Mobile Marketing "Scheinriese" oder "ein großes Ding"?

Mittwoch, 14. Mai 2014
Veranstalter war die Stiftung MedienMittwoch
Veranstalter war die Stiftung MedienMittwoch


Wer sind diese Mobile Natives eigentlich? Und wie verändert das mobile Internet die Wahrnehmung von Marken in der Zielgruppe? Diese und viele weiteren Fragen diskutierten gestern fünf Köpfe aus den Bereichen Werbung, Agentur und Marketing bei den M-Days auf der Frankfurter Messe.
Eine App alleine reiche heute längst nicht mehr aus, sagte Matthias Maurer, Geschäftsführer der Werbeagentur LA RED. "Eine App im App-Store ist wie eine Nadel im Heuhaufen", so Maurers These. Sie werde erst dann gefunden, wenn Content und Vermarktungsmaßnahmen "perfekt orchestriert" seien. Ein Beispiel aus dem eigenen Portfolio hatte er sogleich parat: "GT Ride" - eine Applikation für den Autohersteller Kia, bei der die User durch Bewegungen mit dem Smartphone eine virtuelle Rennstrecke erzeugen und diese in sozialen Netzwerken teilen können. "Viral gaming" nennt Maurer das. Der Hintergrund: Statistiken würden zeigen, dass die Zielgruppe Apps hauptsächlich für spielerische Zwecke benutzt. Und Maurers Idee kommt scheinbar an: Circa 150.000 Mal wurde die App bislang runtergeladen, mehr als 70.000 Strecken wurden auf sozialen Netzwerken geteilt.

Boris Lakowski, Strategieberater für digitale Markenführung, bezeichnete Maurers Kampagne zwar als den "spannendsten Case, den ich in letzter Zeit gesehen habe", dennoch gibt er auf dem Podium in Sachen Mobile Marketing eher den Chef-Zyniker. "Mobile ist wie Herr Tur-Tur aus dem Kinderbuch von Michael Ende - ein Scheinriese", so sein Statement. "Von Weitem so groß, aber bei näherer Betrachtung nur so klein wie man selbst." Aus diesem Grund plädierte Lakowski für ein Umdenken in der Marketingbranche. "Content first, statt mobile first", so seine Devise. Auch störte sich der Wiesbadener Strategieberater am Labeling. "Mobile ist alles und nichts. Der eine meint damit den Nutzungskontext, der andere ein Endgerät. Wir machen da viel zu großes Brimborium, denn am Ende bedeutet Mobile für 80 Prozent der Deutschen nämlich genau eines: Couch." Im Endeffekt sei Mobile nur ein geschrumpfter Computer. Nichts weiter.

Ähnlich sieht das auch Anja Kässner, Experience Design Director bei MRM McCann in Frankfurt. Zwar wolle sie Mobile nicht verteufeln, doch wichtig sei ihr vor allem eine andere Betrachtungsweise. "Wir sollten nicht über die Technologie sprechen, sondern darüber, was wir damit machen wollen", entgegnete Kässner ihren Vorrednern. Denn schließlich gehe es nicht um das Device, sondern um das Produkt, das man verkaufen will.

Lauren Burdin, CEO bei SinnerSchrade Mobile, war währenddessen vor Euphorie kaum zu bremsen. "Mobile ist ein großes Ding, weil es alle Geschäftsbereiche einnimmt. Es verändert alles", kündigt er an. Zwar mache die Branche zurzeit nur kleine technische Sprünge, doch was auf uns zukomme, sei "sensationell", sagt Burdin. Apples Spracherkennungssoftware "Siri" oder die Schnelllese-App "Spritz" seien nur die Anfänge einer Entwicklung. hor
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