Mobile World Congress Die Highlights der Messe

Donnerstag, 19. März 2015
Die Smart Interactive Wall von Avanade spricht den Käufer direkt an und reagiert über Sprach- und Gestensteuerung auf seine Antworten.
Die Smart Interactive Wall von Avanade spricht den Käufer direkt an und reagiert über Sprach- und Gestensteuerung auf seine Antworten.
Foto: Avanade

Der Mobile World Congress in Barcelona ist ein Mekka der ITK-Branche. Accenture-Experte Denis Gassmann präsentiert für HORIZONT die Highlights der diesjährigen Messe aus den Bereichen Wearables, Handel und Internet der Dinge. Gassmann ist Geschäftsführer Communications, Media & Technology bei der Unternehmensberatung Accenture und berät Kunden aus der ITK- und Medien-Branche.

Wie sehr sich der Markt für mobile Technik verändert hat, zeigt sich nirgendwo besser als auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Was als Branchentreffen der Handyhersteller und Netzanbieter begann, ist heute vielleicht die wichtigste Leistungsschau für mobile Technik. Natürlich gab es dort dieses Jahr viele neue Flaggschiffe zu sehen, darunter das Samsung Galaxy S6 und HTCs One M9. Doch das Smartphone ist nicht mehr nur ein Handy mit Internetzugang, sondern die Schaltzentrale für unterschiedliche Lebensbereiche des Nutzers, vom Fitnesstracker bis zum smarten Zuhause.

Mehr und mehr stehen dabei nicht leistungsfähige Technik, sondern Alltagstauglichkeit und Funktionalität im Vordergrund. Das ist auch gut so – denn die Ansprüche des Kunden sind gewachsen. Eine Accenture-Studie zeigt, dass gerade deutsche Verbraucher zunehmend Wert auf Produktqualität und einfache Geschäftsprozesse legen. Werden die Ansprüche nicht erfüllt, sind Kunden immer öfter bereit, den Anbieter zu wechseln. Das gilt nicht nur für die Branchen Telekommunikation und Mobilfunk, sondern auch für den Einzelhandel. Für Unternehmen, die nicht bereit sind, sich diesen Herausforderungen zu stellen, könnte das eine Bedrohung sein. Innovative Akteure, die das Potenzial neuer Technik für bessere Services nutzen, könnten von diesen Veränderungen profitieren.

Internet der Dinge: Neue Chancen für alle Branchen

Ikea will in Zukunft Möbel mit eingebauten Ablageflächen für die drahtlose Ladetechnik Qi anbieten.
Ikea will in Zukunft Möbel mit eingebauten Ablageflächen für die drahtlose Ladetechnik Qi anbieten. (Bild: Ikea)
Selbst klassische Offline-Branchen können das Internet der Dinge künftig nutzen, um ihren Kunden ganz neue Dienstleistungen und Erlebnisse zu bieten. In Barcelona gab es dafür mehrere Beispiele zu sehen: Der Koffer Bluesmart hat einen Steckplatz für SIM-Karten und eine integrierte Waage. So weiß der Nutzer mit einem Blick aufs Smartphone nicht nur, was sein Gepäck wiegt, sondern im Notfall auch, wo es gerade ist. Und intelligente Smart-Series-Zahnbürsten von Oral-B sollten medizinische Daten des Nutzers künftig direkt zum Zahnarzt schicken können – natürlich nur, wenn der das auch will.

Welche Rolle smarte Technik künftig im Alltag spielen könnte, zeigt auch der Smart-Home-Markt. Wo früher auf Messen noch Visionen und theoretische Machbarkeit im Mittelpunkt standen, geht es jetzt um konkrete Lösungen, die im Alltag eine echte Hilfe sind – von vernetzten Leuchtmitteln bis zum intelligenten Stromzähler. Den besten Beweis für die Rolle von Technik im Zuhause liefert aber vielleicht der Messeauftritt von Ikea: Die Schweden wollen in Zukunft Möbel mit eingebauten Ablageflächen für die drahtlose Ladetechnik Qi anbieten.

