Media.net, Smaato und Co Warum Investoren aus China derzeit auf Adtech-Firmen abfahren

Dienstag, 23. August 2016
Mit dem Heli zur Vertragsunterschrift: Zhang Min, VP von Miteno (links), Zhang Zhiyong, Chairman von Miteno (vorne), Div Turakhia, Gründer von Media.net (rechts).
Mit dem Heli zur Vertragsunterschrift: Zhang Min, VP von Miteno (links), Zhang Zhiyong, Chairman von Miteno (vorne), Div Turakhia, Gründer von Media.net (rechts).
Foto: Media.net
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Adtech-Unternehmen ziehen immer häufiger das Interesse chinesischer Investoren auf sich. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es zahlreiche, teilweise sehr kostspielige Übernahmen in diesem Marktsegment - zuletzt wechselte der Adtech-Pionier Media.net für knapp eine Milliarde US-Dollar in chinesische Hände. Der Grund für das Interesse aus Fernost sind unter anderem Arbitrage-Prozesse.
Zu Beginn der Woche sorgte eine Übernahme für Schlagzeilen: Ein chinesisches Konsortium kauft den Adtech-Spezialisten Media.net für 900 Millionen US-Dollar. Das akquirierte Unternehmen verkündete stolz, dass es sich dabei um den drittgrößten Adtech-Deal aller Zeiten handeln soll. Die chinesischen Unternehmer, so heißt es, kamen im Heli zur Vertragsunterschrift und sollen das Geld in Bar übergeben haben.
Die Übernahme von Media.net durch Investoren aus China ist nur eine von vielen in den vergangenen Monaten. Im Juni beispielsweise kaufte der chinesische Investor Spearhead die deutsche Adtech-Firma Smaato für - vergleichsweise günstige - 148 Millionen US-Dollar. Der in Peking ansässige Konzern Spearhead ist ein führendes Unternehmen der chinesischen PR- und Werbewirtschaft. Smaato ist darauf spezialisiert, in hoch technisierten Echtzeit-Auktionen zwischen werbenden Unternehmen und Netzbetreibern Werbebanner für Smartphones zu vermitteln. Im Februar berappte zudem der chinesische Werbe-Spezialist Mobvista 24,5 Millionen US-Dollar für den amerikanischen Mobile-Adtech-Dienstleister NativeX. Die junge Firma hat sich auf die Vermarktung von Apps und Mobile Games spezialisiert.

Die Akquisitionen von Media.net, Smaato und Co passen einmal mehr zur Strategie chinesischer Investoren, im Ausland durch Übernahmen in besonders wichtigen Branchen zu expandieren, unter anderem in der Adtech-Branche. Ein nahezu banaler Grund: Den wohlhabenden Investoren gehen die Möglichkeiten aus, ihr Geld zu parken. Die allseits beliebten Investitionen in Immobilien sind in China streng geregelt; die Investoren dürfen nur eine bestimmte Anzahl besitzen. Ein weitaus wichtigerer Grund: Laut "Business Insider" ist derzeit ein Arbitrage-Spiel im Gange. Heißt: Chinesische Investoren nutzen Preisunterschiede im Markt aus, um rasch Gewinne erzielen zu können. Sie kaufen im Ausland Vermögenswerte und handeln sie weitaus höher im heimischen Markt.

Das passiert nicht nur im Adtech-Bereich, auch wenn dieser Markt besonders attraktiv zu sein scheint, immerhin hatte kürzlich sogar der Chinesische Staatsrat empfohlen, in die jungen Tech-Firmen zu investieren. Auch im Fußball wollen die Chinesen expandieren: Die "Financial Times" berichtete, dass ein Konsortium aus Fernost Anteile am FC Liverpool übernehmen will und der chinesische Einzelhandelskonzern Suning erwarb die Mehrheit beim italienischen Fußballclub Inter Mailand. Außerdem kaufte kürzlich der Pekinger Schifffahrtskonzern Cosco die Mehrheit am größten griechischen Hafen Piräus. Und nicht zu vergessen: der Streit um die Übernahme des Flughafens Frankfurt-Hahn. Dort will die Shanghai Yiqian Trading Company einsteigen, der die rheinland-pfälzische Regierung aber die Seriosität abspricht. ron

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