Media-Markt-Gründer Gunz Ausverkaufskampagne beschädigt Glaubwürdigkeit

Montag, 07. Oktober 2013
So warb Media-Markt für seine Eröffnungsangebote zum 4. Oktober (Bild: Media Saturn)
So warb Media-Markt für seine Eröffnungsangebote zum 4. Oktober (Bild: Media Saturn)


Mit viel Tamtam hat Media Markt in der vergangenen Woche eine Preispromotion betrieben, die die Schließung aller Filialen sowie des Online-Shops für einen Werktag beinhaltete. Bei Walter Gunz, dem Gründer der Elektronikkette, hinterlässt diese Aktion einen faden Beigeschmack: "Media Markt wirbt mit dieser Aktion jetzt wie ein Teppichhändler", so Gunz in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Deren Methode sei, ständig mit Totalausverkauf zu werben - "so lange, bis es ihnen keiner mehr glaubt. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit", sagt Gunz, der 1979 zu den Gründern von Media Markt gehörte und im Jahre 2000 seine letzten Unternehmensanteile verkaufte. Und fehlende Glaubwürdigkeit, davon ist Gunz überzeugt, sei wie ein Stigma: "Wenn die Glaubwürdigkeit einmal weg ist, dann ist es außerordentlich schwierig, die Leute neuerlich zu überzeugen."

Im Falle Media Markt läuft die Überzeugungsarbeit in erster Linie über das Preisargument - diese "eindimensionale Fixierung auf den Preis" sei aber gefährlich, so Gunz: "Natürlich muss der Preis stimmen, aber Sie müssen auch andere Qualitäten haben. Im Online-Zeitalter ist es irgendwo anders immer billiger." Das Internet bedeute gleichwohl nicht das Aus für Fachhändler, wie erfolgreiche Zusammenschlüsse wie Euronics oder Expert zeigten: "Wenn ein Kaufhaus oder ein Fachmarkt nicht mehr läuft, dann hat das sehr viel öfter damit zu tun, dass sie unfähig zur Veränderung, zur Anpassung sind. Es ist eine Frage des Personals und des Konzepts."

Welche Vorstellungen Gunz von erfolgreichem Unternehmertum hegt, macht er nun in einem Buch deutlich, das in Anlehung an den Media-Markt-Claim "Ich war doch nicht blöd" heißt. Es erscheint am 9. Oktober zur Frankfurter Buchmesse. ire
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