Media-Saturn-Chef Wolfgang Kirsch Die selbstbewusste Ansage an die Online-Konkurrenz

Freitag, 15. August 2014
Wolfgang Kirsch, CEO Media-Saturn (Bild: Unternehmen)
Wolfgang Kirsch, CEO Media-Saturn (Bild: Unternehmen)

Die digitale Ära ist für den traditionellen Einzelhandel vor allem ein Leidensweg? Das sieht Wolfgang Kirsch, CEO von Media-Saturn völlig anders. Er erlebt sein Alltagsgeschäft als "die spannendste Zeit für den Handel und die Werbung seit 30 Jahren". Und im Exklusiv-Interview mit HORIZONT macht Kirsch klar, dass er diese Spannung genießt: "Wir probieren derzeit unglaublich viel aus, gehen neue Wege. Nur so entwickelt man sich weiter. Und das macht unwahrscheinlich viel Spaß."
Speziell die Transformation der Elektronik-Kette Media-Markt treibt den Manager dabei um. Die rote Marke mit der kultträchtigen Werbung versucht seit 2012 den Neustart als Multichannel-Händler. Kirsch verheimlicht nicht, dass bei nicht alles vom Start weg erfolgreich war. So urteilt er über die erste Kampagne der Leadagentur Ogilvy Frankfurt: "Unser Strategiewechsel war vielleicht etwas zu ruppig, zu aggressiv und die Kampagne war ein bisschen zu intellektuell." Dennoch sei der Schritt damals notwendig gewesen: "Wir haben in unserer Preiswahrnehmung wieder deutlich zugenommen."
Zur WM tanzte Bayern-Star Dante für Media-Markt durch die Werbeblöcke
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Restlos zufrieden ist er dagegen mit den parallelen Media-Markt-Kampagnen zur Fußball-WM. Hier seien zum ersten Mal alle Aspekte der Kommunikation zusammengebracht worden. Diese 360-Grad-Kommunikation werde im Marketing zwar theoretisch schon länger gefordert: "Meistens bleibt das aber dann nur ein Aufruf." Bei Media-Markt säßen mittlerweile alle Beteiligten bei Entwicklungen von Kampagnen von Anfang an mit am Tisch. Dadurch werde die Kommunikation allerdings nicht leichter, stellt der Handelsmanager klar: "Werbung ist heute viel komplexer als früher." Doch die neuen Werbeformate böten auch die Chance auf einen effizienteren Einsatz der Werbegelder: "Wir erreichen heute mehr Menschen und über einige der neuen Kanäle auch günstiger."

„Wolfgang Kirsch: "Wir rennen nicht jedem kleinen Garagenhändler hinterher"“
Sein Unternehmen müsse sich allerdings der neuen Wettbewerbsrealität, die durch das Internet entstanden sei, und seine Markenbotschaft entsprechend anpassen. Kirsch präzisiert: "Wer heute sein Handy anschaltet, stellt fest, dass auch der beste Preis als Markenbotschaft relativ ist. Es müssen andere Aspekte wie Service, Auslieferung und After-Sales-Betreuung dazukommen."

Das ändert allerdings nichts daran, dass Kirsch für Media-Markt nach wie vor die Preisführerschaft im Gesamtmarkt beansprucht. Als Marktführer renne man aber nicht "jedem kleinen Garagenhändler" hinterher: "Jemand, der kein anderes Argument als den Preis hat, muss wissen, dass er nur deutlich unter dem Media-Markt-Preis Käufer finden kann." cam
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