noch zu früh.

Investiert in neue Geschäftsfelder und in die Redaktion: T-Online-Manager Ralf Baumann
Investiert in neue Geschäftsfelder und in die Redaktion: T-Online-Manager Ralf Baumann
Eine zentrale Rolle bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder spielt die vor anderthalb Jahren gegründete Berliner Start-up-Tochter Digital Media Audience Products. Ohne dass das große Wellen schlug, wurden seit 2012 bereits rund 40 Special-Interest-Angebote aus dem Boden gestampft. Dazu gehören Web-Portale wie Zuhause.de und Wanted.de sowie die im August 2013 gelaunchte Tanken-App, die laut Baumann sehr gut angenommen werden. Andere Webseiten wie Driver.de wurden inzwischen mangels Erfolg wieder eingestellt.

Baumann hat mit der Berliner Gründer-Tochter viel vor, will aber das rasante Tempo, in dem zuletzt Produkte auf den Markt geworfen wurden, etwas herunterfahren. "In Zukunft werden wir uns auf deutlich größere Projekte konzentrieren", kündigt Baumann an.

Nicht zuletzt nimmt T-Online ordentlich Geld in die Hand, um das nach eigenen Angaben hochprofitable Kerngeschäft zu sichern. Nach dem moderaten Relaunch der Website im September geht Ende November mit T-Online.tv ein eigener Bewegtbildkanal
an den Start. Neben Eigenproduktionen wie der satirischen TV-Rückschau "Replay" lockt T-Online mit Inhalten namhafter Partner wie RTL, Pro Sieben und Brainpool.

So präsentiert sich T-Online seit dem Relaunch Anfang September
So präsentiert sich T-Online seit dem Relaunch Anfang September
Auch die Redaktion, die künftig in einem Newsroom arbeitet, wurde im Zuge der Festanstellung von rund 50 bislang frei für T-Online tätigen Journalisten deutlich auf inzwischen 165 Mitarbeiter aufgestockt. Ein Grund dafür sind die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten. "Die Menschen gehen mit dem Smartphone schlafen und wachen mit dem Smartphone wieder auf. Für uns heißt das, dass wir unsere Leser rund um die Uhr auf dem neuesten Stand halten müssen", weiß Baumann. Vor diesem Hintergrund will Baumann auch ein Redaktionsbüro im Ausland eröffnen. Als Standorte sind derzeit Bangkok, Sao Paulo und Peking angedacht.

Paid Content spielt in der Strategie von T-Online auch in Zukunft keine Rolle. Zum einen glaubt Baumann nicht daran, dass die Nutzer im großen Stil für Nachrichten zahlen werden. Zum anderen hofft der Manager, dass die Bezahloffensive von Axel Springer T-Online in die Karten spielt. Die Hoffnungen sind nicht ganz unbegründet. Bild.de, das erst kürzlich mit Bild Plus eine Bezahlschranke eingeführt hat, gehört zu den größten Konkurrenten von T-Online. mas
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