Microsoft Was die Datenbrille Hololens und Minecraft für das Comeback der Marke tun sollen

Freitag, 23. Januar 2015
Mit dem Spiel Minecraft sollen die Nutzer den Umgang mit der Datenbrille Hololens erlernen
Mit dem Spiel Minecraft sollen die Nutzer den Umgang mit der Datenbrille Hololens erlernen
Foto: Unternehmen

Während Google gerade seine AR-Brille Glass wieder zurück ins Entwicklungslabor befördert, präsentiert Microsoft überraschend eine eigene Datenbrille. Doch Hololens ist weit mehr als ein Gimmick für die Digital-Nerds. In den ersten Testläufen wird klar, dass Microsoft wesentlich strategischer als Google an die Produktentwicklung und Markteinführung herangeht. Erstmals könnte die Traditionsmarke gegen Apple, Google und Facebook triumphieren.
Manchmal hat es schon seine Vorteile, wenn man die unhippe Marke in einer Branche ist: Während bei Apple jede Unternehmensentscheidung im Detail analysiert wird, konnte Microsoft seine Datenbrille offensichtlich in unmittelbarer Nähe des Besucherzentrums entwickeln, ohne dass irgend jemandem das revolutionäre Produkt aufgefallen wäre. Mangels konkreter Leistungsdaten ist es noch zu früh, das Potenzial der Brille zu beurteilen, die Augemented Reality mit einer dreidimensionalen Darstellungsweise von Objekten verbindet. Doch klar ist schon jetzt, dass allein die ersten Produkttests Microsoft-CEO Satya Nadella einen fulminanten PR-Erfolg beschert haben. So schwärmte einer der Rezensenten der Fachpresse von einem "magischen Erlebnis". Dieser Eindruck färbt auch auf das simultan präsentierte und für Microsoft wirtschaftlich wesentlich wichtigere Betriebssystem Windows 10 ab, das nach der Kritik um Windows 8 und seinen Updates nun endlich für Ruhe bei den Kunden sorgen soll.

Vorausgesetzt, Microsoft kann die suggerierte Perfomance von Hololens auch im alltäglichen Betrieb bieten, könnte sich die futuristisch designte Brille zum dringend benötigten Joker der Marke entwickeln. Mit dem Sprachassistenzsystem Cortana hat Microsoft schon signalisiert, dass das Unternehmen bei dem Zukunftstrend der Computer-Sprachsteuerung das Feld nicht einfach Google, Apple und Amazon überlassen will. Kombiniert mit den Visualisierungsmöglichkeiten hat Microsoft ein Interface im Angebot, wie es zuletzt Apple mit der Einführung der Touchscreen-Smartphones gelang.

Und das Unternehmen wäre wohl auch auf absehbare Zeit mit seinem Angebot allein im Markt. Google hat die Einführung von Google Glass derzeit auf Eis gelegt, Facebook hält sich beim Zeitplan für Oculus Rift noch bedeckt und Apple muss sich derzeit auf die Einführung seiner Apple Watch konzentrieren. Dagegen soll die Öffentlichkeit die Hololens-Brille wahrscheinlich zum Jahresende mit der Einführung von Windows 10 kaufen können.

Google Glass
Bild: Google

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Dabei stehen die Chancen gut, dass Microsoft sich nicht denselben Ängsten rund um die Verletzung der Privatsphäre stellen muss, die letztlich Google Glass scheitern ließen. Die Brille hat zwar eine Kamera, um die virtuellen Objekte korrekt in der realen Umgebung postionieren zu können, aber Hololens ist nicht als Gerät für Aufnahmen positioniert. Microsoft sieht den USP seines neues Produkt ausschließlich als revolutionäre Alternative zu klassischen Computer-Bildschirmen. Statt alle digitalen Services wie bisher auf einem Bildschirm zu vereinen, ließen sie sich durch die Brille künftig mit realen Orten verbinden. Die Rezepte-App wäre dann beispielsweise in der Küche abgelegt, während die Spiele-App nur im Wohnzimmer abrufbar wäre.

Um die Brille und den korrekten Umgang mit ihr zum Selbstkäufer zu machen, setzt Microsoft offenbar auch auf eine enge Verknüpfung mit dem populären Computerspiel Minecraft. Der Konzern hatte den Minecraft-Entwickler Mondial im vergangenen Jahr für die Rekordsumme von 2,5 Milliarden US-Dollar übernommen und wurde dafür von manchem Branchenbeobachter mit Häme bedacht. Jetzt allerdings erklärt sich der Preis als strategische Investition, um, ähnlich wie bei Windows mit den Gratisspielen Solitär und Freecell geschehen, unerfahrene Nutzer von Hololens spielerisch die Nutzung des Interfaces zu vermitteln. cam
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