Messen Warum Nissan zur CeBIT fährt und nicht zur IAA

Mittwoch, 15. Februar 2017
Nissan-Geschäftsführer Thomas Hausch zieht 2017 bei der IAA-Präsenz der japanischen Marke den Stecker
Nissan-Geschäftsführer Thomas Hausch zieht 2017 bei der IAA-Präsenz der japanischen Marke den Stecker
© Nissan
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Nissan wird in diesem Jahr nicht auf der IAA in Frankfurt vertreten sein. Stattdessen zeigt der japanische Autohersteller auf der Computermesse CeBIT Präsenz.
Noch sind es ein paar Tage bis zur Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Doch bei der 67. Auflage der Autoshow, die in diesem Jahr vom 14. bis 24. September stattfindet, wird Nissan fehlen. Das japanische Unternehmen wird stattdessen auf der CeBIT Flagge zeigen. Das ist schon eine Überraschung, wenngleich die Autohersteller seit Jahren vermehrt die Nähe zu Technologie- und Unterhaltungsmessen wie CES, Mobile World und Ifa suchen. Und auch für die CeBIT sind die Unternehmen aus der PS-Industrie keine Unbekannten. 2011 stellte beispielsweise der damalige Ford-Präsident und CEO Alan Mulally in Hannover die weiteren Pläne für das Audio- und Kommunikationssystem Sync vor, im vergangenen Jahr veranstalten Volkswagen und SAP hier gemeinsam einen Hackathon. HORIZONT Online sprach mit Thomas Hausch über das CeBIT-Engagement und das IAA-Aus 2017. Der Top-Entscheider ist seit Mai 2013 Geschäftsführer der Nissan Center Europe GmbH mit Sitz in Brühl und verantwortlich für die Märkte in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

"Deutschland darf nicht das Entwicklungsland in Sachen Elektromobilität in Europa bleiben"

Herr Hausch, bisher galt bei Autoherstellern die IAA immer als gesetzt. In diesem Jahr verzichtet  Nissan hier auf einen Stand. Warum? 2017 steht für Nissan das Thema "Intelligent Mobility" im Fokus – und damit auch die Elektromobilität. In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland bei diesem Thema Meilensteine gesetzt. So beispielsweise 2014 mit der Aktion "Freistrom für alle", bei der jeder Besitzer eines Elektrofahrzeugs dieses bei teilnehmenden Nissan Händlern deutschlandweit kostenlos aufladen kann. 2016 haben wir von Nissan in Deutschland unter allen Herstellern das größte Mediabudget für Elektromobilität ausgegeben. Trotz aller Maßnahmen sehen wir, dass die Elektromobilität in der Öffentlichkeit immer noch einen gehörigen Anschub braucht.

Wie kann so ein Anschub aussehen? Wir sind seit Jahresbeginn exklusiver Automobilpartner der "Grünen Hauptstadt Europas 2017", der Stadt Essen. Wir wollen gemeinsam das Stadtbild nachhaltig elektrifizieren und unter anderem Bürgern das ganze Jahr über Testfahrten anbieten. Ziel ist es, dass wir die Erkenntnisse und Learnings aus diesem Engagement an unsere Händler bundesweit weitergeben, damit diese das Thema Elektromobilität in ihren Kommunen weiter vorantreiben können.

Und das geht nicht auf und im Umfeld der IAA, die in diesem Jahr unter dem Slogan "Zukunft erleben" steht? Unsere Intention ist es, stets die größtmögliche Sichtbarkeit und Wirkung für unsere Marke durch den intelligenten Einsatz von Mitteln zu erzielen. In Zukunft erreichen wir dies nur durch eine flexible und zeitgemäße Event- und Messestrategie. Sie sieht vor, sich noch mehr als zuvor an den Zeitplan von Nissan Neumodelleinführungen zu orientieren, sowie an idealen Veröffentlichungszeitpunkten von neuen, innovativen Technologien oder Partnerschaften. Genau zum Zeitpunkt der IAA gibt es kein Neumodell, das wir der Weltöffentlichkeit vorstellen können. Unsere Mittel für Sponsoring und Events in Deutschland sind begrenzt und wurden im letzten Jahr nach einer rationalen Kosten-Nutzen-Rechnung auf unsere geplanten Schwerpunkte wie Neumodellneueinführungen fokussiert. Vor diesem strategischen Rahmen haben wir bis zur obersten Konzernebene die Entscheidung getroffen, im Fiskaljahr 2017 nicht an der IAA in Frankfurt teilzunehmen. 

