Nach Insolvenzantrag Marke Air Berlin steht vor dem Aus

Freitag, 18. August 2017
Air Berlin bekommt einen neuen Chef
Air Berlin bekommt einen neuen Chef
© Air Berlin

Man konnte es ahnen. Jetzt spricht es einer aus, der es wissen muss. Im Interview mit der B.Z. sagt Air-Berlin Thomas Winkelmann: "Aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Marke verschwindet". In seiner Schadensanalyse nimmt Winkelmann auch die Standortpolitiker ins Gebet. Air Berlin, das am 15. August die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragte und den Flugbetrieb derzeit mithilfe einer Bundesbürgschaft fortführt, sei zum Opfer der Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens geworden.

Eigentlich war Winkelmann Anfang des Jahres angetreten, um die Fluglinie zu retten, nicht, um sie abzuwickeln. Doch schon damals war die Situation schon mehr als heikel: Der HORIZONT Brand Ticker wies für Januar einen Einbruch des Markenwertes um 40 Prozent nach. Unter drei Millionen Euro war die Marke Air Berlin zu diesem Zeitpunkt noch wert. Und im April verlor die Marke erneut 44 Prozent an Wert

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Bild: Air Berlin

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Um aus dieser Todesspirale in der Kundenwahrnehmung zu entkommen, hatte Air Berlin zum 1. Januar Scholz & Friends als Leadagentur verpflichtet. Man hoffte offensichtlich, die in Berlin ansässige Agentur würde für Air Berlin das Repositionierungswunder wiederholen, das schon bei Opel gelungen war.

Seit der Aufkündigung der weiteren Finanzierung durch Gesellschafter Etihad sind diese Pläne endgültig Makulatur. Oberste Priorität genießt bei Winkelmann derzeit, möglichst viele der 8000 Arbeitsplätze durch Teilverkäufe an andere Fluglinien zu erhalten. Für Billigflieger Easyjet, der Teile der Air-Berlin-Flotte übernehmen will, könnte das Aus für Air Berlin eine historische Chance sein. Denn Winkelmann gibt im Gespräch mit der B.Z. auch durch die Blume zu erkennen, dass das Discountflug-Schwergewicht Ryanair nicht unbedingt zu seinen Lieblingskandidaten gehört: "Es gibt Anbieter, die sind sehr billig, die aber das Geschäftsmodell haben, alles aus Südosteuropa oder Irland zu machen. Die wären für die Air Berliner keine gute Lösung." cam

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