Wearables: Vom Modetrend zum Lifestyleprodukt

Das "Talkband N1" von Huawei ist eine Kombination aus Fitnesstracker und Bluetooth-Headset.
Das "Talkband N1" von Huawei ist eine Kombination aus Fitnesstracker und Bluetooth-Headset. (Bild: Huawei)
Schon 2014 hätten Fitness-Armbänder den Mobiltelefonen auf dem MWC fast die Schau gestohlen. Ein Jahr später zeigt sich, dass Wearables keine Modeerscheinung waren. Selbst Swarovski zeigt mit dem "Kristall Shine" in Barcelona eine eigene Variante. Sportlich statt schick ist dagegen Huaweis "Talkband N1", eine Kombination aus Fitnesstracker und Bluetooth-Headset. Und natürlich gab es auf dem MWC auch jede Menge Konkurrenten für die Apple Watch zu sehen. Am interessantesten ist vielleicht die "Urbane Watch LTE" von LG, die dank eigener SIM-Karte auch ohne Smartphone auskommt.

Gleichzeitig zeigt das Angebot auf der Messe, dass es bei Wearables gar nicht mehr unbedingt auf die Hardware ankommt. Entscheidend ist, was der Käufer damit machen kann und wie reibungslos sich Armbänder und Uhren in seinen Alltag integrieren. Hier gibt es aktuell noch zu viele Grenzen und Kompatibilitätsprobleme zwischen Apps und Betriebssystemen und damit viel Luft nach oben. Eine ganz andere Form von Wearables sind Virtual-Reality-Brillen wie die von HTC und Valve gemeinsam entwickelte System "Vive", das in Barcelona Premiere feierte. Zurzeit steht bei solchen Geräten noch die Anwendung bei Computerspielen im Mittelpunkt. Setzt sich die Technik durch, könnte sie aber auch für Videoanbieter oder als Plattform für virtuelle Einkaufs- oder Beratungserlebnisse interessant werden.

Handel: Aus dem Onlineshop in die reale Welt

Der Smart Shopper von SK Telekom ist ein virtueller Einkaufskorb, mit dem der Käufer seine Ware nicht mehr selbst durch den Laden tragen muss.
Der Smart Shopper von SK Telekom ist ein virtueller Einkaufskorb, mit dem der Käufer seine Ware nicht mehr selbst durch den Laden tragen muss. (Bild: SK Telekom)
Je mächtiger mobile Technik wird, desto größer ist die Chance für Einzelhändler, sie ins Einkaufserlebnis zu integrieren. Das reicht von intelligenter Werbung wie der Smart Interactive Wall von Avanade, die den Käufer direkt anspricht und über Sprach- und Gestensteuerung auf seine Antworten reagiert, bis zu Beacon-Netzwerken in Ladengeschäften.

Ein Beispiel dafür ist die LBS Platform von SK Telecom. Sie soll dem Kunden nicht nur bei der Suche nach dem gewünschten Produkt helfen, sondern kann ihm auch personifizierte Angebote unterbreiten. Vom selben Unternehmen stammt Smart Shopper, ein virtueller Einkaufskorb fürs Ladengeschäft, mit dem der Käufer seine Ware nicht mehr selbst durch den Laden tragen muss. Was Verbraucher im Onlinehandel schätzen gelernt haben, können sie so künftig auch in der realen Welt nutzen. Ein Dauerbrenner der Technikmessen ist das Thema Mobile Payment – in Barcelona zum Beispiel in Form von Googles Android Pay und Samsungs schlicht Pay genannter Lösung. Potenzial gibt es hier vor allem in Kombination mit Mehrwertdiensten, etwa für Treueboni und Rabattaktionen. Erheblich zur Akzeptanz der Technik könnten auch Wearables wie Smartwatches beitragen: Damit müsste der Kunde zum mobilen Bezahlen künftig nicht einmal sein Smartphone aus der Tasche holen.

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