Grosse beerbt Kämper Warum Microsofts Rochade an der Marketingspitze Fragen aufwirft

Donnerstag, 04. August 2016
Martin J. Grosse ist der neue CMO von Microsoft Deutschland
Martin J. Grosse ist der neue CMO von Microsoft Deutschland
Foto: Microsoft
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Geräuschlose Wachablösung oder Coup gegen den Amtsinhaber? Ab sofort heißt der CMO bei Microsoft Deutschland nicht mehr Robert Kämper, sondern Martin J. Grosse. Bemerkenswert an der Personalie: Während in der Presseerklärung des Unternehmens der berufliche Werdegang und die Qualifikation des neuen CMOs detailliert geschildert werden, fehlt eine Erklärung für die Demission Kämpers und eine formelle Würdigung seiner Leistung. Das legt nahe, dass es sich hier nicht um eine Trennung im gegenseitigem Einvernehmen gehandelt hat.

Über die konkreten Gründe für den Personalwechsel lässt sich zur Zeit nur spekulieren. Klar ist allerdings, dass dabei die Reorganisation des Microsoft Marketings kaum den entscheidenden Ausschlag dafür gegeben haben kann. Microsoft hat sich selbst eine stärkere Integration von B-to-B- und B-to-C-Kommunikation verordnet und konzentriert sich verstärkt auf Social-Media-Kanäle in der Kundenansprache.  Diese Verschiebungen in den Akzenten spiegeln sich allerdings nicht im Berufsprofil des neuen CMOs wieder: Der 45-jährige Grosse stammt wie Kämper aus der Mobilfunkbranche und ist wie sein Vorgänger ein großer Fan der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten. Wie Kämper wird auch er an Klaus von Rottkay, General Manager Marketing & Operations und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, berichten.

Robert Kämper
Robert Kämper (Bild: Microsoft)
Wahrscheinlicher ist, dass Kämper sich nicht in die neue globale Marketingstrategie von Microsoft eingliedern wollte, bei der der Marketingmix über das Microsoft Global Demand Center ausgesteuert werden soll. Das Center ist unter anderem etabliert worden, um über datenbasiertes Modeling dem "voll-vernetzten Kunden gerecht zu werden" - so die Presserklärung des Unternehmens. Die Arbeit mit dem Demand Center findet sich mittlerweile international in dem definierten Arbeitsprofil für CMOs bei Microsoft wieder. Manche Marketeers dürften ein derartiges Instrument allerdings auch als Einschränkung der Entscheidungsfreiheit in ihrem Verantwortungsbereich empfinden.

Mit der Berufung des neuen CMOs glaubt Klaus von Rottkay allerdings, den richtigen Mann für die digitale Transformation der eigenen Marketing-Strukturen gefunden zu haben: "Mit Martin Grosse haben wir einen sehr erfahrenen Manager gewonnen, der diese Marken unseren Kunden und Partnern mit modernen Marketing-Methoden näherbringen und dadurch weiterentwickeln wird – auch in Zeiten des Wandels. Dazu gehört unter anderem sukzessive die gesamte Customer Journey in unserem Demand Center abzubilden und dabei analoge und digitale Kanäle zusammenzuführen."

Martin J. Grosse kann in seinem neuen Amt auf eigenes Vorwissen zur Unternehmenskultur zurückgreifen. Seit April 2014 war er bei Microsoft als Marketing Director Mobile Devices & Services tätig. Zuvor war er von 2006 bis 2014 bei Nokia, wo er unterschiedliche Funktionen, zuletzt die des Marketing Directors, ausgefüllt hat. Die digitale Transformation des Microsoft-Marketings versteht Grosse als Reaktion auf den Wandel in der Gesamtwirtschaft: "Das Internet der Dinge, digitale Transformation und Big Data sind längst keine bloßen Schlagworte mehr. Das Web verändert Geschäftsmodelle, die Interaktion mit Kunden sowie die Produkte rasend schnell. Microsoft bietet für diese Veränderungen umfassende, intelligente, flexible und sichere Cloud-Lösungen an. Die digitale Revolution wird für Kunden von einer vermeintlichen Bedrohung zu einer Chance." cam

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