„Das Familienauto der Zukunft lässt sich per App auf dem Handy ganz autonom zu den Kindern schicken und holt sie ab.“
Thomas Hausch
Stattdessen werden Sie aber auf der CeBIT sein. Was hat eine Computermesse, was die IAA nicht hat? Für uns ist die CeBIT nicht der Ersatz der IAA. Da wir uns in diesem Jahr auf "Intelligent Mobility" – zu der neben Elektromobilität auch das Thema "Autonomes Fahren" gehört – konzentrieren, bespielen wir nun eben auch Messen, die die Themen Auto und Connectivity, Fahren und künstliche Intelligenz enger miteinander verknüpfen. Den Anfang haben wir im Januar mit unserem Auftritt auf der CES in Las Vegas gemacht, der zweite Schritt wird die CeBIT in Hannover sein. In Essen, bei unserem Engagement „Grüne Hauptstadt Europas“, wollen wir aber auch alle gemeinsam lernen, wie Hersteller, Händler und Kommunen Elektromobilität in Deutschland weiter vorantreiben.

Das Engagement in Essen scheint Ihnen sehr wichtig zu sein. Weshalb? Bereits 2011 war Hamburg "Grüne Hauptstadt Europas". Die Metropole ist mittlerweile richtungsweisend. Über 370 öffentliche Ladepunkte, zahlreiche Förderinitiativen, bei Behörden und öffentlichen Unternehmen fahren mehr als 350 E-Fahrzeuge in der Flotte und der Erste Bürgermeister ist elektrisch unterwegs. Während die Verkäufe von Elektroautos 2016 in Deutschland eher rückläufig waren, gab es in Hamburg ein Plus von 16 Prozent. Nissan hat im letzten Jahr sogar 157 Prozent mehr Elektromobile auf Hamburgs Straßen gebracht, deutschlandweit haben wir 16 Prozent zugelegt.  Damit ist Hamburg ein erfolgreicher Pionier. Und jetzt wollen wir mit Essen lernen. Deutschland darf nicht das Entwicklungsland in Sachen Elektromobilität in Europa bleiben.

Was werden Sie dann auf der CeBIT zeigen? In Hannover zeigen wir einen Nissan Leaf, der mit der wegweisenden Technologieplattform „Seamless Autonomous Mobility” (Nahtlose Autonome Mobilität), kurz SAM genannt, ausgestattet ist. Künstliche Intelligenz ist heute noch nicht so weit, dass sie den Fahrer ersetzen kann. Um diese Übergangszeit reibungslos zu gestalten, werden wir mit Mobilitätsmanagern arbeiten, die eine Vielzahl von autonomen Autos bei der Entscheidungsfindung in komplexen Fahrsituationen unterstützen können. Diese Erfahrungen helfen, um die autonomen Fahrzeuge in den nächsten Jahren in die Gesellschaft zu integrieren.

Wollen Sie mit der Präsenz in Hannover auch neue Zielgruppen ansprechen? Ja, absolut. Neulich wurde ich in einem Interview gefragt, was das Familienauto der Zukunft kann. Meine Antwort: Das lässt sich per App auf dem Handy ganz autonom zu den Kindern schicken und holt sie ab. Eine Erleichterung für alle: Eltern haben mehr Zeit und Kinder sind sicherer unterwegs. Mit SAM ist dafür der Grundstein gelegt und diese Vision muss keine Vision bleiben.

Sie sind ja nicht der einzige Hersteller, der sein Engagement auf Autoshows reduziert und stattdessen auf anderen Bühnen auftaucht. Wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken? Ich denke, eine gesunde Mischung macht es aus. Geht es um globale Neuvorstellungen, sind internationale Autoshows nach wie vor gute und große Bühnen. Dennoch wird es in naher Zukunft immer öfter Überraschungen geben, um einem Launch die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Auch bei Nissan.

Und was heißt das für Ihr Engagement in 2019 auf der IAA? Der Verzicht ist keine generelle Entscheidung gegen den Messestandort Deutschland im Allgemeinen oder die IAA im Speziellen. Eine erneute Bewertung der Situation wird für die nächste IAA im Jahr 2019 wieder ergebnisoffen durchgeführt werden. mir
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