Medion-Manager zum kostenlosen Windows 10 "Der Erklärungsbedarf steigt"

Freitag, 07. August 2015
Mark Jendrzok
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Mit seinem Entschluss, das Betriebssystem Windows 10 an bestehende Privatkunden zu verschenken, hat Microsoft dem Marketing der Hardware-Hersteller einen der wichtigsten Verkaufsanlässe genommen. Mark Jendrzok, Executive Director Product Strategy & Mobile Computing bei Medion, kann den neuen Vermarktungsbedingungen trotzdem positive Aspekte abgewinnen, wie er im Interview mit HORIZONT verrät.
Microsoft launcht sein neues Betriebssystem Windows 10. Wie wichtig ist dieser Termin für Sie als Hardware-Hersteller, nachdem Windows 8 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist? Sehr wichtig. Windows ist im Desktop- und Notebook-Segment immer noch das Betriebssystem mit dem deutlich größten Marktanteil. Deshalb ist es auch erklärte Politik von Medion, zum Start einer neuen Windows-Generation als erste Rechner im Handel zu haben. In unserem Onlineshop konnte man schon am Tag des Launchs die ersten Windows-10-Geräte kaufen, tags darauf hatten unsere Handelspartner Aldi Nord und Aldi Süd bereits landesweit Produkte in ihren Filialen verfügbar. Rechnen Sie da überhaupt mit einem großen Ansturm? Schließlich verschenkt Microsoft sein Betriebssystem an alle Windows-7- und Windows-8-Nutzer. Damit erledigt sich schon einmal ein wesentlicher Kaufanreiz. Ich muss zugeben: Als ich von der Vertriebsstrategie für das neue Betriebssystem gehört habe, war ich schon ein wenig überrascht. Das ist schon ein deutlicher Bruch mit der bisherigen Vorgehensweise. Ich denke aber dennoch, dass Windows 10 ein attraktives Zugpferd für das Hardware-Geschäft sein kann. Denn die besten Funktionen des neuen Betriebssystems setzen voraus, dass man mit wirklich aktueller Hardware arbeitet. Außerdem dürften viele Microsoft-Nutzer mit Geräteneuanschaffungen bis zum Launch des neuen Betriebssystems gewartet haben. Wir werden also schon ab dem ersten Tag der Vermarktung eine spürbare Nachfrage haben.
„Bei der Windows-Community ist genauso gelernt, dass man bei jedem neuen Betriebssystem mit dem Update lieber erst einmal abwartet, bis alle Bugs im System beseitigt sind.“
Mark Jendrzok
Das Geschäft könnte allerdings härter werden. Microsoft hat angekündigt, dass es in Zukunft keine neuen Betriebssysteme, sondern nur noch kontinuierliche Updates geben wird. Damit wird den Hardware-Herstellern ein von den Kunden gelernter Verkaufsanlass genommen. Das ist im Kern richtig, aber man sollte hier auch die Frage stellen, ob das nicht für uns – und speziell für Medion – nicht eher eine gute Nachricht ist. Denn bei der Windows-Community ist genauso gelernt, dass man bei jedem neuen Betriebssystem mit dem Update lieber erst einmal abwartet, bis alle Bugs im System beseitigt sind. Wenn man als Unternehmen wie Medion sehr schnell ein neue Gerätegeneration in den Handel bringt, hat man dadurch das Risiko, dass sich das Angebot nicht verkauft, weil die Kunden mit dem Upgrade noch warten. Dieses Problem tritt bei iOS und Android, die schon längst auf kontinuierliche Updates setzen, in dieser Form deutlich weniger auf. Mit frühzeitiger Verfügbarkeit kann man sich dann entsprechend positiv positionieren.
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Bild: Santiago Campillo-Lundbeck

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Das löst aber nicht Ihr Problem, wie Sie die Kunden zum Kauf motivieren. Ich denke, die effektive Strategie für die Zukunft ist schon jetzt in Ansätzen erkennbar. Windows 10 liefert ja viele lohnende Anknüpfungspunkte, um neue Hardware-Optionen zu integrieren, die früher nicht denkbar gewesen wären. So sind allein in der Biometrie viele innovative Ansätze erkennbar, wie man künftig die Sicherheit seines Geräts und gleichermaßen Einfachheit bei der Benutzung sicherstellen will. Für die konkrete technische Umsetzung dieser Ansätze gibt es allerdings eine Vielzahl von Möglichkeiten, die in ihrer Art und Weise sowie auch ihren Kosten variieren. Das bietet den Hardware-Herstellern viele Möglichkeiten, ihre Marke mit individuellen Lösungen vom Wettbewerb zu differenzieren.
„Wenn sich die Vermarktungsstrategie verändert, wird sich auch die Kommunikation weiterentwickeln müssen. “
Mark Jendrzok
Und wird man die Hardware-Branche dann auch wieder stärker mit eigenen Werbekampagnen sehen? Wenn sich die Vermarktungsstrategie verändert, wird sich auch die Kommunikation weiterentwickeln müssen. Denn wenn man bei einem Gerät nicht mehr nur die allgemeinen Leistungsdaten vermittelt, sondern konkrete innovative Funktionen und Nutzungsszenarien kommuniziert, steigt natürlich der Erklärungsbedarf. Zu sagen, wie der Kommunikationsmix dafür konkret aussehen wird, wäre allerdings zum jetzigen Zeitpunkt pure Spekulation.

Interview: Santiago Campillo-Lundbeck
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