"Netter Versuch, Berlin" Das sagt ein englischer Wirtschaftsförderer zur Startup-Kampagne der FDP

Mittwoch, 06. Juli 2016
Matt Smith leitet StartUp Britain
Matt Smith leitet StartUp Britain
Foto: StartUp Britain
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Die FDP hat das Brexit-Votum der Briten zum Anlass genommen, um Startups aus London nach Berlin zu locken. Nun gibt es eine Antwort von der Insel: Die Initiatoren der Gründer-Kampagne Startup Britain finden den Abwerbe-Versuch der Freidemokraten zwar amüsant - aber aussichtslos.
"Dear start-ups, keep calm and move to Berlin" war auf dem mobilen Plakat zu lesen, mit dem die FDP einen Tag lang durch London fuhr und Brexit-geplagte Gründer aus England in die deutsche Hauptstadt zu locken. Die von der Agentur Heimat Berlin erdachte Kampagne sorgte für viele Schmunzler - aber auch für Kritik: Die klugen Köpfe würden jetzt in Großbritannien gebraucht, um die möglichen wirtschaftlichen Folgen eines Austritts aus der EU abfedern zu können, schrieb etwa ein Nutzer auf der Facebook-Seite von HORIZONT.
FDP-Mobil
Bild: Heimat Berlin

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Matt Smith, Direktor der Gründer-Kampagne StartUp Britain am Londoner Centre for Entrepreneurs, gibt noch einen weiteren Punkt zu bedenken: Dass für Startups nach dem Brexit schlechtere Bedingungen in England herrschen würden, sei noch keineswegs ausgemacht. London sei "die Heimat der unternehmerischen Schöpfungskraft", so Smith. "Ein wichtiger Teil der Attraktivität der Hauptstadt ist, dass sie ein Tor ist - ein Tor zu Europa. Das hat sich nicht geändert, weil es sich nicht ändern kann. Es ist ein historischer und geographischer Fakt." Vielmehr würden europäische Unternehmer nach London kommen, um global zu werden, so Smith weiter. "Hier sind die Ideen, das Talent, die Finanzierung und die Unterstützung, die London zu einer Weltstadt machen. Weder Wunschdenken noch Lobbying werden das verändern", sagt Smith - und gibt der FDP ein paar nette Worte auf den Weg: "Aber netter Versuch Berlin: wir schätzen die Dreistigkeit."

Seine Ausführungen unterfüttert Smith mit einigen Zahlen aus diesem Jahr: Trotz des Referendums, das schon Ende des Jahres 2015 seine Schatten vorausgeworfen hatte, sei die Zahl der Firmengründungen im Jahr 2016 gestiegen. Möglicherweise werde sogar die Rekordzahl von 608.110 Gründungen aus dem Vorjahr übertroffen. Besonders London erweise sich dabei als beliebter Standort: In den vergangenen fünf Monaten sei jedes dritte Unternehmen in der englischen Hauptstadt entstanden (91.618 von 289.685).
Die Enterprise Campaign von SatrtUp Britain machte auch am Buckingham Palace in London Halt
Die Enterprise Campaign von SatrtUp Britain machte auch am Buckingham Palace in London Halt (Bild: StartUp Britain)
Inwieweit Smiths Prognose selbst Wunschdenken ist, wird sich zeigen müssen. Immerhin gab es seit dem Brexit-Votum genügend Expertisen, die durchaus drastische Folgen für die Wirtschaft auf der Insel prophezeiten (siehe etwa hier).

Die Macher der StartUp Britain-Kampagne tun jedoch alles dafür, Gründer und Unternehmen vom Verbleib auf der Insel zu überzeugen: Derzeit ist die Enterprise Campaign auf Tour durch 30 Städte im Vereinigten Königreich, um Werbung für ihre Sache zu machen. Das Gefährt, ein Doppeldecker-Bus Routemaster aus dem Jahr 1966, dürfte dabei deutlich mehr Eindruck machen als das Plakatwagen der FDP. ire
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