Nach Werbeboykotten Youtube dreht angeblichen Kinder-Kanälen den Geldhahn zu

Dienstag, 28. November 2017
Youtube hat erneut Probleme mit fragwürdigen Inhalten
Youtube hat erneut Probleme mit fragwürdigen Inhalten
© Youtube

Youtube hat erneut Ärger mit fragwürdigen Inhalten. Nach Berichten über verstörende Videos für Kinder haben mehrere große Werbungtreibende wie die Deutsche Bank, Adidas und Mars ihre Werbeausgaben bei Youtube gestoppt. Die Google-Tochter gelobt einmal mehr Besserung und will ihre Kontrollen verschärfen. Außerdem wurden die Auschüttung von Werbeerlösen an die Betreiber fragwürdiger Kanäle gestoppt und Tausende Videos gelöscht.
Bei den fraglichen Kanälen und Videos handelt es sich zum einen um sexualisierte Darstellungen von Kindern, zum anderen tauchen seit einigen Monaten bei Youtube aber auch verstärkt Videos auf, die scheinbar für Kinder geeignet sind, tatsächlich aber verstörende Inhalte bieten. Zahlreiche Videos konnten so die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen und Richtlinien von Youtube unterwandern. Buzzfeed hat zahlreiche Beispiele für derartige Videos zusammengestellt. Darin sieht man unter anderem gefesselte Mädchen, Kinder, die von Erwachsenen in Gruselkostümen erschreckt werden oder Minderjährige, die sich scheinbar schmerzhaften Untersuchungen unterziehen müssen.  Außerdem tauchen in letzter Zeit vermehrt Videos auf, in denen bekannte Charaktere aus Kinderserien in einem sexuellen Kontext dargestellt oder verletzt werden. Unter dem Stichwort #Elsagate werden derartige Videos in Foren wie Reddit kontrovers diskutiert. Auch mit pädophilen Kommentaren unter Videos für Kinder hat Youtube offensichtlich ein massives Problem. 

In der vergangenen Woche hatten daraufhin mehrere große Unternehmen ihre Werbung bei Youtube ausgesetzt, unter anderem Adidas, die Deutsche Bank, Mars, Diageo  und Lidl. Mars sagte gegenüber Bloomberg, man werde solange nicht bei Youtube werben, bis man Gewissheit habe, dass es angemessene Schutzmaßnahmen gebe. 

Youtube reagierte mit der Löschung zahlreicher Videos und entzog vielen Anbietern die Werbeeinnahmen. In einem Blogeintrag gab Produktmanagerin Johanna Wright bekannt, dass man allein in der vergangenen Woche mehr als 50 Kanäle abgeschaltet und tausende Videos gelöscht habe. Bei weiteren 3 Millionen Videos habe man bereits seit Juni die Auszahlung von Werbegeldern gestoppt, um die Betreiber von der Finanzierung abzuschneiden.

Außerdem soll die Einhaltung der bestehenden Richtlinien für Youtube und Youtube Kids strikter kontrolliert werden und durch selbstlernende Systeme ergänzt werden. Bei Videos mit unangemessenen Kommentaren wird die Kommentarfunktion deaktiviert. Die Urheber sollen zudem den Behörden gemeldet werden. Für Youtube Kids kündigt Wright außerdem die Veröffentlichung neuer Richtlinien in den kommenden Wochen an. 
Joachim Schütz, OWM
© Hoffotografen

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Youtube hatte in der Vergangenheit bereits wiederholt Probleme mit problematischen Inhalten. Im Frühjahr hatten zahlreiche große Unternehmen ihre Werbung in dem Netzwerk gestoppt, nachdem ihre Spots unter anderem im Umfeld von islamistischen Gewaltvideos aufgetaucht waren. dh 
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