Mymuesli 5 Besonderheiten, die das Marketing des Müsli-Start-ups ausmachen

Dienstag, 14. März 2017
Das Gründerteam von Mymuesli: Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau (v.l.)
Das Gründerteam von Mymuesli: Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau (v.l.)
© Mymuesli

Eigentlich ist die 50.000-Einwohner-Stadt Passau nahe der österreichischen Grenze bekannt als "Dreiflüssestadt", weil hier Donau, Inn und Ilz zusammenfließen. Seit exakt einem Jahrzehnt ist Passau aber auch "Müslistadt", das verrät zumindest die E-Mail-Signatur der Gründer von Mymuesli. Das junge Unternehmen feiert in diesen Tagen Zehnjähriges und wandelt sich vom Start-up zur Marke, will dabei aber seinen Gründergeist bewahren - eines der vielen Erfolgsrezepte des Mymuesli-Teams.

1. Start-up-Spirit

Wann wird eine Gründung vom Start-up zum Unternehmen, wann zur Marke? Dafür gibt es weder eine einheitliche Definition noch ein klassisches Erfolgsrezept. Für die Mymuesli-Gründer steht jedenfalls auch im elften Jahr des Bestehens fest, dass der Start-up-Gedanke allein mit der Seniorität nicht verloren geht. "Das hat viel mit Haltung zu tun", sagt Max Wittrock, der Mymuesli mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss ins Leben rief. Auf der Agenda steht 2017 aber auch die Schärfung der Marke und die Investition in Kanäle, bei denen nicht jeder Euro messbar ist. "Wir haben dafür jetzt auch eine neue Stelle geschaffen, denn wir kommen langsam ins Erwachsenenalter, das ist eine Herausforderung", so Wittrock. Dazu gehöre es auch, ab und zu einen Anzug anzuziehen. "Aber dazu kann man ja bunte Socken tragen." Ganz Start-up eben.

Das Live-Teleshopping bei Facebook

2. Wirkungsvolle Werbung

Als ursprünglich reiner Onlinehändler setzte Mymuesli früher vor allem auf Performance-getriebenes Marketing und auf kostengünstige Kanäle. Dazu zählte neben Display, Word-of-Mouth und PR auch Blogger Relations - heute würde man vermutlich von Influencer Marketing reden. "Wir sind ein produktgetriebenes Unternehmen, dadurch ist automatisch auch das Marketing um diese Produkte sehr entscheidend", sagt Wittrock. In der Regel investiert Mymuesli nur in Kanäle, die a) messbar und b) skalierbar sind. Frühere Experimente wie Bandenwerbung beim Fußball oder Boxen sind heute ausgeschlossen. TV jedoch hat sich bewährt, weil der Mediaplan mit Schaltungen bei Spartensendern eine zielgruppengenaue Ansprache ermöglicht. Und die eine Zielgruppe definiert Mymuesli nicht - ganz im Gegenteil, bei 566 Billiarden (!) möglichen Müsli-Kombinationen.

3. Data meets Intuition

Bei einer Online-Bestellung generiert Mymuesli seit jeher wertvolle Nutzerdaten, die über Demografika und Kontaktdaten hinausgehen: die Bestellungen der Kunden. Wer ordert was in welchem Turnus; welches Produkt kommt gut an, welches weniger. Mymuesli betreibt so parallel Marktforschung und Customer Relationship Management. "Auf Basis einer klugen Datenanalyse kann man eine gute Produktstrategie ausarbeiten", sagt Wittrock, warnt aber davor, den Zahlen blindes Vertrauen zu schenken. Daten dürften nicht dazu führen, das Hirn auszuschalten: "Gute Produkte entstehen vor allem durch die Kreativität in unserem Team." Mymuesli baut dabei auf eine Mischung aus intuitiven und datenbasierten Entscheidungen.
Die Mymuesli-Zeitung erscheint seit 2016
Die Mymuesli-Zeitung erscheint seit 2016 (Bild: Mymuesli)

4. Multichannel-Ansatz

Begonnen hat Mymuesli 2007 als Online-Pure-Player - zu einer Zeit, die Wittrock als "E-Commerce-Steinzeit" beschreibt. Seitdem hat das Unternehmen an den Vertriebswegen gearbeitet, um die Abhängigkeit von einem Kanal zu minimieren. Inzwischen ist die Marke neben rund 50 eigenen Läden auch bei Rewe, Edeka und Co präsent; hinzu kommt der Erlös über B-to-B-Geschäfte. Stärkster Umsatztreiber ist der klassische Onlinehandel, doch die anderen Segmente holen auf. "Wenn man mehrere Kanäle gleichzeitig bedient, ist die Frage nach deren Zusammenspiel die allerwichtigste. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir die Antwort darauf bereits gefunden haben", so Wittrock. Er will hier künftig für mehr Transparenz sorgen und analysieren, wie sich die Rolle der Läden im Mymuesli-Ökosystem verändern wird.

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5. Frühes Content Marketing

"Content Marketing" - das Buzzword ist seit einigen Jahren aus keiner Diskussion mehr wegzudenken. Mymuesli hat sich in seiner Kommunikation schon früh dem Hype-Thema verschrieben, etwa mit seinem sehr ausführlichen Muesli-Blog auf der eigenen Website, 2010 mit dem weltweit ersten mit einem iPhone 4 gedrehten und produzierten TV-Spot rund um einen Fallschirmspringer, im vergangenen Jahr mit einem Live-Teleshopping-Event bei Facebook und ganz aktuell mit der Renaissance des Frühstückslesestoffs, der "Mymuesli Zeitung". Sowohl das Print-Engagement als auch die Präsenz über Facebook Live sowie den eigenen Youtube-Channel will das Team in diesem Jahr ausbauen. fam
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